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| 30 Jahre Mauerfall

Neue Stiftungen in neuen Ländern

Seit der Wende sind in den fünf ostdeutschen Bundesländern 1337 rechtsfähige Stiftungen gegründet worden. Die wichtigsten fünf Trends.

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In den ostdeutschen Bundesländern, ohne Berlin, gab es Ende des vorigen Jahres 1613 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Bis Ende Oktober 2019 sind laut Bundesverband Deutscher Stiftungen bereits 30 neue Stiftungen hinzugekommen.

Damit sind in den fünf neuen Bundesländern seit der Wende 1337 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet worden. Im Osten spielen kapitalstarke Einzelstifter eine geringere Rolle als im Westen, teilt der Verband mit. Dafür sind Bürger- und Gemeinschaftsstiftungen von besonderer Bedeutung. Dazu gehören auch viele Stiftungen von Sparkassen.

 
West-Ost-Gefälle bei den Stiftungen. Seit 1989 holen die fünf östlichen Bundesländer auf. © Bundesverband deutscher Stiftungen

Statt durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen bewältigen viele Ost-Stiftungen ihre Arbeit durch bürgerschaftliches Engagement und Fundraising, zum Beispiel über Spenden. Angesichts niedriger Kapitalerträge trifft dies zurzeit aber auch auf die vielen kleineren Stiftungen in Westdeutschland zu.

„Der Mauerfall war der Startschuss für die Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft und die Gründung zahlreicher Stiftungen in Ostdeutschland“, sagt Prof. Joachim Rogall, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. „Diese setzen heute lokal, regional wie auch bundesweit ein starkes Zeichen für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt, bürgerschaftliches Engagement und Menschenfreundlichkeit.

1) In Sachsen hat es während der vergangenen drei Jahrzehnte mit 569 Stiftungen die meisten Gründungen gegeben.

Es folgen:
=> Thüringen (335)

=> Sachsen-Anhalt (309)

=> Brandenburg (237).

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Stiftungen bundesweit am niedrigsten (163).

2) Bei der Stiftungsdichte liegt Thüringen vor den anderen ostdeutschen Flächenländern. Dort kommen 16 Stiftungen auf 100 000 Einwohner.


=> In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es je 14.

=> Alle drei Bundesländer rangieren damit aber deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 28 Stiftungen pro 100 000 Einwohner.

=> Am niedrigsten ist die Stiftungsdichte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Zehn Stiftungen gibt es dort pro 100 000 Menschen.

„Das Engagement von Stiftungen in Ostdeutschland ist heute wichtiger denn je. Wir brauchen es, um die Zivilgesellschaft zu stärken“, so Eva Sturm, Beiratsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Vorstand der Cellex Stiftung, Dresden.

Kulturelle Unterschiede gebe es durchaus zwischen der ost- und westdeutschen Stiftungslandschaft: So spielten beispielsweise im Osten kapitalstarke Einzelstifterinnen und -stifter eine geringere Rolle als im Westen. Dafür seien Bürger- und Gemeinschaftsstiftungen, in denen sich viele Menschen zusammen engagieren, im Osten von besonderer Bedeutung.

Statt durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen stemmen viele Ost-Stiftungen ihre Arbeit durch bürgerschaftliches Engagement und Fundraising, zum Beispiel über Spenden, so Sturm. Angesichts niedriger Kapitalerträge treffe dies zurzeit allerdings auch zunehmend auf die kleineren Stiftungen in Westdeutschland zu.

3) Die Stiftungsdichte in Großstädten ist höher als auf dem Land.

=> Unter den ostdeutschen Großstädten liegt Potsdam vorn. 31 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts existieren dort pro 100 000 Einwohner.

=> Platz zwei belegt Jena (29),

=> Platz drei Dresden (27).

=> Alle drei Städte liegen damit vor Berlin, das mit 26 Stiftungen an vierter Stelle folgt.

 
Museumstag in der Alten Nationalgalerie in Berlin – die Sparkassen und ihre Stiftungen fördern beispielsweise Museen überall in Deutschland. © DSGV

4) Bei der Gründungsdynamik haben deutschlandweit drei ostdeutsche Bundesländer die Nase vorn.

=> Platz eins belegt Brandenburg, wo die Wachstumsrate 2018 bei 8,2 Prozent lag.

=> Auf Platz zwei folgt Sachsen-Anhalt mit 4,7 Prozent,

=> auf Platz drei Sachsen mit vier Prozent.

5) Trotz dieser Entwicklung gibt es im Osten weit weniger Stiftungen als im Westen.

Dies betrifft sowohl die absoluten Zahlen als auch die Stiftungsdichte:

=> 1613 Stiftungen in den ostdeutschen Bundesländern stehen

=> 20 175 Stiftungen in Westdeutschland gegenüber,

=> hinzu kommt Berlin mit 955 Stiftungen.

=> Damit machen die ostdeutschen Stiftungen rund sieben Prozent der 22 743 Stiftungen in ganz Deutschland aus.

=> Im Osten gibt es 13 Stiftungen auf 100 000 Einwohner

=> im Vergleich zu 35 im Westen.

Dass auch seit der Wiedervereinigung im Osten weniger Stiftungen gegründet werden als im Westen, liegt unter anderem an der Vermögensverteilung: Noch heute sind die Vermögen der Menschen in den östlichen Ländern insgesamt wesentlich geringer als in den westlichen. Somit steht auch weniger Geld zum Stiften zur Verfügung.