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Sparkassen International
Akwaaba in Afrika
Mit seiner wachsenden Mittelschicht und einem hohen Nachholbedarf, etwa bei Infrastruktur und Konsum, bietet der afrikanische Kontinent auch für deutsche Unternehmen große Chancen. Wie die Sparkassen ihre Kunden begleiten.

Sofie Quast verfügt über zwei Eigenschaften, die im Geschäft mit dem afrikanischen Kontinent besonders wertvoll sind: Zähigkeit und Geduld. Beides brauchte die Mitarbeiterin der Frankfurter Sparkasse unbedingt, als sie die eher ungewöhnliche Anfrage eines Kunden erreichte.

Die gemeinnützige Gesellschaft Housing! for Future gGmbH, die auf Initiative der deutschen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft gegründet wurde, will in Windhoek in Namibia 100 Häuser bauen und 500 Menschen ein Zuhause außerhalb der Elendsviertel geben. 

Dank der Afrika-Kontakte der Helaba gelang es, das Projekt erfolgreich voranzutreiben: Eine gemeinnützige GmbH wurde gegründet, der Zahlungsverkehr organisiert, ein Kredit gewährt und vor allem eine zuverlässige Verbindung zu einem lokalen Kreditinstitut hergestellt, der Standard Bank.

„Die Bank hat vor Ort sogar ein Team zusammengestellt, das zum Teil Deutsch sprach“, sagt Quast, die als Relation-Managerin beim S-CountryDesk arbeitet. „Das Afrika-Projekt ist eine gute Chance, um zu zeigen, dass wir auch internationale Anfragen kompetent bearbeiten können.“

Afrika ist im Kommen

Dürre, Hungersnöte, Armut, hohe Kindersterblichkeit, Diktaturen, Kriege, Korruption: Kommt das Gespräch auf Afrika, fällt die Stimmung meist schlechter als die Lage aus. Karsten Deetz, Relationship-Manager für Afrika beim S-CountryDesk, beobachtet ein steigendes Interesse der Wirtschaft.

Deetz sagt: „Während der Schwerpunkt der Relationship-Management-Aktivitäten zu Beginn auf den nordafrikanischen Ländern lag, erreicht den S-CountryDesk jetzt auch eine zunehmende Zahl von Anfragen zu anderen Ländern der Subsahara-Region. Afrika ist im Kommen.“ Fachkundige Begleitung sei dabei ein wichtiger Faktor für die Entwicklung erfolgreicher Beziehungen. 

Karsten Deetz beobachtet ein steigendes Interesse der Wirtschaft. „Afrika ist im Kommen“, sagt der Relationship-Manager.

In ihrer ersten 2019 erschienenen Sonderstudie äußert sich auch die Helaba positiv zu den aktuellen Entwicklungen. Die Armut sei stark zurückgegangen, eine konsumfreudige Mittelschicht herangewachsen und boomende Großstädte seien entstanden, schreibt Chefvolkswirtin Gertrud R. Traud.

Noch ist der Anteil am deutschen Außenhandel zwar gering. Nur zwei Prozent aller Ausfuhren – vor allem Autos, Zubehör, Maschinen und chemische Erzeugnisse – gingen 2018 auf den zweitgrößten Kontinent der Welt. Zu den deutschen Einfuhren steuerten dessen Staaten vor allem mit Rohstoffen gleichfalls nur zwei Prozent bei.

Seitdem Asien schwächelt und Russland durch Sanktionen eingeschränkt handlungsfähig ist, richten die Unternehmen jedoch verstärkt den Blick nach Afrika, um neue Absatzmärkte zu erschließen. 

Markt der Zukunft

Viel Dynamik ist auf dem Kontinent nicht zuletzt durch chinesische Investoren entstanden, die Infrastruktur wie Flughäfen, Eisenbahnen, Straßen bauen, wovon auch nachfolgende Unternehmen profitieren. Deshalb gehört Afrika für die Sparkassen und mit ihnen die Sparkassenstiftung zu spannenden Märkten der Zukunft. Welche Kunden betreuen die Sparkassen vor Ort? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken?

„Dreh- und Angelpunkt, um gezielt und aktuell unterstützen zu können, sind Kontakte zu lokalen Banken, aber auch zur Wirtschaftsförderung oder den Auslandshandelskammern“, weiß Deetz vom S-CountryDesk. 

Auf das Afrika-Know-how des CountryDesk setzt auch die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg, wenn sie zum Beispiel klärt, wie sie Exportgeschäfte begleiten kann.

Dreh- und Angelpunkt, um gezielt und aktuell unterstützen zu können, sind Kontakte zu lokalen Banken.

So wollte jüngst ein Kunde eine Verpackungsanlage nach Nigeria liefern und fragte eine Anzahlungsgarantie für dieses Geschäft nach. Dabei ging es um einen Wert von immerhin insgesamt zirka 565.000 Euro. „Wir haben dann den Kontakt zu Euler Hermes vermittelt, um die Zahlung aus dem Akkreditiv aus Nigeria abzusichern“, sagt Jan Lembke, Fachberater für internationales Geschäft. 

Geschäft mit Herausforderungen

Zu den größten Herausforderungen im Afrika-Geschäft gehören für ihn rechtliche Unsicherheiten, interkulturelle Unterschiede sowie Probleme mit der Devisenausfuhr. „Es kann durchaus vorkommen, dass ein Importeur problemlos die Ware bezahlen will, aber die Landeswährung aufgrund von staatlichen Devisenkontrollen nicht in Dollar oder Euro tauschen darf.“

Zu Lembkes Kunden gehört zum Beispiel auch ein Dienstleister, der Individualreisen nach Afrika (etwa nach Kenia, Uganda, Ruanda) anbietet und die Bezahlungen für die Hotels über Devisentermingeschäfte absichert. 

„Die Sparkasse Pforzheim Calw, mit 108 Geschäftsstellen und 1872 Mitarbeitern größte Sparkasse in Baden-Württemberg, wickelt jährlich rund 20 Akkreditive und 20 Dokumenteninkassi mit Kunden ab, die Handelspartner in Nordafrika, Angola, Uganda, Nigeria und Südafrika haben. Zum Geschäftsvolumen steuern diese zwar noch weniger als zehn Prozent bei, doch die Entwicklung ist positiv“, sagt Abteilungsdirektor Reinhard Pasch. Zu den größten Lieferungen zählte im vergangenen Jahr technische TV-Ausrüstung für Angola.

Ein komplexes Geschäft: Denn der deutsche Kunde kaufte die Technik in Südkorea ein und schickte sie dann in zehn Teillieferungen in den südafrikanischen Staat. Die Sparkasse Pforzheim Calw wickelte die Akkreditive ab, die auch forfaitiert wurden.  

Chancen-Kontinent Afrika

Wie Pasch registriert Andrea Kühn ein wachsendes Geschäft. Deutlich sei das auch bei einer Kunden-Veranstaltung zum Chancen-Kontinent Afrika im vergangenen Jahr geworden, sagt die Abteilungsleiterin Auslandsgeschäft der Stadtsparkasse Düsseldorf. „Die Resonanz war sehr gut. Viele Unternehmen haben allerdings noch Berührungsängste, weil die Finanzierung oftmals schwierig ist.“ Und das, obwohl Euler Hermes insbesondere für zwölf afrikanische Länder die Konditionen verbessert und den Selbstbehalt reduziert habe. 

Die Projekte der Kunden sind breit gestreut – über Branchen und Länder. Die Unternehmen bauen Maschinen für Infrastrukturprojekte in Nigeria, liefern Maschinen für den Ackerbau nach Nigeria, errichten ein Verwaltungsgebäude für ein Ministerium im Senegal, exportieren Metallschrott nach Kenia oder Düngemittel nach Nordafrika und suchen dafür die Unterstützung der Stadtsparkasse.

Im Falle regelmäßiger Lieferungen können die Exporte über so genannte Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistungen bei Euler Hermes abgesichert werden, was den Finanzierungsprozess vereinfacht. 

Stabile Zusammenarbeit

Positiv bewertet Kühn zudem die Zusammenarbeit mit der KfW-Tochter DEG, die Partner bei der Sparkassen-App „S-Weltweit“ ist. Sobald ein Kunde eine Investition in einem Entwicklungsland plant, für die die Sparkassen keine eigene Finanzierungslösung anbieten können, kann die DEG – die subsidiär zu Geschäftsbanken tätig wird – diese Lücke gegebenenfalls schließen.

Abholung am Flughafen: Die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation hat ihr Engagement in Afrika ausgebaut.

Auch die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation hat ihr Engagement in Afrika zuletzt ausgebaut. Sie betreibt – oftmals unterstützt durch deutsche Sparkassen – Projekte in aktuell 14 Ländern, um die Armut durch finanzielle Inklusion zu bekämpfen.

„Als öffentlich-rechtliche Institute ist es unsere Verpflichtung, im übrigen Teil der Welt etwas zu tun, obwohl wir lokale Institute sind“, unterstreicht Heinrich Haasis, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, die Training und Personalentwicklung, finanzielle Bildung, KKMU-Finanzierung, die Entwicklung regionaler Institute und ländliche Finanzierung fördert. 

Willkommen in Deutschland – Akwaaba in Afrika

Die Stiftung arbeitet vor Ort mit Finanzdienstleistern zusammen, um über institutionelle Weiterentwicklung etwa Sparneigung und Kreditversorgung der lokalen Bevölkerung zu verbessern. In einem anderen Projekt werden zum Beispiel Flüchtlinge aus Ghana und Gambia, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, schon vor der Rückreise auf die ökonomischen Herausforderungen in Westafrika vorbereitet und vor Ort bei der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit unterstützt.

„Immer wieder reisen auch Sparkassen-Mitarbeiter in die Projektgebiete, um dort ihr Know-how zur Verfügung zu stellen“, sagt Projektleiter Oliver Schuster. Für langfristige Einsätze werden sie oftmals freigestellt. 

Die Afrika-Connection funktioniert dabei nicht nur in eine Richtung. Sofie Quast von der Frankfurter Sparkasse erreichte jüngst eine Anfrage aus Marokko. Ein Unternehmen, das Maschinenersatzteile in Deutschland kaufen und nach Marokko liefern will, brauchte eine Bankverbindung im Rhein-Main-Gebiet. Die Kontoeröffnung hat Quast in die Wege geleitet, mit dem Ziel, neues Kundenpotenzial zu gewinnen. Willkommen in Deutschland. Akwaaba in Afrika.
 

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Eli Hamacher
– 17. Juni 2020