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06. Dezember 2017 - 08:30Dementi-Sprache

Verzicht auf negative Formulierungen

von Reiner Neumann

In Politik und Wirtschaft werden vor allem gegenüber Journalisten und der Öffentlichkeit Sachverhalte gern abgewiegelt. Meist wird damit die gegenteilige Reaktion erreicht. Dementi-Sprache ist somit extrem kritisch. Doch es geht auch anders, wie Kommunikationsexperten wissen.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Dementis bewirken oft das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. (terovesalainen/fotolia)
"Das Unternehmen ist nicht in der Krise"1, so Thomas Enders, Chef der Firma Airbus, im Interview mit dem Handelsblatt. Er steht damit nicht allein: "Ich bin nicht arrogant"2, formuliert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und "Ich will kein Sheriff sein"3, erklärt NRW-Innen­minister Herbert Reuls. "Ich war in keinem Hinterzimmer“4, stellt Stephan Hothoff-Pförtner fest, Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriften­verleger.

Genau den abgestrittenen Sachverhalt haben wir in all diesen Fällen deutlich vor Augen – die Krise bei Airbus, den arroganten Präsidenten, den Innenminister als Sheriff und die geheimen Mauscheleien in einem dunklen Hinterzimmer. Und dass es abgestritten wird, macht die Sache nur noch schlimmer. Solche und andere Sätze finden sich immer wieder in Interviews maßgeblicher Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft oder Politik. Dementis oder Negierungen sind die – leider allzu häufige – Antwort auf kritische Fragen des Interviewpartners. Auch im bescheide­neren lokalen Rahmen – intern oder beim öffentlichen Auftritt – lassen sich solche Fehler immer wieder finden.
Bernhard Schreier, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen, hat den doch kritischen Zustand seines Unternehmens mit dem Satz kommentiert "Wir sind kein Sanierungsfall"5 und damit nahegelegt, dass genau das doch stimmt. Eine vergleichbare Wirkung hat der italienische Finanzminister Carlo Padoan mit der Behauptung erzielt: "Italiens Bankensystem ist nicht in der Krise."6
Vorsicht mit der – öffentlichen – Wortwahl! Negative Formulierungen oder Dementis werden sowieso selten geglaubt. Denn das Dementi wirkt auf uns immer eher wie eine Bestätigung des kritisch hinterfragten Sachverhalts. "Eine Trennung von Chrysler ist für uns kein Thema." (Dieter Zetsche) – "Es gibt kein Risiko. Die Unsicherheiten im amerikanischen Hypothekenmarkt haben auf das IKB-Engagement praktisch keine Auswirkung." (IKB-Chef Stefan Ortseifen) – all diese Sätze7 ähneln doch zu sehr der "Mutter aller Dementis" – dem "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" von Walter Ulbricht anlässlich der Pressekonferenz am 15. Juni 1961.8 Zwei Monate später war die Mauer gebaut. Und auch die Aussagen der soeben Zitierten waren kurze Zeit später Makulatur.
Journalisten verwenden solche plakativ negativen Sätze gern als Über­schrift für das ganze Interview. Wenn es tatsächlich Probleme gibt, sollten sie lieber eingestanden werden. Man kommt früher oder später drauf. Wenn dagegen alles in Ordnung ist, sollte der tatsächliche Sachverhalt, aber dann positiv, formuliert werden.

Statements und Kernaussagen positiv formulieren

Die Bedeutung einer Kernbotschaft ist klar – kurz und prägnant bringen Sie es auf den Punkt. Aber eben bitte positiv. Negative Aussagen lassen sich meist positiv formulieren. "Verstehen Sie mich nicht falsch", lenkt die Wahrnehmung der Zuhörer auf ein mögliches Missverständnis. "Verste­hen Sie mich richtig" dagegen auf das Gemeinsame. "Wir wollen vermei­den" klingt defensiver als "Wir wollen ereichen". "Bitte auf den We­gen bleiben!", klingt nicht nur besser, die Aufforderung wird meist auch eher befolgt als "Rasen betreten verboten!"
Doch warum sind positiv formulierte Aussagen in den meisten Fällen besser? Eine Erklärung resultiert aus den Elementen unserer Kommuni­ka­tion. Wir kommunizieren immer – ob wir eine lange Rede halten oder ob wir jemandem mitten im Satz den Rücken zuwenden. Gleichermaßen nehmen wir die Signale anderer Menschen wahr und interpretieren diese. Signale empfangen und senden wir auf allen Ebenen – durch Körperhaltung, Gestik, Lautstärke oder Satzlänge. Gesendet werden viel mehr Signale, als wir wahrnehmen können. Wir konzentrieren uns auf bestimmte Signale, andere Elemente der Kommunikation nehmen wir überhaupt nicht wahr. Sender und Empfänger achten dabei nicht unbedingt auf dieselben Signale. Diese werden zudem immer unterschiedlich interpretiert. Ist eine Kostümierung als "Indianer" zu Halloween oder zum Karneval nur eine von vielen möglichen Verkleidungen, oder stellt das eine Geschmacklosigkeit gegenüber den Angehörigen der "First Nations" dar? Einfach nur nett anzuschauen – oder geschmacklos?

Man kann nicht nicht kommunizieren

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick9 stellt fest, dass wir immer kommunizieren – durch Kooperation, oder indem wir die Kommunikation verweigern. Jede Kommunikation hat inhaltliche Aspekte und Facetten, die die Beziehung der Personen untereinander vermitteln. Neben dem sachlichen Inhalt werden weitere Botschaften vermittelt. Jemand will vielleicht seine Kompetenz zeigen oder auf unser Unvermögen hinweisen.
Watzlawick unterscheidet dabei zwischen analoger und digitaler Kommunikation. Digitale Kommunikation bedeutet, dass wir Objekten Begriffe zuordnen. Wenn wir etwa die Aussagen einer Person nicht verstanden haben, sagen wir: "Das habe ich nicht verstanden." Digital vermitteln wir vorwiegend inhaltliche Aspekte, digital ist meist abstrakt. Analoge Kommunikation dagegen beinhaltet symbolische Aussagen, die in ihrem Ausdruck dem Inhalt ähneln. Zum Beispiel runzeln wir die Stirn, wenn wir etwas nicht verstehen. Analoge Kommunikation ist entwick­lungs­geschichtlich älter und funktioniert schneller. Tiere kommunizieren ausschließlich analog. Analoge Kommunikation kennt keine Verneinung. Zwar kann ich durch eine Umarmung ausdrücken, dass ich einen anderen Menschen mag oder ich kann durch drohende Körperhaltung und Gesten ausdrücken, dass ich jemanden schlagen will. Nicht ausdrücken kann ich auf der analogen Ebene allerdings, dass ich jemanden nicht schlagen will. Es gibt in der analogen Kommunikation keine Entsprechung für das digitale "Nicht".
Das ist ein Grund, warum wir das "Nein" im Dementi nicht (unmittelbar) verstehen und warum wir es anzweifeln. Eine zweite Erklärung liefert Daniel Kahnemann10. Der israelische Diplom-Psychologe und Nobel­preis­träger für Ökonomie (2002) hat in vielen Experimenten nachgewie­sen, dass wir weniger vernünftig agieren, als wir selbst gern glauben. Als solcher hat er einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, das von den Wirtschaftswissenschaften lange favorisierte Modell des rein rational agierenden Homo Oeconomicus zu widerlegen. Wir lassen uns meist von unserer Intuition leiten.
Kahnemann verortet die unterschiedlichen Denk- und Lösungsmuster in einem "System 1" und einem "System 2". Das System 1 funktioniert schnell, intuitiv und bildhaft, das System 2 dagegen rational, analytisch und entsprechend langsamer. Das System 1 hilft uns etwa, einen ableh­nenden Tonfall in der Stimme unseres Gesprächspartners sofort zu erkennen. Wir können allerdings nicht immer begründen, warum wir diese Empfindung haben. System 2 bestimmt unser überlegtes Handeln, wenn wir etwa unsere Steuererklärung ausfüllen.
Stellen Sie sich vor: Sie sind am Wochenende bei guten Freunden zum Essen eingeladen. Als Geschenk kaufen Sie guten Wein – drei Flaschen in einer Holzkiste für zusammen 110 Euro. Sie wissen, dass der Wein 100 Euro mehr kostet als die Kiste. Wie teuer ist dann die Kiste? Sofort und unwillkürlich denken wir: zehn Euro. Hier meldet sich das System 1 zu Wort. Es ist schnell und die Antwort ist ziemlich richtig, allerdings nicht ganz korrekt. Wenn wir die korrekte Antwort ausrechnen wollen, müssen wir das System 2 einschalten, das uns dann ermöglicht, auszurechnen, dass der Wein 105 und die Kiste fünf Euro kosten (natürlich!). Aber System 2 ist eben langsamer und träger als System 1.
System 1 ist schnell, intuitiv – und macht eher Fehler. System 2 ist langsam, rational – und muss bewusst aktiviert werden. Beide können sich in ihren Ergebnissen widersprechen, so Kahnemann. Wenn möglich, lassen wir uns vom System 1 leiten – von unserer Intuition. Das ist einfacher und geht schneller. Und genau diese verweigert das Nein in den Dementis und fühlt sich unwohl, wenn Anweisungen kommen, was n i c h t zu tun ist.
Friedemann Schulz von Thun11 hat das Modell der "vier Seiten einer Nachricht" formuliert. Dieses Modell beschreibt, dass jede Nachricht immer eine Vielzahl von Botschaften enthält. Gesendet wird auf den vier Kanälen der Sachbotschaft (das Was ...), des Appells, der Selbstoffenbarung und der Beziehung (... und das Wie der Nachricht). Jeder Sender sendet immer gleichzeitig auf allen vier Kanälen. Die gesendete Nachricht entspricht jedoch keineswegs der empfangenen Nachricht. Eine "Sendung" kann nicht eindeutig sein, sie kann zu wenig verständlich sein oder nur indirekt formulierte Botschaften enthalten. Der Empfänger kann einzelne Elemente der Botschaft stärker wahrnehmen als andere, oder er kann sie vielleicht auch schlicht und einfach nicht verstehen.
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  1. Verzicht auf negative Formulierungen
  2. Kommunikation auf sachlicher und emotionaler Ebene
  3. Fazit
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