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10. Januar 2018 - 07:00Geldpolitik

Was macht die Fed im Jahr 2018?

von Markus Gärtner, USA

In den USA fragt man sich dieser Tage fieberhaft, wie intensiv die US-Notenbank Fed im Jahr 2018 ihre Zinspolitik fortsetzen wird.

Viele Beobachter fragen sich, wohin die Reise unter dem designierten neuen Notenbankpräsidenten Jerome Powell (rechts) und dem seit einem Jahr amtierenden US-Präsidenten Donald Trump wohl gehen wird. (dpa)
Angesichts des robusten Wachstums der US-Wirtschaft von derzeit etwa drei Prozent könnte die US-Notenbank die Zügel stärker straffen als bisher angenommen, fürchtet unter anderem der Informationsdienst Bloomberg. In einem aktuellen Kommentar fragt er, ob die Geldhüter im neuen Jahr "trigger happy" sein werden. Diesen Ausdruck verwendet man in Nordamerika gern, wenn man jemanden mit dem Finger am Abzug einer Waffe sieht und fürchtet, dass er tatsächlich abdrückt.

Die Wortwahl der Finanz-Nachrichtenagentur ist ominös, denn die Zinspolitik in den USA hat auch stets spürbare Auswirkungen auf die Eurozone und den Radarschirm der Europäischen Zentralbank. Und kurz nach der vor Weihnachten erfolgten Verabschiedung von Donald Trumps Steuerpaket rückt die Zinspolitik noch mehr als sonst in den Vordergrund. Trump behauptet zwar, das US-Wirtschaftswachstum könne sich dank der niedrigeren Steuern verdoppeln, auf etwa sechs Prozent. Bei der Fed hält man das aber für grob unrealistisch. Denn in einer Phase, in der Vollbeschäftigung erreicht wurde und einige Industrien mehr freie Stellen ausschreiben als es Bewerber dafür gibt, können selbst höhere Firmengewinne nur begrenzt für noch mehr Investitionen sorgen. Am US-Arbeitsmarkt wird die niedrigste Arbeitslosenrate seit der Präsidentschaft von George W. Bush gemessen.

Notenbank und Kongress marschieren in verschiedene Richtungen

Janet Yellen, die am 30. und 31. Januar letztmals als Fed-Chefin über eine reguläre Sitzung des Offenmarktausschusses wachen wird, schließt sich wohl auch aus diesem Grund ausdrücklich nicht der Prognose von Trump an, wonach es sich bei der Steuerreform um "Raketentreibstoff" für die US-Konjunktur handelt. Die Fed hat Mitte Dezember zum dritten Mal im Jahr 2017 die Leitzinsen angehoben, insgesamt das fünfte Mal nach der langen Niedrigzinsphase, die auf die Finanzkrise von 2008 folgte. Die Fed hat zudem für 2018 die Wachstumsprognose angehoben. Aber bei den Währungshütern hat man nicht nur die Wachstumsrate der US-Wirtschaft im Visier, sondern auch die zunehmend angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die seit einiger Zeit beim wichtigen Handelspartner China anziehenden Produzentenpreise.  
In Washington sorgt die Zinswende der Fed für politische Spannungen. Denn der Kongress und die Notenbank gehen in entgegengesetzte Richtungen. Während die Fed die Zinszügel anzieht, versucht das Parlament mit den Steuersenkungen Rückenwind für die Konjunktur zu erzeugen. Schließlich stehen 2018 Zwischenwahlen für den Kongress an. Die Fed kommt dem US-Präsidenten also zunehmend ins Gehege. Der wartet jetzt darauf, dass Janet Yellen, deren Amtszeit am 3. Februar ausläuft, das Ruder an den Fed-Gouverneur Jerome ("Jay") Powell übergibt. Powell wurde von Donald Trump nominiert und muss vom Senat noch bestätigt werden.
Nicht nur der Führungswechsel an der Spitze der Fed und die konträren Marschrichtungen zwischen der Notenbank und dem Kongress sorgen derweil für gespanntes Abwarten und politische Spannungen in Washington. Auch die wachsende Zahl von Banken, die im kommenden Jahr nicht nur mit drei Zinsanhebungen der Fed rechnen – wie von der Fed bislang angegeben – sondern eher sogar mit vier Straffungen der Zinszügel, sorgt für Verunsicherung. So hob vor Weihnachten die Deutsche Bank ihre Prognose für 2018 auf vier Zinserhöhungen der Fed an.

Das neue Jahr bringt wohl mehr als drei Zinsschritte

Bei Goldman Sachs und JP Morgan Chase erwartet man ebenfalls, dass die Fed öfter als drei Mal die Zinsen anhebt. In einem Kapitalmarkt, in dem sich große Investoren wie private Anleger darauf eingestellt haben, dass sie genau wissen, was die Fed als Nächstes macht, kann die resultierende Unsicherheit die durch hohe Kurse geprägten Märkte leichter aus der Bahn werfen, falls es zu externen Schocks kommt. Zusätzliche Zinserhöhungen könnten zu vorsichtigeren Wachstumsprognosen der Analysten führen und die Gewinnerwartungen nicht nur an der Wall Street schmälern. Dahinter steckt auch die mühsam verborgene Angst einiger Konjunkturbeobachter, dass sich die weltweite wirtschaftliche Expansion zwar im Jahr 2018 fortsetzt, aber im schlimmsten Fall von unvorsichtigen Notenbankern gedrosselt werden könnte.
Auch die EZB hatte ja im Dezember, als sie die Leitzinsen unverändert ließ, die Wachstumsprognose für den Euroraum 2018 angehoben. Der Gouverneursrat erwartet für die absehbare Zukunft unveränderte Leitzinsen. Die EZB hat aber schon im Oktober angekündigt, ab Januar 2018 ihre monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 30 Milliarden Euro herunterzuschrauben. Damit verbunden kündigte sie an, ihr Lockerungsprogramm mindestens bis September 2018 fortzuführen.
Die EZB sieht ihrerseits Druck von zwei Seiten. Die wachsende Zuversicht in die Konjunktur der Eurozone könnte dem Euro weiter Auftrieb verleihen. Die Aufwertung könnte durch eine Fortsetzung der seit Anfang 2017 zu beobachtenden Dollarschwäche verstärkt werden. Damit würden Importe in den Euroraum günstiger werden und den Versuch der EZB torpedieren, die Inflation in der Nähe – aber unterhalb – von zwei Prozent zu erreichen. Natürlich hat die Zahl der Zinsschritte, die die Fed 2018 unternehmen wird, auf diese Wirkungskette einen erheblichen Einfluss.
Auch auf die EZB wächst zugleich der politische Druck, denn eine wachsende Zahl von Beobachtern kritisiert, ihre Geldpolitik sei − gemessen an der robusten Konjunktur in der Eurozone − inzwischen zu expansiv. Am deutlichsten wurde in diesem Zusammenhang Dänemarks Finanzminister Kristian Jensen. Er gab zu Protokoll, er würde sich definitiv freuen, wenn die EZB mit ihrer lockeren Geldpolitik noch einen Gang runterschalten würde.
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