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26. Oktober 2017 - 11:02Konsolidierung / Interview

Zukunftswerkstatt Sparkasse

von Silvia Besner

Standortbereinigung, Stellenabbau und Strategien für den Ertrag von morgen: Die Sparkasse Vogtland bewältigt derzeit einen "beispiellosen Veränderungsprozess", wie Vorstandschef Marko Mühlbauer sagt.

Reaktionsschnelligkeit übt Vorstandschef Marko Mühlbauer (vorne links) mit seiner Mannschaft auch am Tischkicker. (Sparkasse)
DSZ: Anhaltende Niedrigzinsphase, demografischer Wandel, digitalisiertes Kundenverhalten: Die Bankenbranche kämpft mit radikal veränderten Rahmenbedingungen. Herr Mühlbauer, wie schlagen sich die großen Themen in der Region nieder?
Marko Mühlbauer: Sie stellen auch die Sparkasse Vogtland vor große Aufgaben. Unser Haus bewältigt derzeit einen beispiellosen Veränderungsprozess, weil wir es sicher für die Zukunft aufstellen müssen. Eine neue Standortstruktur, klare Vertriebsstrategien und ein deutliches Bekenntnis zum multimedialen Kontakt werden das Gesicht der Sparkasse Vogtland nachhaltig prägen. Das spüren unsere Kunden und selbstverständlich auch unsere Mitarbeiter.
DSZ: Legen Sie gleich mal Zahlen auf den Tisch.
Mühlbauer: Ende 2015 haben wir das Filialnetz der Sparkasse Vogtland neu ausgerichtet. Von den 53 klassischen Filialen blieben noch 26 bestehen. Zudem wurde rund ein Drittel der Stellen abgebaut. Dabei galt stets die Prämisse, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Ein solch umfangreicher Veränderungsprozess ist auch nur erfolgreich, wenn er durch eine konsequente und langfristige Kommunikations- und Unternehmenskultur begleitet wird.
Die neue fahrbare Filiale wird den Gemeindevertretern präsentiert. Hier überzeugt sich Jörg Kerber, Bürgermeister der Gemeinde Ellefeld, gerade persönlich von der Barrierefreiheit des Sparkassenbusses. (Sparkasse)
DSZ: Erzählen Sie uns mehr davon.
Mühlbauer: Besonders wichtig war uns die direkte Kommunikation mit den kommunalen und bürgerlichen Vertretern. In Gesprächsrunden und persönlichen Besuchen wurde der notwendige Umbau erklärt und begründet. Auch unsere mobile Sparkasse konnten die Bürgermeister vorab als erste begutachten. Wir sind aber auch zu Bürgerstammtischen oder Vereinstreffen gefahren und haben dort Rede und Antwort gestanden. Natürlich gab es dabei auch schwierige Gespräche, aber eben auch viel Verständnis. Besonders wichtig war vielen, dass auch in Zukunft die Bargeldversorgung für den ländlichen Raum gesichert ist. Hier konnten wir mit neuen Ideen, wie der mobilen Sparkasse oder Bargeld-Partnern Lösungen anbieten. Wir nehmen die Fragen und Anmerkungen aus unserer Region ernst. Dazu zählt auch ein umfangreiches Beschwerdemanagement. Wir haben allen Mitarbeitern Argumentationshilfen zur Seite gestellt und Kundenfragen auf allen Kanälen direkt beantwortet. Egal ob persönlich in der Filiale, am Telefon oder in den sozialen Netzwerken – wichtig war uns, den Sorgen und Ängsten unserer Kunden offen zu begegnen.
DSZ: Wahrscheinlich mussten zuerst die Sorgen und Ängste der Berater abgebaut werden…
Mühlbauer: Wir haben versucht, den Mitarbeitern die Notwendigkeit der Neuaufstellung nicht nur zu erläutern, sondern sie auch aktiv in den Veränderungsprozess einzubinden. In Workshops und persönlichen Gesprächen haben wir immer wieder auch das Feedback unserer Mitarbeiter eingeholt. Ein weiterer Baustein war unsere Zukunftswerkstatt, die im vergangenen Jahr gestartet ist: 32 Mitarbeiter aus allen Bereichen haben an diesem innovativen Format teilgenommen. Dabei ging es an drei intensiven Tagen zunächst um die Frage, welche Ideen unsere Sparkasse in die Zukunft führen können. Jetzt wird in Gruppen an mehreren Themenschwerpunkten gearbeitet, etwa an der Vereinfachung von Prozessen, an der Verbesserung des medialen Vertriebs und an der Entwicklung neuer Ertragschancen. Auch unseren Führungsprozess haben wir uns intensiv angeschaut und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern Leitlinien der Unternehmenskultur erarbeitet. Wir bekennen uns klar zu einem kooperativen Führungsstil, der besonderen Wert auf vertrauensvolle Zusammenarbeit und klare Kommunikation, aber eben auch auf Veränderungsbereitschaft legt.
Impressionen aus der sogenannten Zukunftswerkstatt: 32 Mitarbeiter aus allen Bereichen haben an drei Tagen Strategien für die Sparkasse von morgen entwickelt. (Sparkasse)
DSZ: Warum kann nicht alles bleiben, wie es ist?
Mühlbauer: Da ist zunächst der demografische Wandel: Das Vogtland hat mit 49,1 Jahren den ältesten Bevölkerungsschnitt in Sachsen. Bis 2030 erwarten wir einen weiteren Einwohnerrückgang um etwa 13 Prozent. Das wirft Fragen auf: Wie kann altersgerechter Wohnraum geschaffen, wie können Fachkräfte angeworben, wie muss der ländliche Raum entwickelt werden?
DSZ: Wie versorgt die Sparkasse Vogtland die alten Leute und den ländlichen Raum?
Mühlbauer: Wir haben uns viel einfallen lassen, um den Abbau der Geschäftsstellen mit Alternativen aufzufangen. Seit Juli vergangenen Jahres fährt unsere „mobile Sparkasse“ inklusive Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und Berater zahlreiche Orte an. Für die Bargeldversorgung wurden Partner gefunden: Einzelhändler wie Bäcker oder Frisöre, bei denen sich die Sparkassenkunden bis zu 200 Euro Bargeld auszahlen lassen können.
DSZ: Wie gut sind die übrig gebliebenen Geschäftsstellen denn noch besucht?
Mühlbauer: Mal grundsätzlich gesprochen: Wir wollen als Sparkasse nah an den Menschen bleiben. Die persönliche Beratung in der Filiale steht auch weiterhin im Mittelpunkt. Aber wir schauen uns auch an, was unsere Kunden wirklich wollen. Und da haben sich auch die Gewohnheiten der Vogtländer in den vergangenen Jahren verändert. Kunden suchen verstärkt digitale Wege zu ihrer Sparkasse, nutzen für ihre Geldgeschäfte zunehmend das Internet. Längst müssen wir uns auch mit neuen überregionalen Angeboten messen. Die Nachfrage nach Service in den Filialen wird zurückgehen, dafür steigt der Beratungsbedarf. Daher setzen wir auf weniger Filialen, diese jedoch stärken wir. Die Kunden sollen unsere Leistungen dort erhalten, wo sie sie haben wollen: in den Geschäftsstellen ganz persönlich, per Telefon und im Netz.
In Arbeitsgruppen geht es jetzt konkret um die Vereinfachung von Prozessen, die Verbesserung des medialen Vertriebs und die Entwicklung neuer Ertragschancen. (Sparkasse)
DSZ: Ist die Sparkasse Vogtland denn schon in der digitalen Welt angekommen?
Mühlbauer: Wir haben eine regelrechte Digitalisierungsoffensive gestartet. Wir bauen einen „medialen Vertrieb“ auf, machen unsere Mitarbeiter in Webinaren, Schulungen und Veranstaltungen fit für digitale Themen. Neu ist zum Beispiel eine „digitale Kaffeerunde“, in der sich unsere Mitarbeiter zwanglos zu neuen Trends austauschen oder gegenseitig technische Kniffe erklären. Auch für Unternehmer im Vogtland ist Digitalisierung längst zum allgegenwärtigen Zukunftsbegriff geworden. Doch wie sollen klein- und mittelständige Unternehmen ganz praktisch auf die Herausforderungen reagieren? Wo liegen Chancen, wo Risiken der Digitalisierung? Wir sehen uns als wichtiger Partner des regionalen Mittelstands und wollen unsere Unternehmen auf dem Weg in die Industrie 4.0 begleiten. In einer Reihe von Veranstaltungen und Vorträgen setzen wir das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt – unlängst etwa mit Unterstützung des Experten Prof. Matthias Sturm von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.
DSZ: Demografie und Digitalisierung zwingen zu Veränderungen. Aber auch die Situation am Geld- und Kapitalmarkt schmälert die Erträge.
Mühlbauer: Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase haben wir im April neue Privatgirokontomodelle und ein Verwahrentgelt für gewerbliche Kunden eingeführt. Dabei ist uns wichtig, unsere Angebote fair und transparent zu bepreisen. Mithilfe eines intensiven Kommunikationskonzepts haben wir zunächst bei unseren Mitarbeitern Verstehen und Verständnis gesichert: Warum kosten Girokonten Geld? Was leistet eigentlich meine Sparkassencard? Was macht den Unterschied der Sparkassen aus? Dann konnten auch die Kunden erfolgreich von den neuen Preismodellen überzeugt werden. Denn selbstverständlich waren Bankdienstleistungen schon immer mit personellem und finanziellem Aufwand verbunden und nie kostenfrei. Aber auch gesellschaftlich vollzieht sich eine Abkehr von der Geiz-ist-Geil-Mentalität hin zu Qualitätsbewusstsein und Nachhaltigkeit. Dies müssen gerade die Sparkassen aktiv mitgestalten.
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