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| Porträt

Für manche Geschäfte ist das Leben zu kurz

26 Jahre lang führte Hans-Christian Ritter die New Yorker Niederlassung der Landesbank Hessen-Thüringen. Mit einem Finanzierungsvolumen von zehn Milliarden US-Dollar bewegte Ritter rund ein Fünftel des Immobiliengeschäfts der Helaba.

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Mit Donald Trump hatte Hans-Christian Ritter nie zu tun. Im Laufe seiner Zeit als Immobilienfinanzierer in New York hatte er sich eine Liste von potenziellen Kunden gemacht, mit denen er nicht verhandeln wollte. Ganz nach dem Motto, so Ritter: „Life is too short.“

Und auch ohne Geschäfte mit dem umstrittenen heutigen US-Präsidenten wirtschaftete die New Yorker Niederlassung der Landesbank Hessen-Thüringen erfolgreich. Ritter führte sie 26 Jahre lang, Ende Januar ging er in den Ruhestand. Mit ihm verbunden bleibt der Aufstieg der Helaba in den USA zu einem nicht nur Insidern bekannten Immobilienfinanzierer. Mit 25 Mitarbeitern in den Bereichen Akquisition, Portfolio- und Risikomanagement und mit einem Finanzierungsvolumen von rund zehn Milliarden US-Dollar bewegte Ritter von New York aus rund ein Fünftel des Immobiliengeschäfts der Helaba.

Die Gunst der Unzeit genutzt

Als der Banker 1993 bei der Helaba in New York anfing, war die Landesbank in den USA vorwiegend im Corporate Finance und im Geld- und Devisenhandel aktiv. Man folgte damals dem Geschäft der deutschen Firmen ins Ausland. Der Standardfirmenkundenkredit war wenig ertragreich, deshalb kamen Projektfinanzierungen hinzu, Flugzeugleasing und Finanzierungen im Energiesektor. Das Triple-A Rating der Bank wurde für US-amerikanisches Kommunalgeschäft genutzt, bei dem Anleihen mit Garantien versehen wurden. In dieser Zeit der geschäftlichen Neuorientierung begann Ritter dann damit, das Immobiliengeschäft aufzubauen. Das Ziel: für den US-Standort einen Zusatznutzen zu generieren.

 
Hans-Christian Ritter ist längst ein echter New Yorker geworden. Auch seinen Ruhestand wird er nun in der Wahlheimat verbringen: in New York und an der Küste Long Islands.

Von außen betrachtet kam die Helaba mit ihrem neuen Geschäftsangebot zu Unzeiten in den US-Markt: Wegen einer Immobilienkrise Anfang der Neunziger Jahre zogen sich viele ausländische Investoren und Finanzierer zurück. US-Großbanken reduzierten ihr Immobiliengeschäft drastisch. „Als einer der wenigen verbliebenen Anbieter konnten wir es uns aussuchen, mit wem wir Geschäft machten“, so Ritter. Sein Vorteil war auch, dass kompetente Immobilienmanager auf dem Markt waren und bei der Helaba aufschlugen. Zunächst war das Immobiliengeschäft der Landesbank in New York vor allem auf das Bürosegment fokussiert, inzwischen ist das Buch zu mehr als 50 Prozent mietwohnungsorientiert, 40 Prozent geht in Büroimmobilien und der Rest in gemischt genutzte Anlagen.

Krisen gut verarbeitet

Die Helaba hat sich unter Ritter vor allem im New Yorker Immobilienmarkt engagiert, zudem an der Ostküste in Boston und Washington. In der Mitte des Landes ist die Bank in Chicago und ansonsten an der Westküste – in Los Angeles, San Francisco, Seattle und Portland – mit Finanzierungen tätig. Man orientiert sich an Standorten mit Eigendynamiken, auch um unter Umständen Verwertungsrisiken vorzubeugen. Risiken vorbeugen ist auch die Devise für die Engagements selbst: erhöhte Risikokategorien, wie sie die Finanzierungen von Hotels oder Seniorenwohnanlagen darstellen, gehörten nicht zur Strategie. Ritter: „Wir hatten aufgrund unseres Ratings immer den Vorteil, dass wir uns das hochwertige Geschäft leisten konnten. Andere Marktteilnehmer mussten deshalb in andere Risikokategorien gehen.“

Auch die letzte Krise hat Ritter mit seinen Kollegen gut verarbeitet. „Wir haben uns mit den Kunden zusammengesetzt und längerfristige Lösungen entwickelt, statt schnell abzuschreiben. Dadurch gab es nur minimalen Korrekturbedarf, wir haben sogar selbst in der Krise Kredite an uns bekannte Kunden ausgezahlt“, so der Immobilienfachmann. In ihrer Hochzeit stand die Helaba bei 13 Milliarden US-Dollar an Immobilienfinanzierungen in den USA.

Hauptkunden sind institutionelle Investoren und auch Familien aus New York, die häufig als Entwickler in diesem Markt tätig sind. Gerade diese Familien, die schon seit Generationen speziell im Wohnungsimmobilienmarkt engagiert seien und bauten, schätzen die Helaba sehr, sagt Ritter. „Wir sind eine unkomplizierte Truppe, überschaubar, mit wenigen personellen Wechseln, und wir arbeiten aus deren Sicht lösungsorientiert und gleichzeitig nach innen risikoorientiert“, so der New Yorker Manager.

Dass die letzte Immobilienkrise das Geschäft verändert hat, gibt Ritter zu. „Unsere bevorzugte Größenordnung sind Projekte zwischen 50 und 100 Millionen US-Dollar. Wir sind auch in der Lage, größere Projekte anzunehmen, nehmen aber heute nicht mehr als einen Betrag im unteren dreistelligen Bereich in die Bilanz. Der Rest geht in einen Syndizierungsprozess an andere Banken, was uns wiederum Gebühren einbringt.“ Insgesamt seien dies interessante Geschäfte, und dass die Helaba diese Beträge zeichnen könne, mache sie auch für institutionelle Kunden attraktiv.

Kampf mit harten Bandagen

Und wo geht die Reise hin? „Der Immobilienmarkt vor allem in den Regionen, in denen wir engagiert sind, bleibt als Assetklasse immer für Investoren attraktiv, auch weil der amerikanische Markt eine große Tiefe und Transparenz hat“, sagt Ritter. Auf der Finanzierungsseite gebe es immer wieder neue Spieler – Banken, Verbriefer, aber auch Vermögensverwaltungsfonds mit höheren Renditeerwartungen, Staatsfonds oder Investoren aus Ostasien. Manchmal werde mit harten Bandagen gekämpft, aber das sei schon immer so gewesen.

Ritter wird auch in seinem Ruhestand in den USA bleiben, in New York und in seinem Haus an der Küste Long Islands. Der passionierte Segler und Golfspieler hat für seine Hobbies zukünftig mehr Zeit.

Als Niederlassungsleiter der Helaba folgt ihm Christian Jagenberg, der sich verstärkt in das Corporate-Finance-Geschäft einbringen wird. In die Fußstapfen des Immobilienfinanzierers Hans-Christian Ritter tritt Richard Lavrich, der bereits seit 15 Jahren in seinem Team ist, zuletzt als Stellvertreter.