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| Tourismusbarometer

Ostdeutsche Reiseziele bleiben beliebt

Touristen kommen zwar gern nach Ostdeutschland, doch auch an der Ostseeküste sei die Nachfrage 2018 gesunken, heißt es im OSV-Tourismusbarometer. In diesem Jahr sorgen Bauhausjubiläum, Fontanegeburtstag und der Mauerfall vor 30 Jahren für steigende Besucherzahlen.

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Ostdeutsche Reiseziele bleiben beliebt, auch dank des Rekordsommers 2018. Das Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) verzeichnet für das vergangene Jahr im Verbandsgebiet ein Plus von drei Prozent bei den Ankünften auf 28,4 Millionen und einen Anstieg um 2,7 Prozent bei den Übernachtungen auf 82,6 Millionen. Allein im Campingsegment gebe es ein Übernachtungsplus von mehr als zehn Prozent.

 
Ahlbecker Seebrücke auf Usedom: Erstmals seit 2010 gab es 2018 in den Kaiserbädern einen Besucherrückgang. © dpa

Allerdings sei das Wachstum in Ostdeutschland weiterhin schwächer ausgeprägt, als in Gesamtdeutschland. Die Marktanteile seien zudem weiter gesunken auf 17,3 Prozent. Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern habe 2018 eine Wachstumspause eingelegt. Erstmals seit 2010 verzeichneten dort alle Küstenreisegebiete einen Nachfragerückgang. Dieser Trend habe sich auch in den ersten vier Monaten 2019 an weiten Teilen der Küste fortgesetzt.

Insgesamt stünden die Zeichen im ostdeutschen Tourismus 2019 aber auf Wachstum, heißt es in einem OSV-Bericht. Dank des Bauhaus-Jubiläumsjahrs, des Geburtstags von Theodor Fontane vor 200 Jahren und des Mauerfalls vor 30 Jahren steige die Nachfrage nach touristischen Angeboten.

 
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Neuruppin (oben) - die brandenburgische Geburtsstadt Theodor-Fontanes (unten) bietet in diesem Jahr zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen. © dpa

Gefragt waren 2018 in Ostdeutschland vor allem Städtereisen, Impulse seien von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ausgegangen. Auch ein Jahr nach dem Jubiläum gebe es Interesse an den Zentren der Reformation in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders Meißen legte zu. Vor allem die größeren Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern erfreuten sich steigender Besucherzahlen und entwickelten sich im Osten vielerorts dynamischer als im Westen, nicht zuletzt dank Leipzig, Potsdam, Rostock und Magdeburg. Allerdings seien die Großstädte in den neuen Ländern nur für knapp zwei Drittel der städtetouristischen Nachfrage verantwortlich, zumal es dort nicht so viele Großstädte gebe, heißt es im Tourismusbarometer.

 
Das Bauhausjubiläum zieht in diesem Jahr Besucher aus aller Welt ins sachsen-anhaltinische Dessau. © dpa

Freizeit- und Kultureinrichtungen kämpften wegen des heißen Sommers mit Einbußen von 3,1 Prozent. Nur etwa 37 Prozent von ihnen verbuchten Besucherzuwächse. Am erfolgreichsten waren Freizeit- und Erlebniseinrichtungen mit einem Plus von 10,2 Prozent gegenüber 2017 und im Langfristtrend seit 2013 mit einem Plus von 23,8 Prozent.

Qualität bleibt hoch, aber Gäste kritisieren Internetversorgung

Die Zufriedenheit der Übernachtungsgäste in Ostdeutschland ist nach dem aktuellen Trust-Score auf 83 Punkte gestiegen, ein Plus von 0,5 Punkten. Die Wiederbesuchs- und Weiterempfehlungsquote liegt im Osten über dem Bundesschnitt. Kleiner Wermutstropfen: In Deutschland legte der Zufriedenheitswert insgesamt um 0,7 Punkte auf 83,5 zu. In Ostdeutschland kritisieren Gäste häufig die Zimmerqualität und die Internetversorgung.

Für jede siebte im Tourismusbarometer befragte ostdeutsche Destination sei nachhaltige Mobilität ein wichtiges Thema, heißt es im OSV-Bericht. Hauptmotiv ist, den öffentlichen Personennahverkehr durch zusätzliche touristische Nutzung in den meist ländlichen Regionen zu stabilisieren. Handlungsdruck registrieren ostdeutsche Destinationen zudem wegen geänderter Mobilitätsbedürfnisse der Gäste.

Hinzu komme, dass viele Destinationen für ihr Image als Natur- und Erholungsziel zukunftsfähige Mobilitätslösungen benötigen. Das Unterwegssein habe sich vom puren Transport zum Reisezweck und Erlebnisbaustein gewandelt. Ein Mehrwert entstehe vor allem, wenn es gelinge, die touristische Qualität der Mobilitätsangebote zu verbessern. Wie sich nachhaltige Mobilität umsetzen lasse, zeigten unterschiedliche Projekte in Bad Saarow, auf Rügen, in der sächsischen Schweiz, im Harz und im Thüringer Wald, heißt es im Bericht des Verbands, der im August und September Detailergebnisse für einzelne Bundesländern in vier Länderveranstaltungen vorstellen will.