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| Austausch

Tinder für die Sparkasse

Bei der Haspa finden sich Mitarbeiter per App – zum Lunch, zum Wissenstransfer oder um sich eine Stelle zu teilen. Möglich macht das ein Berliner Start-up. Eine Exkursion im Rahmen der Fachtagung Personal.

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Das Start-up residiert, wie man sich das so vorstellt, in Berlin-Mitte. Eine Sechs-Zimmer-Altbau-Wohnung, junge Menschen auf Sitzsäcken und an Palettenmöbeln, aus der Küche trottet ein Hund. Einmal über den Hof, in der ehemaligen Remise, sitzen normalerweise die Programmierer vor der nackten Backsteinwand. Heute lassen sich dort Personaler der Sparkassen-Finanzgruppe von Jana Tepe und Anna Kaiser erzählen, wie man Mitarbeiter vernetzt.

Die beiden Gründerinnen und Geschäftsführerinnen von Tandemploy haben eine Art „Business-Tinder“ entwickelt. Die Idee: Mitarbeiter können sich auf der digitalen Plattform anmelden, um miteinander in Kontakt zu treten, wie man das etwa von Dating-Apps kennt oder vielleicht von nebenan.de, wo Nachbarn sich zu gegenseitiger Hilfeleistung verabreden.

18 verschiedene Möglichkeiten, zueinanderzufinden

Bisher gibt es 18 verschiedene Möglichkeiten des Austauschs über die digitale Anwendung: Kollegen finden sich so etwa zum gemeinsamen Mittagessen zusammen, zur Projektarbeit oder zum Wissensaustausch in Form eines Mentorings. Sie können auf diesem Weg auch einen Hospitationsplatz suchen, beispielsweise in einer anderen Abteilung des Unternehmens oder an einem anderen Standort. Oder sie finden gar einen Tandempartner, der mit ihnen den Einsatzort tauschen oder seine Stelle teilen will.

Alles weit weg vom Alltag in einer Sparkasse? Nicht unbedingt. Vielleicht gäbe es mehr Mitarbeiter, die gern mal in ein anderes Geschäftsfeld hineinschnuppern, die gern Stunden reduzieren oder aufstocken würden, wenn das alles nur unkomplizierter wäre. Und bestimmt gebe es mehr HR-Manager, die auf gewünschte Veränderungen schneller reagieren möchten – wenn nicht Dutzende von Telefonaten und Terminen dafür nötig wären, um eine Sache erst mal in Gang zu bringen.

So ist es eben ein Unterschied, ob jemand nur sagt, er würde gern die Stundenzahl x oder lieber an Standort y arbeiten. Oder ob derjenige gleich den passenden Gegenspieler ins Personalbüro mitbringt, den er vorher per App gesucht und gefunden hat.

Software im Design und in der Struktur des Arbeitgebers

Ihre Software-Lösung, so berichten Tepe und Kaiser, werde dem Design des Unternehmens angepasst und in dessen digitale Struktur eingebunden, beispielsweise in ein Intranet. Die Mitarbeiter melden sich freiwillig und, je nach Wunsch, auch unter einem Pseudonym an. Eine Art Fragebogen führt sie in das Programm ein.

Sie entscheiden selbst, wie viele Daten sie von sich preisgeben und wem sie diese sichtbar machen. Und was passiert mit den Daten? Der Berliner Dienstleister kann sie dem Unternehmen, aggregiert und anonymisiert, zur Verfügung stellen. Der Arbeitgeber könnte auf diese Weise erfahren, was sich seine Leute wünschen und wo er ihnen entgegenkommen sollte.

Die Haspa hat ihre interne Vernetzungsplattform bei Tandemploy eingekauft und sie Flexworks getauft. Sie nutzt drei der 18 möglichen Anwendungen: für Lunchdates, für den Wissensaustausch und für das Jobsharing. Vor einem Jahr eingeführt, haben sich mittlerweile rund 600 der gut 5000 Haspa-Beschäftigten bei Flexworks angemeldet, ebenso viele Männer wie Frauen. In einem Interview berichten Elisabeth Keßeböhmer (Leiterin des Haspa-Personalbereichs) und Haspa-Personalmanagerin Nicole Vogler über die ersten Erfahrungen mit der Plattform.

Alle Beiträge zur Fachtagung Personal 2019 lesen Sie hier.

 
Vortrag bei Tandemploy: Die Besucher der Personal-Fachtagung erfahren bei dem jungen Berliner Unternehmen alles über eine Software des Vernetzens. © Himsel