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| Gesamtbanksimulation

Automatisiert Zukunft planen

Maßnahmen, Stresstests und Kennzahlen auf einen Blick.

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Durch die Einführung von Basel III ergibt sich für die Institute das Erfordernis, verstärkt mit einem ganzheitlichen Blick die verschiedenen Geschäftseffekte zu steuern. Auch die Aufsicht hat diese Notwendigkeit erkannt und fordert ihrerseits in verschiedenen Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene eine integrierte und vorausschauende Sicht in der Banksteuerung.

Im Projekt "Zielbild Banksteuerung" wurden in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt 20 Arbeitspakete definiert, um in diesem Thema in der Sparkassen-Finanzgruppe Zukunftssicherheit im Spagat zwischen deutlich gestiegenen aufsichtlichen Anforderungen und gleichzeitigem Kostendruck zu gewährleisten. Am höchsten wurde dabei das Arbeitspaket "Kapital- und Risikoplanung" priorisiert. Auch dem Arbeitspaket "Stresstest" wurde mit dem zehnten Platz eine große Bedeutung beigemessen.

Im Sommer 2016 wurde in der Sparkassen-Rating und Risikosysteme GmbH (SR)  und ihren Gremien nach teils kontroversen Diskussionen beschlossen, die technische Machbarkeit und die fachliche Beherrschung mittels der Entwicklung eines Prototypen zur Gesamtbanksimulation zu untersuchen. Nach Entwicklung des Prototypen bis Anfang 2017 hat der Fachrat Banksteuerung beschlossen, im Rahmen der SR-Mittelfristplanung eine maschinelle Lösung zur Gesamtbanksimulation in der neuen Ziellandschaft der Banksteuerung zur Verfügung zu stellen.

Im Zentrum der Ziellandschaft steht der Integrierte Datenhaushalt (IDH). Hier laufen künftig die für die regulatorische und betriebswirtschaftliche Banksteuerung relevanten Daten aus allen operativen Systemen zusammen und werden so aufbereitet, dass sie übergreifenden Auswertungen in einer standardisierten Form zur Verfügung stehen. Für die Gesamtbanksimulation werden Ist-Daten und Annahmen zu den verschiedenen Risiko- und Ergebnistreibern zusammengeführt und als Ganzes der Sicht eines bestimmten Szenarios unterworfen. Daraus werden in einer integrierten Rechnung die Entwicklung der zentralen Kennziffern zur Risikosituation, zur Gewinn- und Verlustrechnung, zur Bilanzstruktur, zur Solvabilität und zur Liquidität für die nächsten drei oder − je nach Parametrisierung − auch fünf Jahre simuliert.

Ein Anwendungsfall ist die jährliche Kapital- und Risikoplanung. Hier sollen die verschiedenen Iterationen im Planungsprozess unterstützt werden und die Sicht auf erwartete, aber auch adverse Szenarien gegeben werden. Es ist nicht nur der eigene Anspruch, sondern die klare Sicht der Aufsicht, dass jedes Institut nicht nur eine mittelfristige Ergebnisplanung haben muss, sondern dass auch die Entwicklung des Risikos und der Erfüllung der aufsichtlichen Kennzahlen mitgeplant werden müssen.

Ein zweiter Anwendungsfall sind die übergreifenden Stresstests. Was passiert, wenn sich nicht die Planung in einer gewissen Bandbreite realisiert, sondern ein schwerer konjunktureller Einbruch oder ein Crash an den Kapitalmärkten oder eine heftige Immobilienkrise dazwischenkommt? Hier wird künftig die gleiche Maschine wie bei der Planung zum Einsatz kommen. Anders als bei der institutsindividuellen Planung kann hier die SR zusätzlich mit makroökonomischen Annahmen und daraus abgeleiteten Parametern für gängige, insbesondere auch aufsichtlich, erwartete Stresstests zentral unterstützen.

Ein dritter Anwendungsfall ist die Simulation der Auswirkung dispositiver Maßnahmen oder anderer unmittelbar anstehender Geschäftsvorhaben. Hier ist die Herausforderung, eine Berechnung untertägig binnen weniger Minuten zu ermöglichen, um tatsächlich eine Entscheidungsunterstützung zu geben.

Ein weiterer Aspekt der Gesamtbanksimulation ist das Thema Ergebnisvorschau. Im Jahr 2017 wurde die Anwendung EVR ausgerollt, welche die Themen GuV-Planer und Prognose vereint und ebenfalls den Weg in Richtung des Integrierten Datenhaushaltes geht. Um insbesondere bei der Zinsüberschusssimulation keine verschiedenen Ergebnisse zu erhalten, werden die Ergebnisvorschau und Gesamtbanksimulation künftig auf den gleichen Daten aufsetzen und bei gleichartigen Rechnungen die gleichen Rechenkerne nutzen. Dies wird dadurch sichergestellt, dass die Gesamtbanksimulation und die Ergebnisvorschau am IDH durch das gleiche Team in der SR konzipiert sowie durch das gleiche Team in der Finanz Informatik umgesetzt werden.

In der aktuellen Mittelfristplanung ist die Erstveröffentlichung der Gesamtbanksimulation für das OSPlus-Release 20.0 im Sommer 2020 vorgesehen. Da die Gesamtbanksimulation einen Beitrag zur prospektiven normativen Sichtweise liefert, wird damit auch die neue Risikotragfähigkeit erst ab diesem Zeitpunkt maschinell unterstützt werden. Es besteht die Einschätzung, dass ein solcher Zeitplan hinreichend komfortabel innerhalb einer – bislang im Übrigen nicht explizit formulierten –  aufsichtlichen Erwartung für eine Umstellung liegt.

Aus Sicht des Anwenders ist eine Bereitstellung im Jahr 2020 vielleicht noch in weiter Ferne. Für die mit der Umsetzung beauftragten Kollegen in der SR und der Finanz Informatik handelt es sich um eine sportliche Herausforderung mit engen Zeitplänen. Unterstützt von unseren Gremien werden wir dabei angetrieben von der Überzeugung, mit der Gesamtbanksimulation ein für die Banksteuerung der Sparkassen wichtiges und hoffentlich bald geschätztes und gern genutztes Werkzeug bereitstellen zu können.

Der Autor leitet bei der S Rating und Risikosysteme den Bereich Risiko und Kapital .