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| Betriebswirtschaft

Für Banksteuerung muss immer Zeit sein

Die Sparkassen-Finanzgruppe setzt angesichts großer Aufgaben auf innovative Instrumente, Standardisierung und Zusammenarbeit.

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Sich Zeit zu nehmen für Banksteuerung, scheint nicht mehr selbstverständlich: Ein Sparkassenvorstand hat kürzlich die Befürchtung geäußert, das Meldewesen werde die Banksteuerung übernehmen. Die Verschmelzung von Meldewesen, Regulatorik und Banksteuerung sei mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man sie jetzt organisatorisch nachzubilden versuche. Geschäftsentscheidungen werden demnach im Wesentlichen auf Basis ihrer Wirkung auf regulatorische Kennzahlen getroffen.

In der Sparkassen-Finanzgruppe sehen das viele anders. Betriebswirtschaftliche Banksteuerung ist nicht obsolet. Und auch DSGV-Informationen sprechen eine andere Sprache. Beispiel Depot-A-Analyse: Seit Oktober vergangenen Jahres müssen Sparkassen die Liquiditätsdeckungsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) einhalten. Sie haben im vergangenen Jahr ihre Positionen in Bundesanleihen um neun Milliarden Euro reduziert, dafür haben sie aber 5,6 Milliarden Euro mehr in Anleihen von Ländern und Gemeinden investiert. Zusätzlich sind rund 7,5 Milliarden Euro mehr in ausländische Anleihen und Anleihen überstaatlicher Organisationen bester Bonität investiert worden. Diese Umschichtung ist in Bezug auf die Liquiditätsdeckungsquote neutral, verbessert jedoch die Erträge aus der Eigenanlage. Die Sparkassen haben also unter Berücksichtigung der aufsichtsrechtlichen Nebenbedingung LCR ihre Risiko/Rendite-Struktur im Depot A verbessert.

Das zweite Beispiel betrifft das Zinsänderungsrisiko: Im Jahr 2014 galten auf Basis des Baseler Zinsschocks 37 Prozent der Sparkassen bei der Aufsicht als „Institute mit erhöhtem Zinsänderungsrisiko“. Im Jahr 2015 liegt der Anteil bereits bei 61 Prozent. Der durchschnittliche Zinsrisikokoeffizient stieg von 19 auf 22 Prozent. Ein Drittel der Sparkassen hat sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen, zugunsten der Erträge höhere Zinsänderungsrisiken einzugehen. Die Häuser werden also weiterhin intern betriebswirtschaftlich und nicht durch die Aufsicht gesteuert.

Allerdings ist die Optimierung der Banksteuerung aufgrund der vielen neuen aufsichtlichen Nebenbedingungen deutlich anspruchsvoller geworden. Aber die Beispiele zeigen: Betriebswirtschaftliche Banksteuerung unter aufsichtlichen Nebenbedingungen ist möglich und angesichts des aktuellen Marktumfelds auch zwingend nötig.

Im Jahr 2015 wurde damit begonnen, die operativ-technische Umsetzungsunterstützung in der Banksteuerung in der S-Rating und Risikosysteme GmbH (SR) als zentralem Dienstleister der Sparkassen zu bündeln. Alle Themen der Banksteuerung werden nun im Fachrat Banksteuerung, einem gemeinsamen Ausschuss von DSGV und SR, aus einer Hand gesteuert – mit zahlreichen Vorteilen: Verfahren und Instrumente der Banksteuerung werden stärker standardisiert, Skaleneffekte können ausgenutzt werden. Mehr Analysen können zentral erstellt werden. Sparkassen müssen sie nicht mehr selbst durchführen, sondern erhalten die Informationen direkt aus der SR. Die Umsetzung wird schneller, weil Prozesse nicht mehr sequenziell, sondern parallel laufen. Lösungen sind nicht mehr isoliert, sondern integriert. SR und Finanz Informatik arbeiten eng zusammen. Die SR bindet die Prüfungsstellen systematisch in die Entwicklung der Methoden, Verfahren und Instrumente ein. Damit wird die fachliche Basis noch einmal zusätzlich gestärkt.

Dieser Beitrag basiert auf der Eröffnungsrede von Karl-Peter Schackmann-Fallis bei der Fachtagung Risikocontrolling und -management unter dem Titel "Zeit für Banksteuerung". Sie ist ausführlich dokumentiert in den Betriebswirtschaftlichen Blättern: Für Banksteuerung muss Zeit sein