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| BBL im Gespräch: S-Hub-Entwicklung

Erfolgsgeschichte fortschreiben

Seit drei Jahren unterstützt der S-Hub die Sparkassen mit innovativen Produkten. Mit Star-Finanz-Chef Bernd Wittkamp sprachen wir über die bisherige Arbeit und Zukunftspläne.

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BBL: Heute startet die mittlerweile 4. Auflage des Hackathons Symbioticon in Hamburg. Der Sparkassen Innovation Hub (S-Hub) ist Ausrichter der Veranstaltung. Was können Teilnehmer und Gäste erwarten?
Bernd Wittkamp: Die größte Neuerung ist in diesem Jahr sicherlich, dass die Symbioticon mit der Hamburger Fintech-Week kooperiert und der Hackathon deshalb im Rahmen von Deutschlands größter Fintech-Veranstaltung stattfinden wird. Das ermöglicht in erster Linie eine noch größere Sichtbarkeit für unseren Event und den Sparkassen Innovation Hub innerhalb der gesamten Fintech-Community.
Zum anderen haben wir 2019 aber auch bewusst darauf geachtet, die Veranstaltung weiter zu öffnen und sie zu einer Art Tech-Festival weiterzuentwickeln. Unsere Botschaft lautet: Die Symbioticon ist ein interaktiver Treffpunkt für Entwickler, Kreative, Fintechs, Finanzprofis, Sparkassen und Speaker aus unterschiedlichen Branchen, der eine Spielfläche für alle bietet, die etwas bewegen wollen. Was uns besonders freut ist, dass das Interesse daran wieder enorm war – bereits drei Wochen vorher waren alle Besuchertickets komplett ausverkauft.

BBL: Und gab es auch einen großen Ansturm von Teilnehmern?
Wittkamp: Hacker mussten sich bei der diesjährigen Ausgabe wiederum für einen der Startplätze bewerben und bereits im Vorfeld mit einer ersten Idee überzeugen, um es dann auch wirklich nach Hamburg zu schaffen. Wir starten heute mit insgesamt 23 Teams – die weiteste Anreise hatte hier sicherlich ein Team aus Mexiko – welche dort zuvor den Hackathon der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation gewonnen hatte.
Die vierköpfigen Formationen haben in diesem Jahr die Aufgabe, in den fünf Bereichen Private Banking, Business Banking, Insurance, Investment oder Real Estate mit einer zukunftsweisenden Idee zu punkten. Den Teams wird für den Hackathon jeweils ein Track-Experte als Sparringspartner zur Seite gestellt.
Im Rahmen des Live-Pitch am 6. November sollen sie dann entweder einen funktionalen Prototypen oder ein nachvollziehbares technisches Konzept vorstellen. Eine weitere Herausforderung ist, dass sie vor Ort eine „geheime Zutat“ zugelost bekommen, die sie dann in ihre Idee einfließen lassen müssen. Daraus erhoffen wir uns entsprechend frische und wirklich neue Ansätze.

 
Aus Hackathon-Siegern machen Bernd Wittkamp und sein Team echte Gewinnerideen. © Star Finanz

Hackathon-Ideen bereits verwirklicht

 BBL: Also ist die Veranstaltung auch ein „Sprungbrett“ für Entwickler-Teams. Was ist denn aus den Siegerideen vergangener Jahre geworden?
Wittkamp: Unser Ziel ist es immer, aus den Gewinnerideen konkrete Produkte mit echten Mehrwerten für unsere Kunden zu entwickeln. Knax, die Taschengeld-App für Kinder, ist etwa eine dieser Ideen, die schon bei der Hackathon-Premiere 2016 skizziert worden ist und heute auf Tausenden von Smartphones installiert ist.
Weitere Beispiele sind der sogenannte Vertrags-Check, der dabei hilft, eigene Verträge zu managen und gegebenenfalls aus dem Onlinebanking heraus zu kündigen. Oder die elektronische Kundeniden­tifi­zierung per Personalausweis, welche Kunden zur sekundenschnellen Kontoeröffnung nutzen können. Auch der zweite Platz bei der letzten Symbioticon ist für das Team Konfuzio in eine Kooperation mit dem S-Hub gemündet.
Das Ergebnis: Mit Cashnow können Firmenkunden digital und schnell auf Liquiditätsengpässe reagieren. Grundsätzlich laden wir die Gewinner mit ihren Ideen zu uns nach Hamburg ein und schauen gemeinsam, wie wir diese schärfen können und welcher Kooperationspartner innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe helfen kann, die Ideen bis zum Prototypen weiterzuführen.

BBL: Stichwort Meet-ups und eigene Event-Reihen: Welche Bedeutung haben Formate wie der Hackathon Symbioticon oder der Innovation Day für die Sparkassen-Finanzgruppe und was macht der S-Hub im Allgemeinen, um Raum für Innovationen zu schaffen?
Wittkamp: Beide Event-Formate, Innovation Day und Symbioticon, sind nicht nur zu wichtigen Standbeinen des Hubs gereift, sondern haben sich in der Zwischenzeit auch zu relevanten Veranstaltungen innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe entwickelt. Das Feedback der Besucher und Teilnehmer ist bisher stets positiv ausgefallen.
Einerseits bieten diese Events nicht nur die Möglichkeit, sich einem interessierten Publikum sowie der Fintech-Welt stärker zuzuwenden. Zum anderen liegt darin eine zusätzliche Chance für Sparkassen und Verbundpartner – über die Mitarbeit am Hub hinaus – sich für digitales Denken und moderne Arbeitsweisen zu sensibilisieren und neue Impulse in die täglichen Abläufe zu integrieren. Neben technischen und regulatorischen Vorgaben ist vor allem die richtige Einstellung entscheidend, um für sich selbst eine gewisse digitale Kompetenz aufzubauen.

BBL: Geht auch Ihr Magazin Goldilocks in diese Richtung?
Wittkamp: Klar, neben diesen Veranstaltungen hat der S-Hub mit Goldilocks auch medial neue Wege beschritten. Als reiner Newsletter für Sparkassen-Vorstände gestartet, steht das Digital-Magazin seit Anfang des Jahres allen Interessierten per Download als App oder auch online als Desktop-Version zur Verfügung. Inhaltlich setzt das Format auf einen journalistischen Teil, der Aktuelles aus der Branche aufbereitet sowie auf einen S-Hub-eigenen Bereich mit den neuesten internen Ideen und Projekten.
Von Anfang an war es uns ein wichtiges Anliegen mithilfe von Vorträgen, Führungen in den Räumlichkeiten des Hubs, Live-Übertragungen, Online-Votings, eigenen Studien oder durch Meet-and-Greet-Flächen auf den hauseigenen Veranstaltungen die gesamte S-Finanzgruppe in unser Vorgehen einzubinden und somit dem Interesse der Gruppe bestmöglich gerecht zu werden.

S-Hub als Ideenlieferant

BBL: Es ist fast drei Jahre her, dass der S-Hub als gemeinsame Initiative der Sparkassen, des DSGV, des DSV, der Finanz Informatik und der Star Finanz in Hamburg ins Leben gerufen worden ist. Welche Projekte sind seit Gründung realisiert worden?
Wittkamp: Ein großer Schwerpunkt unserer täglichen Arbeit liegt auf sogenannten Product Discoveries – damit sind zweiwöchige Arbeitsprozesse gemeint, in denen ein interdisziplinäres Team nach agilen Prinzipien ein spezifisches Kundenbedürfnis mit diversen Ideen testet und weiterentwickelt. Seit dem Start sind so rund 30 Product Discoveries durchgeführt worden, von denen es über die Hälfte bis in eine Umsetzung geschafft haben.

BBL: Können Sie einmal ein paar Themen nennen?
Wittkamp: Die Themen reichen von einem digitalen Dokumenten-Management der Kunden in Verbindung mit dem Banking, über Gamification-Ansätze oder Wertpapierlösungen bis hin zu – ganz aktuell – einem Workshop zur Dialogkommunikation der Sparkassen. Gemeinsam mit Teilnehmern des Sparkassenverbands Niedersachen, der Kreissparkasse Köln und der BW-Bank haben wir in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Blockchain neue Kommunikationskanäle in den Blick genommen.
Mit MOVE haben wir zudem eine Innovations- und Testerplattform geschaffen, die Kunden echte Teilhabe bietet und dabei ihre individuellen Bedürfnisse adressiert. Seit Anfang des Jahres steht MOVE allen Sparkassen und der Öffentlichkeit zur Verfügung. Und mit ihr bereits mehr als 4.000 aktive Teilnehmer aller relevanten Zielgruppen. Die Community beantwortet Fragen, bewertet Ideen und Konzepte und testet Prototypen von Apps und Services bis ins kleinste Detail. Ziel ist es, bis zu 10.000 Nutzer auf der Plattform zu haben.

BBL: Nutzer im Blick haben, ist ein gutes Stichwort. Wie werden Sparkassen und Fintechs bei der Umsetzung konkreter Produkt- und Serviceideen für ihre Kunden unterstützt?
Wittkamp: MOVE und die daraus resultierenden Erkenntnisse sind für Sparkassen, die diese Plattform nutzen, bereits ein erster wichtiger Schritt, um konkrete Produkt- und Serviceideen auf den Weg zu bringen. Der Prozess der Produktentwicklung hat sich klar verändert. Kunden, deren individuelle Bedürfnisse, Komfort und eine schnelle Anpassung auf das Feedback sind der Schlüssel für erfolgreiche digitale Produkte. Dabei stehen wir jeder interessierten Sparkasse mit Rat und Tat zur Seite.

 
Durch die neue Multi-Banking-Schnittstelle Ahoi haben Bernd Wittkamp und der S-Hub die Anbindung interessierter Fintechs vereinfacht. © Star Finanz

Nah dran an der Plattformökonomie

BBL: Die Institute beschäftigt gerade das Thema Plattformökonomie sehr stark. Was bieten Sie an dieser Stelle? 
Wittkamp: Sie haben Recht, das Thema Plattformökonomie ist stark in unseren Fokus gerückt. Schnittstellen (APIs) oder Open Banking eröffnen Finanzinstituten und Drittanbietern neue Möglichkeiten, Innovationen mithilfe von Fintechs auszuprobieren und so das Banking für die Kunden komfortabler, vielseitiger, einfacher und damit kundenfreundlicher zu gestalten. Nicht zuletzt deshalb ist mit der Finanz Informatik die hauseigene Multi-Banking-Schnittstelle Ahoi entwickelt worden, die interessierten Fintechs zur Verfügung steht.
Sie ermöglicht Unternehmen und vor allem Fintechs eine Reihe unterschiedlicher Anwendungsmöglichkeiten – von der „einfachen“ Anbindung an die APIs der deutschen Banken und Sparkassen in bestehende Prozesse bis hin zur Entwicklung völlig neuartiger – und im Idealfall – sparkassennaher Lösungen.

BBL: Das wirft die Frage auf, wie sich der S-Hub von anderen Innovation Labs abgrenzt und welchen Ansatz er bei der Zusammenarbeit mit Fintechs konkret verfolgt?
Wittkamp: Unsere Aufgabe ist es in erster Linie, den Markt zu beobachten, Trends nachzuspüren, Netzwerke aufzubauen und nach vielversprechenden Fintechs zu suchen, die mit ihren Ideen und Angeboten für die gesamte S-Finanzgruppe von Interesse sein könnten. Seit der Hub besteht, ist es für Start-ups nun deutlich einfacher geworden, sich in der heterogenen Sparkassenorganisation zurechtzu­finden, weil sie im Hub jetzt einen zentralen und kompetenten Ansprechpartner haben, der ihnen sagen kann, wohin was in der Gruppe gehört. Wir setzen vor allem auf eine Kooperation auf Augenhöhe – direkte Investments oder gar Übernahmen stehen für uns nicht zur Debatte.

Zukunftsprojekte über Banking hinaus anstoßen

BBL: Lassen Sie uns noch einen Blick auf die kommenden Monate werfen. Woran arbeitet der S-Hub aktuell und welche weiteren Schritte und Entwicklungen sind geplant?
Wittkamp: Auch wenn der S-Hub bereits jetzt erfolgreich ist und wir uns mit neuen Angeboten und Prozessen stetig weiterentwickeln, sehen wir in der Sparkassen-Finanzgruppe noch eine Menge unausgeschöpftes Potenzial. Da sich Kundenbedürfnisse nicht immer ausschließlich auf das Thema Banking reduzieren lassen und so auch andere Bereiche für uns relevant sind, wollen wir diese Bedürfnisse fest in den S-Hub-Alltag integrieren und weitere Kooperationen mit Verbundpartnern eingehen.
Weiterhin gilt die Zusammenarbeit mit Start-ups als Fundament für den S-Hub, um innovative Produktideen für die Sparkassen zu testen. Dazu gehört auch der Ausbau der API-Plattform, damit gemeinsam mit Start-ups neue Services schnell bereitgestellt werden können und aus den Gewinnerideen der Symbioticon erfolgreiche Produktideen für die Sparkassen entstehen.

BBL: Beobachten Sie spezielle Trends?
Wittkamp: Ja, Künstliche Intelligenz, Data Analytics, Blockchain-basierte Services und Open Banking über PSD2 hinaus sind Trends, die aus unserer Sicht die Basis für weitere tiefgreifende Innovationen im Finanzumfeld sind. Wichtig ist dabei immer, die Kunden bei der Erarbeitung von neuen innovativen Ideen von Anfang an einzubeziehen und die Nutzerzentrierung als Kern des Innovationsprozesses zu etablieren.

BBL: Welche wegweisenden Beispiele aus dem Banken- und Finanzdienstleistungssektor sehen Sie im europäischen oder weltweiten Ausland?
Wittkamp: Wegweisende Beispiele für Entwicklungen im europäischen oder weltweiten Ausland lassen sich häufig nicht identisch auf die Sparkassen-Finanzgruppe übertragen. Nicht nur in Deutschland beobachten wir innerhalb der Start-up-Szene jedoch eine zunehmende Konsolidierung. Anders als noch vor ein paar Jahren, als FinTechs angetreten waren, um den Bankensektor zu revolutionieren, ist bei ihnen heute der Wunsch nach Kooperationen in den Vordergrund gerückt.
Auf der anderen Seite haben alle europäischen Banken mit dem Niedrigzinsumfeld zu kämpfen und müssen sich der Herausforderung stellen, neue Geschäftsmodelle zu finden. Starke Veränderungen gehen insgesamt eher von den Bigtechs wie Apple, Check24, Amazon & Co. aus, die nach eigenen Finanzdienst­leistungen streben und Banken sowie Sparkassen vor enorme Herausforderungen stellen werden. Indem sie die Kundenschnittstelle mit einfachen Finanz-Services besetzen, adressieren sie exakt die Bedürfnisse der Nutzer. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

Lokale Präsenz mit digitalen Services verknüpfen

BBL: Was heißt das für die Zukunft? Welchen besonderen Herausforderungen müssen sich die Sparkassen stellen?
Wittkamp: Ich würde mir wünschen, dass Banken und Sparkassen öfter zu der Erkenntnis gelangen würden, nicht alles aus eigener Kraft schaffen zu müssen, sondern stattdessen lieber bewusst Kooperationen einzugehen. Nehmen wir das Beispiel Steuern: Es ist sinnvoller, jemanden im Markt zu suchen, der das Thema beherrscht, um es dann den eigenen Kunden als Service anzubieten.
Wir vom S-Hub stellen uns jedenfalls der Herausforderung, digitale Lösungen zu finden, die unseren Kunden wirklich helfen und die dazu beitragen, das Vertrauen in die Sparkassen langfristig zu erhalten. Was wir hier im Übrigen feststellen: Die Kunden vertrauen der gesicherten Umgebung der Sparkasse und sind bereit, digitale Innovationen bei uns zu verwenden. Dies gilt es zu nutzen und auch in der Fläche auszubauen. Damit ist die Sparkassen-Finanzgruppe langfristig in einer guten Position, die starke lokale Präsenz mit digitalen Services zu verknüpfen und ihre Markenwahrnehmung und Relevanz auch für künftige Finanzkunden zu behalten und auszubauen.

Anfang der kommenden Woche und Mitte November finden Sie hier Berichte über die diesjährige Symbioticon sowie die Hackathon-Sieger mit ihren Projekten.