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| BBL-Reloaded: Regulierungsvereinbarung

Klappe für Episode IV

Ziel der nach der weltweiten Finanzkrise angestoßenen Reform unter dem Namen Basel III – in Fachkreisen auch Basel IV genannt – für die europäischen Banken ist es, die Finanzbranche insgesamt stabiler zu machen.

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Hat Hollywood einen Blockbuster gelandet, wird mit 100-prozentiger Sicherheit über kurz oder lang eine Fortsetzung gedreht. Die bereits 1977 gestartete Star Wars-Saga, deren Episode IX gerade in den Kinos angelaufen ist, ist dafür ein Paradebeispiel. Über Erfolg oder Misserfolg entscheiden im Film-Business also vor allem die Besucherzahlen an den Kinokassen.

Auch in der Bankbranche gibt es Fortsetzungen – wenn auch meist weit weniger begeistert erwartet. Die Baseler Regulierungsvereinbarungen gehen in die vierte Runde. Die ersten Regelungen des Basler Ausschuss für Bankenaufsicht zur Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) stammen ebenfalls bereits aus dem Jahr 1988.

Die Chefs der wichtigsten Zentralbanken der G10-Länder waren seinerzeit der Ansicht, dass das Eigenkapital der weltweit wichtigsten Banken auf ein gefährliches Niveau gesunken war. Mit ein Auslöser war auch die Pleite der Kölner Herstatt-Bank.

Um das Insolvenzrisiko der Banken und mögliche Kosten für die Einleger beim Konkurs der Bank zu verringern, zielten die Vereinbarungen somit auf die Sicherung einer angemessenen Eigenkapitalausstattung und die Schaffung einheitlicher internationaler Wettbewerbsbedingungen ab.

Die über die Jahre fixierten Regeln werden mittlerweile international in rund 100 Ländern anerkannt. In einer großen Serie haben die BBL über mehrere Jahre die Situation in den wichtigsten ausländischen Märkten analysiert. Einen Einstieg in dieses Thema bietet der Übersichtsbeitrag: Basel III im Ausland – Rund um den Globus umgesetzt.

 
Jede neue Episode der Baseler Regulierungsvereinbarungen hat bei den betroffenen Instituten hohe Umsetzungskosten verursacht. © Billion Photos/shutterstock

Ton ab, Kamera läuft, Klappe, Basel IV – die erste, Action...

Die Betriebswirtschaftlichen Blätter haben sämtliche Regeländerungen und die Diskussionen im Vorfeld seit Mitte der 1980er Jahre journalistisch begleitet. Die Leserresonanz auf die Berichterstattung war dabei stets hoch, tangiert Basel I bis IV doch bis heute innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe sehr viele Institute. Mit kaum einem anderen Thema haben sich in der Vergangenheit deshalb so viele BBL-Beiträge beschäftigt.

In den letzten Wochen und Monaten stand dabei vor allem Basel IV im Vordergrund, die vorerst letzte Episode im Baseler Regelwerk. Allerdings mit den altbekannten „Requisiten“ und „Mitspielern“: So erwarten die europäischen Bankenaufseher einmal mehr einen deutlichen Anstieg von Kapitalanforderungen. Experten und Betroffene fürchten erneut hohe Einführungs- und Umsetzungskosten. Und über den wirklichen Nutzen des Ganzen wird eh seit Basel I gestritten.

Im folgenden finden Sie zu Basel IV und dem Umfeld eine Auswahl von Beiträgen aus BBL und SparkassenZeitung (ein Klick auf den Titel führt direkt zum jeweiligen Beitrag):

Beim Kapital wird’s noch enger
Nicht wenige Kreditinstitute sorgen sich um die neuen Kapitalregeln. Für die Aufseher scheinen die Hürden machbar, für die Kreditwirtschaft eher nicht. Eine dänische Studie lässt erahnen, warum es keine Entwarnung geben kann.

Vorschlag für Banken-Kapitalregeln
Die EU-Kommission will bis kommenden Juni ihren Gesetzesvorschlag zur Einführung der globalen Reform der Banken-Kapitalvorschriften in Europa vorlegen.

Planungsunsicherheiten?
Die Umsetzung der Baseler Kapitalregeln geht in die nächste Runde und die EU-Kommission "strickt" an einem neuen Gesetzespaket. Dies hat Konsequenzen für die Risiko- und Kapitalplanung der Kreditinstitute.

Beim Kapital wird's eng
Die europäischen Bankenaufseher erwarten einen deutlichen Anstieg der Kapitalanforderungen durch die neuen Baseler Eigenkapitalvorschriften. Dennoch soll die europäische Umsetzung möglichst eng an den Baseler Beschlüssen erfolgen.

Nutzen größer als Kosten?
Basel IV erhöht die Kapitalkosten für Banken und die Kreditkonditionen für Kunden. Das Paket reduziert aber auch das Risiko künftiger Bankenkrisen. Solche Krisen kosten im Schnitt etwa 100 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Nach Einschätzung der Aufseher sind die langfristigen Wachstumsvorteile größer als die Kosten einer Bankenkrise. Kann das stimmen?

Stimmt der Preis?
Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich die internationalen Regelsetzer auf ein neues Reformpaket zur Kapitalregulierung geeinigt. Die einen sehen damit das Basel-III-Paket als vollendet an. Die anderen sprechen wegen der grundlegenden Anpassungen bei den Risikoberechnungen von Basel IV. Doch welche Wirkungen haben Einfluss auf die Kreditkonditionen?

Kritische Stimmen vor Ort eingefangen

Doch wie sieht es beim Thema Basel IV in den Häusern vor Ort aktuell aus? In den BBL berichten ab der ersten Januar-Woche Sparkassen, die teilweise bereits an der Auswertungsstudie beteiligt sind (KölnBonn, SSK München, Dresden, Gießen, Westmünsterland, Potsdam), über ihre bisherigen Erfahrungen und Probleme. Jede Sparkasse soll dabei, so unsere (Regie)Idee, möglichst einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt behandeln. Ziel: wenig Redundanzen und keine Wiederholungen.

Folge 1 haben die BBL mit der Ostsächsischen Sparkasse in Dresden „gedreht“. Cornelia Pospischil, Leiterin des Corporate Center I\Gesamtbanksteuerung\Aufsichtsrecht und Meldewesen bei der Ostsächsischen Sparkasse in Dresden, und Silvio Andrae, Abteilungsdirektor beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin, gehen vor allem der Frage nach, ob sich Beteiligungen unter Basel IV noch lohnen oder eben nicht.