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Coronakrise / mit Checklisten
Einige Filialen bleiben zu
Die Gründe, Filialen vorübergehend zu schließen, sind für Sparkassen und Banken vielfältig: geringere Ansteckungsgefahr, Kinderbetreuung oder örtliche Quarantäne-Maßnahmen.

Etliche Sparkassen, Volks- und Privatbanken haben ihr Geschäftsstellennetz aufgrund der Coronakrise ausgedünnt. Die Hauptstadtsparkasse in Berlin hat beispielsweise rund zwei Drittel ihrer Filialen vorerst bis 19. April geschlossen. An 29 Standorten gibt es noch den Filialbetrieb. Deutschlandweit lautet eine fast wortgleich geäußerte Bitte an die Kunden, nur in dringenden Fällen Beratungsgespräche zu vereinbaren.

Planbare, nicht dringend notwendige Beratungsgespräche werden verschoben, heißt es etwa bei der Berliner Sparkasse. Wertpapierberatung sei telefonisch möglich. Schrank- und Schließfächer in geschlossenen Filialen sind – wie andernorts meist auch – nach telefonischer Vereinbarung zugänglich.

Harte Einschränkungen auch im Norden

Am Montag hat die Sparkasse Bremen angekündigt, dass ab dem Dienstag nur noch sechs Filialen zu den regulären Öffnungszeiten geöffnet seien. Mitarbeiter in den geschlossenen Standorten werden größtenteils weiterhin vor Ort arbeiten, um das erhöhte digitale und telefonische Aufkommen zu bearbeiten, teilte das Institut mit.

Die zeitweise Einschränkung in der Erreichbarkeit von Filialen kann nicht ausgeschlossen werden, sagte auch Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein. Im Vordergrund stehe dabei, dass so viele Filialen wie möglich für die Kunden geöffnet seien. Sparkassen seien zudem telefonisch, per E-Mail oder Videochat und natürlich über die Internetfiliale erreichbar.

„Insbesondere empfehlen wir das kontaktlose Bezahlen mit der Sparkassen-Card, mit Kreditkarte oder mittels Smartphone“, sagt Boll. „Oberstes Ziel für uns alle muss es sein, die Ausbreitung von Corona so gut wie möglich einzudämmen. Dafür stehen die Sparkassen eng an der Seite des Landes und unterstützen die Menschen und den Mittelstand nach Kräften.“

Anfänge lagen im Saarland

Zunächst hatte die Sparkasse Saarbrücken wegen der sich häufenden Coronafälle im Saarland insgesamt 25 ihrer 55 Filialen geschlossen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Die Commerzbank hatte zunächst vier Filialen wegen ihrer Nähe zum Elsass, das zum Risikogebiet im benachbarten Frankreich zählt, geschlossen.

Nun schließt die Commerzbank vorsorglich mehrere Hundert Filialen. Die genaue Zahl lasse sich noch nicht beziffern, sagte ein Commerzbank-Sprecher. Von den rund 1000 Filialen deutschlandweit seien vor allem die kleineren Standorte von den Schließungen betroffen. Die größeren Standorte sollen nach Möglichkeit offen bleiben.

Schließungen auch, um Kinderbetreuung zu sichern

Als Präventionsmaßnahme gegen eine mögliche Ausweitung des Coronavirus schließt auch die Sparkasse Leverkusen vorsorglich und vorübergehend drei ihrer zehn Filialen. „Um zukünftig mögliche personelle Engpässe in den Filialen aufzufangen und Ausweichfilialen für notwendig werdende räumliche Trennungen von Personal zu schaffen, schließen wir ab Montag, 16. März vorsorglich und nur vorübergehend drei Filialen“, sagte Pressesprecher Dierk Hedwig.

Die Sparkasse Dortmund hat angekündigt, „um bei weiteren Einschränkungen im öffentlichen Leben zumindest eine Grundversorgung der Bevölkerung mit Finanzdienstleistungen sicherzustellen“, werde ab dem 16. März der Geschäftsbetrieb auf die Standorte ihrer Beratungs-Center, sprich der großen Filialen, konzentriert. Das ermögliche den Mitarbeitern, sich um die Betreuung ihrer Kinder zu kümmern, heißt es weiter.

Denselben Grund gibt die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen an, die rund 30 kleinere Standorte ab dem 17. März schließt. „In unseren Filialen arbeiten rund 300, überwiegend in Teilzeit beschäftigte Kolleginnen und Kollegen, die nun zu Hause ihre Kinder betreuen müssen“, sagte Vorstandschef Burkhard Wittmacher. „Deshalb können wir nicht mehr alle Filialen geöffnet halten.“

Ausweichfilialen wurden benannt, doch Wittmacher fordert Kunden auf, nur wenn es absolut notwendig sei, eine Sparkassenfiliale aufzusuchen. „Wir alle sollten gemeinsam dazu beitragen, die weitere Ausbreitung dieses Virus zu verlangsamen und zu begrenzen“, so der Vorstandschef.

Nürnberg reagiert auch auf Personalengpass

Die Sparkasse Nürnberg wird 29 kleinere Standorte teils schließen, teils die Öffnungszeiten einschränken. Die Sparkasse könne so ihr Personal flexibler einsetzen und die Engpässe, die durch Quarantänemaßnahmen von Rückkehrern aus Risiko-Urlaubsgebieten und Schul- sowie Kitaschließungen entstanden sind, ausgleichen, teilte das Institut mit.

Auch in Duisburg hat die Sparkasse eine Zweigstelle geschlossen, nachdem eine Mitarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auch in Neustadt (Dosse) in Brandenburg, wo wegen der Coronainfektion eine Art Ausnahmezustand herrscht, hat die Sparkasse ihre Filiale geschlossen. Die Sparkasse Leverkusen schließt ebenfalls drei ihrer zehn Filialen vorsorglich und vorübergehend.

Handreichung der Betriebsärzte

Beim Auftreten einer pandemischen Grippe, wie dem aktuellen Coronavirus, werden Firmen eine Schlüsselrolle beim Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter haben und auch bei der Schadensbegrenzung für Wirtschaft und Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen.

So heißt es beim Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte, die eine Checkliste für Unternehmen entwickelt haben. Sie zeigt wichtige spezifische Handlungsfelder auf.

Des Weiteren hat der Verband mit zwei weiteren Verbänden eine Broschüre entwickelt, die ähnlich prägnant auf Schutzmaßnahmen hinweist. „10 Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung“ geben Überblick, etwa nicht zu vergessen, die betriebliche Interessenvertretung der Mitarbeiter in die Planung einzubeziehen oder Geschäftsabläufe bei Personalausfall festzulegen. (DSZ, rtr)

 

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20. März 2020