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Fusion der Lebensversicherer
Höhere Schlagkraft in den Regionen
Der Konzern Versicherungskammer fusioniert seine drei Lebensversicherer unter dem Dach der Bayern Leben. Robert Heene, Vorstand des Ressorts Leben & Kunden- und Vertriebsservice, über die Ziele der Verschmelzung und die Auswirkungen auf die Vertriebspartner Sparkassen.

Herr Dr. Heene, die Versicherungskammer fusioniert die drei Lebensversicherer im Konzern – die Bayern-Versicherung Lebensversicherung (Bayern Leben), Saarland Lebensversicherung und Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg. Was hat Sie dazu bewogen?

Robert Heene: Wir sind fest von der Lebensversicherung überzeugt. Unser Ziel ist es, die Marktpotenziale weiter zu erschließen und unsere gute Marktposition in diesem Bereich nachhaltig auszubauen. Wenn Sie beispielsweise die demografische Entwicklung in Deutschland anschauen wird deutlich, dass die gesetzliche Rente künftig kaum mehr als eine Grundsicherung bieten wird.

Die Menschen brauchen also zusätzliche Vorsorge – sei es privat oder über ihren Arbeitgeber –, wenn sie im Alter ihren gewohnten Lebensstandard beibehalten wollen. Neben der privaten und betrieblichen Altersvorsorge wird auch die Absicherung biometrischer Risiken weiter an Bedeutung gewinnen. Diese Chancen wollen wir nutzen.

So haben wir bereits in den vergangenen Jahren mit der Umsetzung unseres funktionalen Geschäftsmodells und zunehmender Integration in der Versicherungskammer dafür gesorgt, dass Aufgaben wie Produktentwicklung, Aktuariat oder Controlling nur einmal im Konzern ausgeführt werden.

Mit der Schaffung eines gemeinsamen Lebensversicherers gewinnen wir eine höhere Risikotragfähigkeit und eine bessere Diversifikation in der Kapitalanlage. Regulatorik, Reporting, Planung und Steuerung werden nach der Fusion nur für einen statt bislang drei Risikoträger erforderlich sein. Die Vereinfachung bildet die Basis für eine deutliche Verbesserung der Ertragskraft. Und dank der freigespielten Zeit im Management können wir uns noch stärker auf Zukunftsthemen fokussieren. Wir werden wettbewerbsfähiger und vermeiden Redundanzen.

Was bedeutet die Fusion für die Regionen?

Heene: Lassen Sie mich das anhand unseres funktionalen Modells „Versicherer der Regionen“ erklären. Mit unserer regionalen Kundenansprache und der Kundenbetreuung vor Ort sind wir nah an den Menschen und ihren Bedürfnissen. Gleiches gilt für unsere Vertriebspartner, die wir mit unseren, ihnen bekannten Ansprechpartnern betreuen. Sie alle profitieren von der Kraft und Fokussierung auf moderne, langfristig tragfähige Altersvorsorgeprodukte, die wir zentral in der Bayern Leben entwickeln, steuern und verwalten. Mit der Bündelung der Lebensversicherungsgesellschaften werden sich somit die Feuersozietät und die Saarland Versicherungen, als vertraute Unternehmen und bekannte Marken in Berlin, Brandenburg und im Saarland, zukünftig noch stärker auf die Betreuung unserer Kunden und Vertriebspartner in den Regionen konzentrieren können.

Einen Großteil des Lebensversicherungsgeschäfts generiert die Versicherungskammer über die Sparkassen. Was wird sich für sie durch die Fusion ändern?

Heene: Vollkommen richtig. Im Geschäftsjahr 2020 wurden rund 75 Prozent der vermittelten Beitragssumme im Lebensversicherungsgeschäft durch den Sparkassenvertrieb erzielt. Das zeigt, welche Bedeutung die Sparkassen in der Leben-Sparte haben. Unsere Anteilseigner sowohl bei den Sparkassen als auch bei den Genossenschaftsbanken haben uns im Vorfeld der Fusion signalisiert, dass auch sie von diesem Schritt komplett überzeugt sind und sie diesen Zusammenschluss unterstützen.

In der Betreuung unserer Vertriebspartner in den Sparkassen – wie auch aller anderer Vertriebspartner – wird sich durch die Fusion nichts ändern. Mit unserem wettbewerbsfähigen Produktportfolio erfüllen wir das Kundenbedürfnis nach einer auskömmlichen Zukunftsvorsorge und bieten unseren Sparkassen-Partnern sehr gute Vertriebsmöglichkeiten.

Ändert sich für Ihre Bestandskunden etwas, die ja oft auch Sparkassenkunden sind?

Heene: Auch die Bestandskunden der bisherigen drei Gesellschaften können unbesorgt sein. Die Bayern Leben tritt in die bestehenden Verträge der Saarland Lebensversicherung und der Öffentlichen Lebensversicherung Berlin Brandenburg vollumfänglich ein. Sobald die Fusion durch den Eintrag ins Handelsregister vollzogen wurde, werden wir die Kunden in Anschreiben informieren.

Meinen Sie, eine bayerische Versicherung lässt sich auch im Saarland oder in Berlin und in Brandenburg vertreiben?

Heene: Regionale Ressentiments mag es im Fußball oder beim Bier geben. Im Versicherungsgeschäft zählen aber Vertrauen, Verlässlichkeit und ein guter Kundenservice. Genau das bieten wir einmal mehr als Versicherer der Regionen. Auf den Policen werden die regionalen Gesellschaften künftig wie bisher mit ihrem jeweiligen Logo vertreten sein, als Risikoträger wird zudem die Bayern Leben aufgeführt sein.

Sie sprachen die Wachstumspotenziale in der Lebensversicherung an. Worauf zielen Sie?

Heene: Die Lebensversicherer im Konzern sind in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als der Markt. Inzwischen liegen wir gemessen an den Bruttobeitragseinnahmen unter den Top 10 der deutschen Lebensversicherer, beim Neugeschäft sogar auf Position vier. Der Zuwachs der gebuchten Beiträge im Jahr 2020 von fast 16 Prozent auf 3,75 Milliarden Euro belegt diese Entwicklung sehr eindrucksvoll. Daher sind wir äußerst zuversichtlich, dass wir diesen Wachstumspfad weiter beschreiten und unsere sehr gute Marktposition weiter ausbauen können.

Welche Rolle spielte in den Fusions-Überlegungen die nun schon lang anhaltende Niedrigzinsphase?

Heene: Selbstverständlich haben wir auch die Rahmenbedingungen intensiv analysiert; neben der Kapitalmarktsituation, die sich auf absehbare Zeit voraussichtlich nicht grundlegend verbessern wird, auch die zunehmenden Anforderungen der Regulatorik auf deutscher und europäischer Ebene.

Außerdem legen wir vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase in unserem Produktportfolio den Fokus seit Langem auf kapitalmarktorientierte Produkte. Damit wurde der Grundstein für eine erfolgreiche und konsequente Transformation zu mehr Chancenorientierung gelegt. Mit diesem Vorgehen erfüllen wir das Kundenbedürfnis nach einer auskömmlichen Zukunftsvorsorge. Bereits heute setzt der Großteil unserer Kunden genau auf diese kapitalmarktorientierten Produkte mit modernem Hybridmechanismus, bei welchen der Garantiezins nur mehr eine untergeordnete Rolle spielt. Unser Ziel ist eindeutig: Wir sehen in der Lebensversicherung Marktchancen und werden sie nutzen.

Wenn Sie jetzt die Lebensversicherer im Konzern verschmelzen, stellt sich die Frage nach den übrigen Geschäftsfeldern: Werden auch die Risikoträger in Kranken und Komposit fusionieren?

Heene: Nein. Wir sind in den Regionen Bayern und Pfalz, im Saarland und in Berlin und in Brandenburg mit den jeweiligen Gesellschaften und ihren regionalen Marken im Komposit-Geschäft stark positioniert und werden uns noch stärker auf die Betreuung unserer Kunden und Vertriebspartner in den Regionen konzentrieren. Auch im Geschäftsfeld Gesundheit und Pflege sind wir sehr gut aufgestellt.

Was sind die nächsten Schritte, wie geht es jetzt weiter?

Heene: Wir haben Ende März die Zustimmung der Aufsichtsgremien erhalten. In der Folge haben wir die Verschmelzung bei der Bafin beantragt und rechnen mit der Zustimmung in einigen Monaten. Die Verschmelzung wird mit der Eintragung im Handelsregister wirksam, voraussichtlich im September, rückwirkend zum Jahresbeginn 2021.

23. April 2021