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Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb III
Neues Arbeiten in grünen Bauten
Die Sparkasse Rhein-Nahe rüstet Bestandsgebäude nach und baut nach grünen Kriterien neu. Innovative Konzepte für Büroflächen und Fuhrpark sollen die Arbeitswelt mit nachhaltigen Standards verbinden. Wie das mit begrenzten Mitteln gelingt, erläutert Jens Eckes, Leiter Immobilienmanagement.

Herr Eckes, welche Aufgabe stellt sich Ihrem Haus derzeit im Gebäudemanagement?

Eckes: Wir haben zwei große Aufgaben: Umbau und Neubau. Wie alle Sparkassen haben wir noch einige Gebäude aus den 70er-Jahren im Bestand, die wir behutsam nachrüsten, um den Stromverbrauch zu reduzieren oder erneuerbare Energien einsetzen. Und wir bauen neu. Drei Gebäude sind schon fertig, ein großes Stabsgebäude folgt noch. Im Neubau ist es natürlich viel leichter, knappe Ressourcen mittels moderner Konzepte und Technik zu schonen.

 

Jens Eckes, Leiter Immobilienmanagement bei der Sparkasse Rhein Nahe, sagt, im Impulspapier Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb sind viele Praxiserfahrungen zusammengeführt und Konzepte systematisiert: „So können wir gezielt voneinander lernen.“

An welchen Standards orientieren Sie sich?

Eckes: Für den Neubau streben wir eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an. Das Zertifikat selbst ist dabei schön und gut, aber nicht das Entscheidende. Vielmehr bietet der DGNB-Standard klare Parameter, an denen wir uns – von der Planung bis zur Gebäudenutzung – orientieren können.

Für den Bestand nutzen wir jetzt wie schon viele Sparkassen das VfU-Tool und ermitteln erst mal unsere CO2-Bilanz. Daraus ergeben sich für uns wichtige Ansatzpunkte, denn wir sind nun mal extreme Stromabnehmer. So steuern wir beispielsweise mit intelligenten Konzepten die Beleuchtung tageslicht- und zonenabhängig. Gleiches gilt für den Einsatz unserer Heizsysteme.

Ist mehr Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb im Haus ein neuer Trend oder schon Praxis?

Eckes: Wir sind schon länger unterwegs. Unser Fuhrpark zum Beispiel ist zu 100 Prozent geleast. Wo die Laufzeit endet, stellen wir von Diesel um auf Hybrid- oder E-Fahrzeuge. Erste Mitarbeiter haben sogar eine Ladesäule von uns vor die Haustür bekommen. Wir wollen auch für Kunden im Geschäftsgebiet Ladesäulen aufstellen und kooperieren dazu mit der S-Einkauf in Wiesbaden.

Wir haben aber auch die Klimaschutz-Selbstverpflichtung der deutschen Sparkassen gezeichnet und erleben nach Corona, dass wir mit weniger Bürofläche auskommen werden. Das nutzen wir als zusätzlichen Impuls für Ressourcenschonung, wie für moderne Arbeitswelten.

Wie viel Nachhaltigkeit steckt in modernen Flächenkonzepten?

Eckes: Moderne Flächenkonzepte sind offener und bieten Anreize, sich auch mal vom Platz weg zu bewegen – zum Beispiel weil nicht an jedem Platz ein Drucker steht und es Gemeinschaftsflächen für Austausch und Kommunikation gibt.

Darauf achten wir schon lange und haben unsere Ideen immer früh mit den Mitarbeitervertretern besprochen. Das ist wichtig. Und tatsächlich berichten Kollegen, dass sich 80 Prozent mehr im Berufsalltag bewegen, mehr miteinander sprechen und das als bereichernd empfinden.

Moderne Flächenkonzepte schonen aber auch Ressourcen – so kommen wir künftig mit der verstärkten Nutzung des mobilen Arbeitens mit 70 Arbeitsplätzen pro 100 Beschäftigte aus. Das wirkt sich aus auf Flächennutzung und Verbrauch und damit positiv auf den CO2-Fußabdruck unseres Hauses.

Welchen Rat können Sie anderen Sparkassen geben?

Eckes: Man sollte langfristig kalkulieren. Nachhaltiges Bauen kann bei den Materialien teurer sein, und auch die Zertifizierung ist mit drei bis fünf Prozent der Baukosten ein Posten. Aber der Bau macht nur 15 Prozent der Kosten aus, die ein Gebäude im gesamten Lebenszyklus verursacht – dadurch sind energiesparsame Gebäude letztlich auch wirtschaftlich effizienter.

Persönlich sehe ich in den Sparkassen und auch bei den kommunalen Partnern ein verbreitetes Einzelkämpfertum, weil die Kompetenz erst wachsen muss. Umso wichtiger, dass im Impulspapier „Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb“ viele Praxiserfahrungen zusammengeführt und Konzepte systematisiert sind. So können wir gezielt voneinander lernen, können schneller sein – nach dem Motto: Die Erfahrung des einen ist der Nutzen des anderen.

 


Das Impulspapier „Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb von Sparkassen für Sparkassen“ finden Sie im Umsetzungsbaukasten (Projektsteckbrief Nachhaltigkeit/Handlungsfeld Geschäftsbetrieb).

Die Artikelserie zum Thema „Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb – Projektsparkassen berichten“ wird fortgesetzt.

Anke Bunz (Foto oben: Shutterstock)
– 27. September 2021