Anzeige
Anzeige

Exklusiv für Abonnenten

Dieser Beitrag steht exklusiv Abonnenten des SparkassenZeitung Portals zur Verfügung.
Bitte loggen Sie sich hier ein:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen oder benötigen Sie ein neues?
Hier anfordern

Weitere Informationen zu Produkten, Bestellmöglichkeiten mit Testzugang, Lizenzprüfung oder FAQs finden Sie im Bereich Abo-Service.
Bei Fragen nehmen Sie gern Kontakt online mit uns auf oder rufen Sie uns an:
Tel.: +49 711 782-1173.

Passwort vergessen

Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an und erhalten Sie einen Link um Ihr Passwort zurückzusetzen.

Bitte geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse an, mit der Sie bei uns registriert sind. Nach dem Klicken auf "Absenden" bekommen Sie eine Mail mit dem Link. Klicken Sie den Link an oder kopieren Sie diesen in die Adressleiste Ihres Internetbrowsers. So werden Sie automatisch angemeldet und können Ihr Passwort ändern.

Anzeige
12. Mai 2017 - 07:30Filialkonzept

Die Kunden von morgen

von Gregory Lipinski

Sparkassen eröffnen an Universitäten eigene Filialen. Sie richten sich mit innovativen Geschäftsideen an Studierende, um sie als wirtschaftlich attraktive Privat- und Geschäftskunden von morgen zu gewinnen. Einige Sparkassen setzen auf neue Kommunikationsmittel.

Mit neuen Filialkonzepten versuchen Kreditinstitute – wie hier die Sparkasse Göttingen mit ihrem S-Spot –, junge Kunden an sich zu binden. (Sparkasse)

Informatik, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften – jedes Jahr beginnen mehr als 5500 junge Menschen ein Studium an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel. Knapp 26 000 Studenten zählt die einzige Volluniversität in Schleswig-Holstein. Hinzu kommen mehr als 7500 Studierende an der Fachhochschule Kiel sowie knapp 600 Studierende an der Muthesius-Kunsthochschule. Die Förde-Sparkasse in Kiel hat die junge Generation in ihrem Geschäftsgebiet fest im Blick. Noch im Laufe des Jahres will das Institut auf dem Campus der CAU mit einer eigenen Filiale präsent sein.

An der Umsetzung der Filiale arbeitet ein Projektteam unter Leitung von Konstantin Rohde. Die Förde-Sparkasse hat sich dabei viel vorgenommen. Sie möchte die Studenten nicht nur während ihres Studiums an den Kieler Hochschulen begeistern, sondern sie auch darüber hinaus beim Start in die nächste Lebensphase als Kunden weiterhin betreuen. Das Institut verfolgt bei der neuartigen Geschäftsstelle ein klares Konzept. Alles dreht sich konsequent um die Bedürfnisse von Studierenden und um die Themen, die für sie besonders relevant sind, beispielsweise die Finanzierung des Studiums, das Ausland und auch den Start ins Berufsleben oder die Selbstständigkeit. Ein eigens entwickeltes Veranstaltungskonzept, das neben Unterhaltungsevents auch Workshops und Themenabende anbietet, ist fest im Betreuungsangebot verankert. "Unsere neue Filiale soll Studenten als Begegnungsort dienen, an dem sie sich zwanglos zu interessanten Themen austauschen können", so der Projektleiter zu den Zielen.

Wichtig werden in der Uniszene

Darüber hinaus bietet das Institut eine Vielzahl von exklusiven Mehrwerten, um die neue Filiale als wichtigen Anlaufpunkt für Studierende zu etablieren. "Wir wollen mit zielgruppengerechten Dienstleistungen in unserer Filiale Mehrwerte schaffen, um Studierenden ihr Unileben zu erleichtern", erklärt Rohde. Zu Themen wie Wohnungssuche, Strom-, Wasser- oder Gasversorgung, Anmeldung beim Einwohnermeldeamt oder auch bei Fragen zur Finanzierung des Studiums mit Bafög, Stipendium oder Studienkredit soll die Campusfiliale eine wichtige erste Etappe in der Kieler Uniszene werden. Dazu wollen das norddeutsche Institut geeignete regionale Partner an Bord holen, die mit den Sparkassenmitarbeitern Hand in Hand arbeiten. "Es ist grundsätzlich eine Filiale der Förde-Sparkasse. Hier werden aber auch Drittanbieter aktiv, die sich auf studentische Themen fokussiert haben", betont Rohde. Derzeit ist die Förde-Sparkasse dabei, ein hochmotiviertes Team für die Filiale zusammenzustellen. Dabei wird darauf geachtet, dass sich die künftigen Berater mit den Studenten auf Augenhöhe bewegen und dieselbe Sprache sprechen. "Wir registrieren derzeit ein großes Interesse von jungen Kolleginnen und Kollegen aus unserem Hause, die in der neuen Filiale arbeiten wollen", so Rohde.
Optisch unterscheidet sich die Campusfiliale deutlich von anderen Standorten der Förde-Sparkasse. Sie soll in einer wohnlichen Atmosphäre erscheinen, die zum Verweilen einlädt. Auch technisch wird die Geschäftsstelle auf den neuesten Stand aufgerüstet. So können die Studenten mit oder ohne Unterstützung durch einen Berater kostenlos per iPad zu studentischen Themen recherchieren – beispielsweise zur Planung eines Auslandssemesters. Das ist jedoch nicht alles. Auch in der Beratung sollen die Tablets eine wichtige Rolle spielen. "Mit den iPads haben die Studenten die Möglichkeit, sich selbst zu informieren. Bei Beratungsbedarf oder Fragen kann jederzeit ohne Medienwechsel ein Berater angesprochen werden", so Rohde. Dabei gehen die Filialmitarbeiter behutsam vor. "Wir wollen den Studenten unaufdringlich zur Seite stehen und nicht das Gefühl vermitteln, dass sie zu einem Produktabschluss gezwungen werden", so Rohde. Das wäre kontraproduktiv und könnte viele Studenten verschrecken.

Marktanteile gewinnen im Privatkundensegment

Hinter dem Konzept der Förde-Sparkasse steckt eine klare Strategie. Das Institut will die Studenten frühzeitig an sich binden, um sie langfristig als Kunden zu gewinnen. "Wir erhoffen uns dadurch, weitere Marktanteile im Privatkundensegment aufzubauen", so Rohde. Auch mit Abschluss des Studiums haben die Kieler die jungen Leute weiterhin fest im Blick. Nach einer bis zu dreijährigen Übergangsphase wird je nach individueller Situation entschieden, wo die Kunden künftig optimal betreut werden. "So können die Kunden bei Bedarf mit Unterstützung unserer Spezialisten für Existenzgründungen, freie Berufe oder Agrarkunden auch beim Start in die Selbstständigkeit weiter begleitet werden“, so Rohde.
Ein multimedialer Touchscreen mit offenem Internetzugang ist das optische Herzstück von S-Campus, der Unifiliale der Kasseler Sparkasse. (Sparkasse)

Die Förde-Sparkasse ist nicht die einzige Sparkasse, die über eine eigenen Campusfiliale verfügt. Auch die Kasseler Sparkasse ist hier aktiv. "Mit S-Campus kommen wir unseren Kunden näher, wir investieren in die Beratung einer wichtigen Kundengruppe", sagt Vorstandsvorsitzender Ingo Buchholz.

Das Engagement ist verständlich. Denn die Campusfiliale verfügt über einen großen potenziellen Kundenkreis. Die Uni zählt 24 000 Studierende. Hinzu kämen weitere 3100 Mitarbeiter der Hochschule sowie Professoren. "Unsere Geschäftsstelle stärkt den wachsenden Campus im Quartier und seine Dienstleistungsstruktur", so Buchholz. Die Universität verzeichnet seit Jahren einen massiven Zulauf an Studierenden und werde dieses hohe Niveau halten. "Besonders in den Wintersemestern kommen so zahlreiche potenzielle Neukunden in unser Geschäftsgebiet, die einen wachsenden Markt für uns bilden und den leicht rückläufigen demografischen Trend auffangen. Die Bedeutung der Zielgruppe liegt in der Zukunft: Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Absolventen der Uni Kassel findet Beschäftigung in der Region", erklärt der Vorstandsvorsitzende.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Universität Kassel deutlich gewachsen. Zahlreiche Neubauten kamen hinzu. Den Mittelpunkt bildet das Campus-Center mit sechs Hörsälen (insgesamt 2400 Plätze), Seminarräumen, einem großen Foyer mit Veranstaltungsflächen sowie Beratungs- und Serviceeinrichtungen der Uni und des Studentenwerks. "In diesem Campus-Center haben wir einen idealen und exklusiven Standort für unsere neue, mit einer Kollegin und zwei Kollegen besetzten Geschäftsstelle (zwei immer anwesend) "S-Campus". Mit einer frühen Kunden-Berater-Beziehung wollen wir langfristig – auch über das Studium hinaus – diese Kunden binden und bei Bedarf auch an ein Beratungs- oder Firmenkundencenter weiterleiten", so Buchholz. Optisches Herzstück von S-Campus sei ein multimedialer Touchscreen mit offenem Internetzugang. Neben dem Abspielen von Werbemotiven und -filmen – auch außerhalb der speziell auf die Zielgruppe angepassten Öffnungszeiten – können aktuelle Informationen oder etwa die Vorteile des Mehrwertkontos plakativ abgerufen werden. Eine Videochatfunktion sei bereits technisch für die künftige Nutzung hinterlegt, heißt es.
Obwohl auf knapp 30 Quadratmeter beschränkt, lädt S-Campus durch eine klare und moderne Innengestaltung zum Besuch ein. Während der Öffnungszeiten werden die Glastürelemente auf der gesamten Eingangsseite seitlich verstaut und geben so auch optisch den Raum frei. Die sparkassenrote Wand, die den Touchscreen-Monitor beherbergt, ist verschiebbar und kann so entweder den rückwärtigen Zugang zum Geldautomaten verdecken oder die Beratungsecke bei Bedarf abschirmen. Die Arbeitsplatzbildschirme sind alle versenkbar, der Infopoint höhenverstellbar. Der Geldautomat mit Zugang außerhalb der Filiale ist barrierefrei. Hintergrundbeleuchtete Werbeflächen setzen ansprechende und zugleich dekorative Akzente nach innen und außen.
Im S-Campus setzt die Kasseler Sparkasse auf besonders geschulte Berater. Dabei hat man darauf geachtet, dass die Mitarbeiter dieselbe Sprache wie die Studenten sprechen. Im S-Campus wird ein sehr junges Team eingesetzt, das auf Augenhöhe mit den Studierenden kommuniziert. Dies drückt sich im Duzen genauso aus wie im smarten, krawattenlosen Casual-Outfit. Spezielle Produkte oder Konditionen für Studierende bietet die Sparkasse hingegen nicht an. Buchholz: "Wir setzen stattdessen auf einen ganzheitlichen Beratungsansatz und unser Mehrwertkonto für junge Leute." Das Produkt S-Insider Gold mit Flatrate kostet 3,90 Euro im Monat. Darin enthalten seien unter anderem eine Kreditkarte, exklusive Events, Aktionen und Gewinnspiele sowie Vergünstigungen bei mehr als 100 Kooperationspartnern, darunter auch einige, die besonders für Studierende interessant sind wie ein Campuskino oder eine Buchhandlung.

Mehrwert der Filiale kennenlernen

Der S-Spot, die junge Filiale der Sparkasse Göttingen, unterscheidet sich auch architektonisch deutlich von herkömmlichen Filialen. (Sparkasse)

Auch die Sparkasse Göttingen verfügt seit Längerem über eine Unifiliale, um Neukunden zu gewinnen und langfristig an das Institut zu binden. "Junge Kunden sollen wieder den Mehrwert einer Filialberatung erfahren. Außerdem dürfen unsere Auszubildenden hier eigenständig Beratungen durchführen und somit Erfahrungen sammeln. Dadurch wird die Beratungsqualität nachhaltig erhöht und der Einstieg in die Kundenberatung nach der Ausbildung erleichtert", erklärt Vorstandschef Rainer Hald.

Doch die Konzeption der Filiale ist breiter ausgelegt. "Ein weiteres Ziel bei der Konzeption des S-Spots war es, den Ausbildungsberuf der Bankkaufleute noch interessanter zu machen, um neue und qualifizierte Auszubildende für die Sparkasse Göttingen zu gewinnen", so der Sparkassenchef. Besonders sticht die Filiale durch ihren speziellen Beratungsansatz hervor. "Denn die Beratung erfolgt von Auszubildenden und Jungbankern, die wissen, welche Themen im Leben der Kunden aktuell wichtig sind. Es ist eine authentische Beratung auf Augenhöhe. Hierbei setzen wir iPads und sogenannte Lebenskarten ein. Zusätzlich duzen wir unsere Kunden und tragen einen 'Casual-Look'. Wir machen damit auch optisch deutlich, dass wir uns auf einer Wellenlänge befinden. und schaffen eine entspannte Beratungsatmosphäre", so Hald.

Die Öffnungszeiten der Filiale hat die Sparkasse an der Tagesplanung der jungen Leute ausgerichtet. Sie ist zudem Samstagnachmittag geöffnet. Von Zeit zu Zeit böte die Geschäftsstelle bei Veranstaltungen oder Kampagnen zusätzliche Serviceleistungen jenseits der Finanzdienstleistungen des Instituts an. Als Beispiel nennt der Sparkassenchef "Wohnwochen". In dieser Zeit könnten sich die Kunden über unterschiedliche Wohnungsangebote informieren, über eine Börse WG-Mitbewohner finden oder erste Informationen zum Thema Eigenheim einholen.

Gestaltet von den Auszubildenden

Für vertrauliche Gespräche hat die Sparkasse Göttingen im S-Spot moderne Beratungskokons eingerichtet. (Sparkasse)

Gestaltet wurde die Campusfiliale durch Auszubildende. "Unsere Zielsetzung war es, eine Filiale zu schaffen, in der sich die junge Zielgruppe wohlfühlt", so Hald. Die Auszubildenden hätten sich daher an Geschäften orientiert, in denen sie sich selbst wohlfühlen. Hald: "Wir haben im Spot offene Decken, Musik, eine Lounge mit Tablet-Computern, moderne Beratungskokons und eine große Medienwand, auf der neben Finanzthemen etwa auch der Speiseplan der Unimensa gezeigt wird", so der Sparkassenchef.

Vor allem die Lounge sei ein Anziehungsort für die junge Generation. Hald: "Die Lounge ist schnell zu einem Treffpunkt geworden: Hier kommen nicht nur Kunden, sondern generell junge Leute zusammen, um Zeit zu verbringen und sich auszutauschen." Im S-Spot bietet die Sparkasse ihre normale Produktpalette an, darunter ist auch das Girokonto "Jung", das für Kunden bis 24 Jahren kostenlos ist. Sollten die Jugendlichen komplexere Produkte wie Baufinanzierungen oder Wertpapiergeschäfte nachfragen, stünden ihnen Spezialisten zur Seite.

Das "dialogische Prinzip"

Lange erkannt hat die Sparkasse Leipzig das Kundenpotenzial der Studierenden. Sie ist bereits seit 2009 mit einer Filiale direkt auf dem Campus der Universität Leipzig vertreten. Die Hochschule zählte im Wintersemester 2016/17 29 459 Studierende. "Die Zielgruppe 'Junge Erwachsene' ist uns wichtig. Sie sind unsere Privat- und Geschäftskunden von morgen. In unserem Interesse liegt es, die Kundengruppe frühzeitig von den Leistungen unserer Sparkasse zu überzeugen und sie als Kunden langfristig zu gewinnen", erklärt eine Sparkassensprecherin. Dabei spiele das Institut auch bei dieser Zielgruppe eine ihrer Hauptstärken aus: Nähe.
"Nicht nur die direkte Lage auf dem Campus spricht dafür. Auch die räumliche Ausstattung der kompakten Filiale entspricht diesem Prinzip und dem Service- und Beratungsbedarf der Studierenden", erklärt die Sprecherin. Der Filialraum sei offen und transparent gestaltet. So heben offene, nicht frontal im Raum stehende Theken das "dialogische Prinzip" hervor. Beraten werden die Kunden von Mitarbeitern im Alter zwischen 22 bis 32 Jahren – auch in englischer Sprache.
Anzeige
 Druck-PDF herunterladen

Kommentare zum Artikel (0)