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13. September 2017 - 08:30Unternehmenskrise

Distressed M&A als Alternative!?

von Michael Aprath

Klare Kennzeichen für den Krisenverlauf eines Unternehmens sind ein zunehmender Handlungsdruck sowie wachsende Risiken. Handlungsoptionen und Chancen schwinden. Auch bei Unternehmen mit tragfähigem Geschäftsmodell sind dann klassische, außergerichtliche Restrukturierungen kaum noch darstellbar. Manches Mal könnte ein alternativer Weg für alle Beteiligten erfolgreich sein.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Für von Pleite bedrohte Unternehmer ist eine Distressed M&A-Transaktion mitunter eine Lösung aus der Krise. (YakobchukOlena/fotolia)
Im Beitrag werden mittelständische Unternehmen betrachtet, die sich in der Krise befinden. Typischerweise ist deren Liquiditätslage angespannt, ohne dass sie bereits zahlungsunfähig sind. Die Renta­bilitätsentwicklung des Unternehmens ist, so ein weiteres Kennzeichen, seit einiger Zeit rückläufig. Oft wird erst zu diesem Zeitpunkt die Notwendigkeit einer Restrukturierung erkannt, aber zu diesem späten Zeitpunkt sind die Handlungsoptionen meist schon erheblich eingeschränkt. Typisch für die Situation sind in der Regel hohe Bankverbindlichkeiten mit mehr oder minder ausgeprägtem Blankoanteil. Auch haben einige Krisengespräche zwischen Unternehmen und Hausbank stattgefunden.
Die Unternehmen sind in ihrem originären (meist technischen) Geschäftsbereich eher gut positioniert, weisen ein „gesundes“, tragfähiges Geschäftsmodell auf und verfügen im Grundsatz über positive Perspektiven. Grund für die Krise sind vorhandene Defizite im betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen, steuerli­chen, juristischen und/oder finanziellen Bereich des Unternehmens. Die Ursachen dafür sind oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich und vielfach komplexer Natur.
Aufgrund der Liquiditätssituation des Unternehmens wären die finanziellen Mittel, um ein Sanierungskonzept zu erstellen, noch vorhanden bzw. würden gegebenenfalls von der Hausbank kreditiert – auch im Hinblick auf die Mindestanforderungen an das Risikomanage­ment (MaRisk). Dagegen wären die finanziellen Mittel für eine qualifizierte Sanierungsberatung und -begleitung, um das Unternehmen anschließend umfassend zu restrukturieren, nicht mehr vorhanden. Daher müssten hierfür von der Hausbank weitere Kreditmittel bereitgestellt werden.

Konsequenzen aus schwieriger Ausgangssituation

Für die finanzierende Hausbank könnte das zuvor skizzierte Szenario zu folgendem Dilemma werden: Einerseits wäre sie aufgrund der Unternehmenspositionierung zwar grundsätzlich zu einer weiteren Begleitung bereit – auch aus Eigeninteresse und der Angst, dass ihr Kreditengagement im Falle einer Insolvenz teilweise ausfallen könnte. Wichtige Voraussetzung ist allerdings ein hohes Interesse an professioneller Krisenbewältigung und tiefgreifender Restrukturierung des Unternehmens, um die Krisenursachen dauerhaft zu beseitigen.
Andererseits müssten für die Restrukturierung weitere finanzielle Mittel bereitgestellt werden (z. B. Überbrückungs- bzw. Sanierungskredit). Neben der nicht unerheblichen Frage der Besicherung dieser zusätzlichen Mittel könnte dies jedoch trotz Sanierungsgutachtens für die Bank risikobehaftet sein, hauptsächlich dann, wenn es im Folgenden doch zu einer Insolvenz kommen sollte. Insofern würde die Hausbank in einem solchen Fall ihr bestehendes Kreditengagement ausweiten und gegebenenfalls das finanzielle Risiko erhöhen.
Abhängig von der Risikobereitschaft der finanzierenden Bank, kann dies dazu führen, dass trotz grundsätzlich „gesundem“ Geschäftsmodell und einer möglichen positiven Zukunftsprognose eine Restrukturierung nicht darstellbar ist. Diese Situation führt dann in einer Reihe von Fällen in die, vielfach eher „ungeordnete“, Insolvenz.
Um ein Unternehmen aus einer Krisensituation vor der Insolvenz zu retten, sind manchmal alternative Lösungen nötig. Von solchen könnten in der skizzierten Situation sowohl das Unternehmen und die Eigentümer wie auch die finanzierende Hausbank profitieren. Letztere in dem sie gar keinen Ausfall erleidet oder zumindest einen geringeren als im „klassi­schen“ Insolvenzfall.
Im Folgenden soll die bei mittelständischen Unternehmen in derartigen Sondersituationen bisher weniger genutzte Alternative des „Distressed Mergers & Acquisitions“ (deutsch etwa: Notleidende Fusionen und Erwerbe) skizziert werden. War dies in der Vergangenheit eher eine Option für größere Unternehmen, so ist sie – gemessen an Umsatzgröße, Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl – seit einigen Jahren verstärkt auch für kleinere Unternehmen ein Handlungsalternative. Dazu beigetragen haben seit 2012 die neuen Werkzeuge aus dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kurz ESUG. Auf seiner Basis kann erfolgreich unter Insolvenzschutz saniert werden.
Grundvoraussetzung für eine derartige Lösung ist jedoch, von den Unternehmenseigentümern gewollt, als sinnvoll und notwendig erachtet sowie insbesondere von der finanzierenden Hausbank mitgetragen zu werden.

Was sind Distressed M&A-Transaktionen?

Dabei handelt es sich um die komplette oder teilweise Veräuße­rung des in der Krise befindlichen Unternehmens. Zwei jüngst publizierte Studien von Roland Berger (Distressed M&A Studie 2017) und Deloitte (Accelerated M&A Studie 2017) kommen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass es sich um ein wachsendes Segment im M&A-Markt handelt und erwarten einen weiteren Anstieg der Transaktionen in diesem Segment.
Die Studien gehen einerseits davon aus, dass die derzeitigen positiven gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Kombination mit dem derzeitige Niedrigzinsumfeld vorhandene Krisensymptome bei Unternehmen verdecken und das vor allem eine Zinswende diese Unternehmen vermehrt in Schwierigkeiten bringen dürfte.
Andererseits wird aufgrund der aktuellen Niedrigzinspolitik ein Anstieg derartiger Transaktionen erwartet, „da das aktuelle Refinanzierungsum­feld finanzwirtschaftlich getriebene Distressed-Transaktionen funktionie­render Geschäftsmodelle fördert“. Flankierend wird zudem davon ausgegangen, dass „durch den erhöhten Spielraum bei Distressed-Transaktionen als Folge der ESUG-Reformen Finanzinvestoren vermehrt investieren werden“.
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  1. Distressed M&A als Alternative!?
  2. Motive von Käufern, Verkäufern und Hausbank
  3. Vor-insolvenzliche Verkäufe
  4. Kriterien für einen erfolgreichen Verkauf
  5. Fazit
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