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08. August 2018 - 07:00US-Regionalbanken

Drang zur Größe

von Markus Gärtner

Die Branchenkonsolidierung bei den noch immer zahlreichen kleineren US-Banken schreitet voran. Währenddessen rätseln Volkswirte der US-Notenbank Fed über die ideale Bilanzsummenhöhe einer erfolgreichen Regionalbank.

Der Vorstand einer US-Regionalbank bei der Überwachung von Kreditrisiken in dem Western "Marshal of gunsmoke" (1944). Zurzeit suchen kleine Geldinstitute in den USA Sicherheit eher in wachsender Institutsgröße. Doch der Erfolg hat viele Väter und der Misserfolg ist ein Waisenknabe, das wissen auch Volkswirte. (dpa)
Die seit Jahrzehnten anhaltende Konsolidierung unter den US-Regionalbanken hat sich seit dem März dieses Jahres auffallend beschleunigt. Das berichtet das Branchenmagazin "American Banker". Die Publikation hat in dieser Zeit allein drei Deals gezählt, bei denen das übernommene Institut eine Bilanzsumme von jeweils mehr als 300 Millionen Dollar aufwies, das Dreifache der üblichen Übernahmekandidaten. Eskalierende Kosten für neue Technik sowie Mehraufwand für gestiegene Regulierung nach der Finanzkrise und der anhaltende Druck zu mehr Größe werden für die beschleunigte Drehzahl des M&A-Karussells verantwortlich gemacht. Die kleineren Banken suchen "einen sicheren Hafen", wie es der Wirtschaftsanwalt Richard Garabedian von der auf Kleinbanken spezialisierten Kanzlei Hunton Andrews Kurth in Atlanta ausdrückt. Auch dem "ABA Banking Journal" sind die "höher gepreisten" Übernahmen unter den Regionalbanken in den vergangenen Monaten aufgefallen.

Das allein wäre noch nichts völlig Neues. Doch der neue Trend wirft eine Frage auf, die selbst die Regulierer auf den Plan ruft, besser gesagt deren Analysten und Volkswirte. Mehrere Zweigstellen der US-Notenbank (Fed) beschäftigen sich im Umfeld größer werdender Bankenfusionen mit der Frage, wie weit eine regional verankerte Bank, deren Markenversprechen die Nähe zu den örtlichen Kunden ist, auf der Suche nach Größe gehen kann. So viel vorweg: Die Fed-Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, liefern aber eine interessante Annäherung, was die Idealgröße angeht.

Unbestritten ist zunächst der immense Konsolidierungsdruck, der sich über die Jahre aufgebaut hat. Der Branchenausblick der KPMG für die amerikanischen Regionalbanken vom Juli 2016 (Titel: "A matter of momentum") offenbarte, dass nur acht Prozent der befragten US-Banker den kleinen Regionalbanken mit einer Bilanzsumme von weniger als einer Milliarde Dollar eine Überlebenschance geben. In diese Kategorie fallen laut dem jüngsten Quartalsbericht des Bankenregulierers FDIC jedoch 86 Prozent von derzeit 5606 registrierten Banken. Fast jeder zweite Bankmanager in der Umfrage gab an, dass je nach Größe des jeweiligen Instituts allein der Aufwand für die Compliance elf bis 20 Prozent der operativen Kosten erreicht.

Kundennähe ist wichtig − aber was heißt das?

Welchen Druck das in einem Markt aufbaut, der gemessen an der Bevölkerung selbst nach langem Bankensterben immer noch 15-mal so viele Kreditinstitute zählt wie Großbritannien, Kanada oder Australien, lässt sich leicht erahnen, zumal die großen Geschäftsbanken sich zunehmend Marktanteile sichern und die Regionalbanken bis jeweils zehn Millarden Dollar Aktiva überwiegend außerhalb der Ballungsräume tätig sind und damit in Regionen, wo nur 16 Prozent der Amerikaner leben, lediglich zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes erbracht werden und die Wirtschaft langsamer wächst als in Metropolen wie New York, Chicago, oder Atlanta.

In den ländlichen Gegenden konnten die Regionalbanken lange Zeit einigermaßen gut überleben, weil sie durch ihre Nähe zu den privaten und gewerblichen Kunden über zuverlässige und präzise Kreditinformationen verfügten und dabei Erträge erwirtschaften konnten, die einen Teil des entgangenen Geschäfts aus automatisierten Krediten und abgeleiteten Produkten, wie sie große Banken anbieten, kompensieren konnten. Wie wichtig diese Kundennähe ist, hat vor Jahren schon die Fed-Zweigstelle in Chicago ermittelt. Sie wies in einem Papier darauf hin, dass größere Banken kleine Institute gern in Gegenden übernehmen, in denen sich kurz zuvor schon andere größere Wettbewerber eine Regionalbank geschnappt hatten, denn dort gibt es in der Regel "eine substanzielle Zahl enttäuschter Kunden", die sich nicht mehr gut betreut fühlen und daher eine neue Bank suchen.

Die Research-Abteilung der Fed-Zweigstelle in Philadelphia hat im März 2018 in einem Papier die Frage gestellt, ob "Größe bei der Performance einer Regionalbank eine Rolle spielt". Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass zunehmende Größe einer Bank kein Nachteil sein muss, obwohl sich die traditionelle Auffassung hält, dass Regionalbanken ihre Kunden durch die persönlichen Geschäftsbeziehungen besser einschätzen können und dadurch Vorteile im Kreditgeschäft haben. Die Fed-Regulierer in Philadelphia zitieren wissenschaftliche Autoren mit dem Befund, dass "Kreditkunden, die mindestens 25 Meilen von ihrer Bankfiliale entfernt wohnen, 10,8 Prozent häufiger säumig werden" und dass die Ausfallrate sogar um 22,1 Prozent zunehme, wenn die Entfernung zur Bank mehr als 50 Meilen betrage.

Besser kann man die Bedeutung der Nähe zum Kunden kaum dokumentieren. Doch die Fed-Zweigstelle in Philadelphia kommt selbst zu einem anderen Schluss. "Insgesamt", so die regionalen Fed-Analysten, "zeigen unsere Ergebnisse, dass größere Regionalbanken erfolgreicher als kleinere Regionalbanken sind, weil sie bei der Bewertung des Kreditrisikos effizienter arbeiten und sowohl Geschäfts- als auch Immobilienkredite straffer überwachen können“. Während den Regionalbanken nachgesagt werde, sie hätten im Kreditgeschäft wegen der genaueren Kenntnis der Kunden vor Ort einen Vorteil, haben sie laut der Fed in Philadelphia in Wahrheit eine höhere Ausfallrate im Kreditportfolio. Der Kernsatz in der Studie lautet: "Wir finden, dass eine bessere Performance mit einer größeren Bilanzsumme einhergeht." Begründung: Im Schnitt hätten größere Regionalbanken mit einer Bilanzsumme zwischen einer und zehn Milliarden Dollar wegen ihres Accountings und ihrer hochtechnisierten Marktbewertungen eine stärkere finanzielle Performance. Im Klartext: Größe schadet nicht, sie hilft eher, auch bei Instituten, die sich Kundennähe groß auf die Fahne schreiben.

"Fusionswelle stärkt den Sektor"

Zu einem etwas anderen Ergebnis kommen die Forscher der Fed-Zweigstelle in Kansas City in einem Papier, das untersucht, ob sich die Beziehung zwischen der Größe einer Bank und deren Profitabilität seit der Finanzkrise von 2008 verändert habe. Mit Blick auf die Verzinsung der Aktiva stellen sie fest, dass mit der Größe auch die Profitabilität zunehme, jedoch mit nachlassenden Zuwachsraten. In einer Modellberechnung stellen sie fest, dass die durchschnittliche Kapitalrendite (ROAA) bei einer Bilanzsumme von 755 Millionen Dollar ihr Maximum erreiche. Die Kapitalrendite sei auch danach positiv, aber nicht mehr so stark. Präziser als die Researcher der Fed von Kansas hat bislang kein US-amerikanischer Regulierer oder Akademiker versucht, die ideale Größe einer Regionalbank zu ermitteln. Der Grund ist einfach: Weil neben der Größe auch Faktoren wie das Management, die Strategie, der Markt und die Konkurrenzsituation Einfluss auf die Profitabilität einer Bank haben, kann letztlich nur mit Modellrechnungen gearbeitet werden.

Doch in einem sind sich Fed-Experten wie Bankmanager ganz überwiegend einig: "dass die laufende Fusionswelle das Potenzial hat, den Regionalbankensektor zu stärken", wie es der Ökonom Julapa Jagtiani bei der Kansas-Fed ausdrückt. Unter Regionalbankern in den USA gibt es verständlicherweise unterschiedliche Einschätzungen zur Zukunft, wie in jeder Branche. "Die physische Präsenz mit einer Zweigstelle wird künftig weniger wichtig sein", sagt Chris Nichols, Chefstratege bei der Centerstate Bank in Florida, mit sieben Milliarden Dollar Bilanzsumme eine der großen Regionalbanken. "Die Banker selbst sind wichtiger als ihre Backsteinpräsenzen, und worum es den Kunden geht, ist zu wissen, dass ihr Banker hinter ihnen steht", sagt Nichols.

James Beckwith, der CEO der Five Star Bank in Rocklin, Kalifornien, zeigt sich überzeugt: "Die heutigen Regionalbanker müssen in beiden Dingen gut sein, persönliche Betreuung vor Ort und digitale Dienstleistungen." 68 Prozent der Transaktionen in der mit 973 Millionen Dollar Aktiva kleineren Regionalbank werden bereits nicht mehr persönlich mit dem zuständigen Banker abgewickelt. Auch die traditionelle Sichtweise, die weiterhin stark auf persönliche Kontakte zur Kundschaft setzt, bleibt in den USA weit verbreitet: "Wenn Sie heute als Banker in eine neue Stadt gehen, müssen Sie mit Steinen und Ziegeln anwesend sein", argumentiert Jay Isaacs, Präsident der Firstcapital Bank of Texas in Midland mit einer Bilanzsumme von 1,1 Milliarden Dollar.

Am Ende entscheiden aber stets der eigene Ideenreichtum, die strategische Ausrichtung und die Agilität darüber, was eine Regionalbank aus ihrem Marktumfeld machen kann: "Die größte wettbewerbliche Bedrohung für die Regionalbanken sind sie selbst", erklärt David Schaefer, CEO der Oklahoma State Bank, die mit 150 Millionen Dollar Bilanzsumme zu den kleinen und am meisten gefährdeten Regionalbanken gehört. "Die Regionalbanker", sagt Schaefer, "reagieren oft nur auf ihre Wettbewerber, auf die Vorschriften der Regulierer oder die Gesetze, die der Kongress beschließt; anstatt an ihren eigenen strategischen Plänen und Visionen zu arbeiten, lassen sie sich manchmal über die Maßen von irgendwelchen Vorgaben erdrücken."
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