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06. Oktober 2017 - 09:35Deregulierung

Erstes US-Fintech beantragt Banklizenz

von Markus Gärtner, USA

US-Präsident Donald Trump hat in der Finanzbranche mit seinen Vorstößen in Richtung Deregulierung für Aufsehen gesorgt. Der Antrag des Fintechs "Varo" könnte zum Lackmustest der neuen Politik werden.

Mit dem Banker für die Hosentasche wirbt das US-Start-up "Varo". Es hat als erstes US-Fintech eine Banklizenz beantragt. (dpa)
"Sagen Sie Hallo zu einem neuen Bankkonto, das für Sie maßgeschneidert wird." Mit dieser freundlichen Aufforderung begrüßt das Fintech-Start-up "Varo" die Besucher seiner eher schlicht gehaltenen Webseite. Wer hier zu einem digitalen Besuch hereinschaut, will seine Bankgeschäfte ausschließlich über das Handy abwickeln und auf eine Filiale im traditionellen Sinne verzichten. Das mobile Geschäftsmodell ist ein Wettbewerbs-Affront, der sich gegen physisch präsente Finanzdienstleister wie Sparkassen, Genossenschaften und Regionalbanken wendet, die mit gut qualifizierten Angestellten in herkömmlichen Filialen dem kommunalen und regionalen Kreditgeschäft nachgehen.
Varo verspricht auf seiner Webseite aber nicht nur "intelligentes mobiles Banking", sondern auch allerlei budgetschonende Extras, wie ein gebührenfreies Girokonto ohne erforderliche Mindesteinlage, das Fehlen von Überziehungsgebühren und den Verzicht, für Abhebungen an einem der 55 000 angeschlossenen Geldautomaten etwas zu verlangen. Und die Debitcard von Varo soll überall akzeptiert werden, wo man auch mit Visa zahlen kann. Wer online durch die Seite schlendert, hat schnell den Eindruck, dass es sich hier lediglich um irgendein weiteres Fintech-Institut handelt, das mit Kampfkonditionen für kreative Unruhe im Bankenuniversum sorgen will.
Doch Varo Money ist deutlich mehr als das: Varo, im Oktober 2015 als Start-up für die Millennial-Generation gegründet, hat jetzt als erstes Online-Fintech einen Antrag auf eine landesweite Bankenlizenz in den USA gestellt. "Wir stecken Ihnen den ganz persönlichen Banker in die Hosentasche", wirbt Varo-Mitbegründer und CEO Colin Walsh für das Finanz-Start-up, das nun Schlagzeilen in den USA macht. Walsh war zuvor neun Jahre lang Vizepräsident bei der Megabank Wells Fargo und arbeitete später für Lloyds und American Express. Er ist ein Insider und Kind der Branche, die er nun über das Handy angreifen will.

Antrag ist ein politisch brisanter Schritt

Doch hinter den politischen und Finanzkulissen der USA sorgt Varo noch für deutlich mehr Wirbel als in der Öffentlichkeit. Denn der Antrag für die Banklizenz, die bei Erfolg nicht vor Ende des Jahres erwartet wird, stellt einen politisch brisanten Schritt dar. Der Antrag wurde nur eine Woche nach der bislang weitreichendsten Ankündigung des im Mai von Donald Trump nominierten Comptroller of the Currency (OCC), Keith Noreika, gestellt. Der Jurist Noreika will ab sofort Banklizenzen für Fintechfirmen wohlwollend prüfen. Das klingt wie eine Kampfansage für eine Branche, die von 1990 bis 2008 im Schnitt jährlich 100 neue Banklizenzen bekam, aber nach der Finanzkrise von 2008 bis 2013 nur noch ganze sieben Lizenzen registrierte. Doch jetzt soll im Rahmen der Deregulierungs-Kampagne von Trump die Wende eingeleitet werden: "Wenn man Fintechs einen Weg ebnet, um nationale Banken zu werden, wächst das Finanzsystem und wird stärker, moderner und wettbewerbsfähiger", schrieb der OCC in einer Meldung im März, als die Wende erstmals angedeutet wurde.
Anfang August sorgte der von Trump nominierte Noreika auch für Aufsehen, weil er eine Umfrage in der Finanzbranche startete, um Meinungen über die umstrittene Volcker-Regel einzuholen − ein Schritt, den viele im Finanzgewerbe für den Auftakt zu einer Aufweichung dieser Regel halten. Der Comptroller of the Currency ist in den USA für die landesweit agierenden Banken zuständig. Gibt er dem Antrag von Varo grünes Licht, würde das den bereits entbrannten Machtkampf zwischen der Regierung Trump und dem Kongress verschärfen. Denn der Kongress wacht eifersüchtig darüber, dass die Finanzregulierer des Landes, vor allem der OCC und der Einlagensicherer FDIC, ihre Vollmachten nicht so weit dehnen, dass sie mit dem gesetzgeberischen Auftrag des Parlaments kollidieren. Am 10. März dieses Jahres hatten Jeb Hensarling, der dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses vorsitzt, und andere republikanische Abgeordnete in einem Brief angekündigt, der Kongress werde voreilige Entscheidungen des OCC kritisch prüfen und bei Bedarf überstimmen.
Im Klartext: Amerika ist gespannt, ob sich Donald Trump, der im Kongress mit allen großen Vorhaben bisher gescheitert ist, nun mit dem Versuch durchsetzen kann, einen größeren Teil seiner geplanten Finanzderegulierung um das Parlament herum durchzuboxen. Varo könnte dafür der erste große Testfall in der angestoßenen Deregulierungs-Kampagne werden.

"Finanzen mit ein paar Knöpfen auf dem Handy steuern"

Aber eins nach dem anderen: Varo kooperiert bisher in Abwesenheit einer Banklizenz mit der führenden Regionalbank "The Bancorp Bank" in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. In verschiedenen Bundesstaaten wurden zudem Lizenzen für die Vergabe von Konsumentenkrediten erworben. Mit der Hilfe von Warburg Pincus hat Varo in den vergangenen Monaten 27 Millionen Dollar eingesammelt – unter anderem von Investoren im Silicon Valley –, um die nötigen Kapitalanforderungen zu erfüllen. Im Juni hat der Neuling zudem im Apple-Store eine App vorgestellt, mit der er seine Dienstleistungen bündelt. "Wir haben Varo gegründet, weil wir überzeugt sind, dass viele Menschen davon profitieren, wenn sie ihr Geld auf einfachere und kostengünstigere Weise managen und ihre Finanzen mit ein paar Knöpfen auf dem Handy steuern können", sagt Walsh, der trotz seiner Karriere im etablierten Bankensystem der Meinung ist, "die Jüngeren und gut Ausgebildeten wollen nicht zu einer Filiale fahren und sich in eine Schlange stellen, um mit jemandem am Schalter zu plaudern".
In seiner jüngsten Verbraucherumfrage berichtet Varo, dass 75 Prozent der Millennials, die vor der Jahrtausendwende geboren wurden und von Marketingexperten auch als "Digital Natives" bezeichnet werden, romantische Beziehungen als finanziell nützlich empfinden: Die größten Vorteile solcher Beziehungen seien geringere Mietkosten, weniger Ausgaben fürs Kochen und geringere Steuern, wenn geheiratet wird. Natürlich gibt es für solche "Umfragen" handfeste Motive: Firmen wollen damit Kompetenz zeigen und ihre Zielgruppe ansprechen. Und das sind – wie im Falle von Sofi, einem anderen Start-up, das derzeit Schlagzeilen in den USA macht – die Millennials.
Sofi bewirbt sich gerade um eine Einlagenversicherung der FDIC, weil es im Bundesstaat Utah über private Kredite und Hypotheken hinaus Onlinebanking anbieten will. Dieser Antrag hat die US-Regionalbanken auf den Plan gerufen. Sie fürchten um einen Teil ihres Geschäfts, wenn Startups wie Sofi auf Basis eines "Industrial Loan Company Charter", also als bankenfremder Anbieter, Kredite anbieten. Um eine Lizenz auf Basis dieser Regelung hat sich in den USA bereits Wal-Mart vergeblich bemüht. Sofi bemüht sich – ähnlich wie Varo − vor allem um die junge Klientel, die Aussichten hat, sich mit einer Karriere in profitable Kundschaft zu verwandeln. In den USA nennt man diese Zielgruppe "Henry" ("high earners, not rich yet"), also gutverdienende, aber noch nicht reiche Klientel.
Dass die Millennials derzeit zur größten Verbrauchergruppe heranwachsen, garantiert aber trotz der lizenzfreundlichen Neuausrichtung der US-Regulierer noch lange keinen Erfolg für Varo und SoFi, auch wenn der „Crowdfund Insider“ bereits eine „neue Ära im Banking“ heraufziehen sieht und das Branchenjournal der Kreditgenossenschaften (Credit Union Journal) neue Konkurrenz wittert: „Die Kreditkooperativen investieren in eine Modernisierung ihrer Mobilbank-Plattformen und gewinnen neue Konsumenten, besonders Millennials, aber ein Fintech (gemeint ist Varo) könnte dies für uns noch schwerer machen“, beklagt sich das Magazin.
Varo und Sofi haben noch einen steinigen Weg vor sich: Sie müssen Aufsehern und Kunden erst einmal beweisen, dass sie nicht nur das nötige Know-how an Bord haben und genügend Kapital, um die neuen Vorschriften zu erfüllen; sie können auch leicht in den Strudel des Machtkampfs zwischen Trump und dem Kongress geraten und ohne eigenes Verschulden ein Bauernopfer werden. Immerhin geht es hier um eine mögliche Gezeitenwende, die Bloomberg so kommentiert: "Wenn das OCC spezielle Lizenzen an nationale Banken mit einem limitierten Angebot vergibt, wäre das einer der signifikantesten Schritte durch US-Aufseher, die Fintechfirmen unter die Aufsicht der Regierung zwingen wollen."
Doch die Regulierer meinen es ernst. Das zeigt eine Stellungnahme des FDIC-Vorsitzenden Martin Gruenberg vom 13. Juli vor dem Reformausschuss des Repräsentantenhauses zum Thema "Neue Banken": "Der Markteintritt neuer Wettbewerber", so Gruenberg, "hilft, die Vitalität der Regionalbanken zu erhalten, wichtige Lücken in lokalen Bankenmärkten zu schließen und jene Kommunen mit Krediten zu versorgen, die von anderen Finanzdienstleistern vernachlässigt werden".
Gruenberg zitierte bei seiner Anhörung vor dem Kongress Zahlen der FDIC, wonach die Insolvenzrate von Banken, die zwischen den Jahren 2000 und 2008 eine Lizenz bekamen, doppelt so hoch war wie im historischen Vergleich. Dieser Befund, so Gruenberg, unterstreiche, "wie wichtig es ist, neue Banken zu lizensieren und einen effektiven Genehmigungsprozess zu etablieren". Tatsächlich gingen bei der FDIC von Januar 2011 bis zum Juli 2016 lediglich zehn Anträge auf Banklizenzen für Einlagengeschäfte ein. Nur drei wurden genehmigt. Fünf wurden zurückgezogen, zwei noch nicht abschließend bewertet.
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