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15. März 2017 - 08:00Sparkasse Oder-Spree

Finanzbildung für alle

von Christoph Becker

Eine Ausstellung in Frankfurt (Oder) erinnert an Ernst Senckel. Der sozialpolitisch engagierte Pfarrer hatte das Jugendsparen einst populär gemacht. Seine Ideen sind bis heute maßgeblich.

Pfarrer Ernst Senckel (1836 - 1912), der "Vater der deutschen Schulsparkassen".

Ernst Senckel ist in Frankfurt kein Unbekannter. Etwa 50 historisch interessierte Bürger der Stadt an der Oder sind ins Junkerhaus gekommen, darunter etliche Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde im Ortsteil Hohenwalde, wo Ernst Senckel als Pfarrer gewirkt hat. Irmgard Jeschke, eine Urgroßnichte des "Vaters des Schulsparens", ist aus Süddeutschland angereist. Quellen aus dem Familienarchiv der Jeschkes bereichern die von der Sparkasse Oder-Spree unterstützte Ausstellung.

Sie erinnert bis zum 6. August an den Pfarrer, der sich als Organisator und Publizist für das Jugendsparen engagierte und vor 150 Jahren in Hohenwalde eine Schulsparkasse gründete, die erste in Brandenburg. Im Ausstellungsraum des Museums Viadrina stehen viele zerschnitzte Schulbänke und ein Lehrerpult mit Rohrstock. Solche Exponate mögen von gestern sein – Senckels Anliegen ist es nicht. Das Thema Finanzbildung von Jugendlichen ist so dringlich wie im 19. Jahrhundert.

Das bekräftigt Harald Schmidt, Vorstandsmitglied der Sparkasse Oder-Spree: "Vielen erscheint das Schulsparen heute wie aus der Zeit gefallen. Ich sehe das anders." – "Senckel ging es darum, wie man durch Sparen und Erziehung zu einem eigenständigen Leben findet", erläutert Frankfurts geschäftsführende Pfarrerin Beatrix Forck. Rudolf Tiersch, Leiter der Frankfurter Singakademie, trägt mit sonorer Bassstimme geistliche und patriotische Lieder des Bismarckbewunders Senckel vor und bescheinigt dem Komponisten "etwas Erdiges" und solide handwerkliche Qualitäten.

Zwar ist es mittlerweile nicht mehr üblich, dass Sparkassenmitarbeiter in den Schulklassen die Spardosen der Kinder ausleeren und die Münzen auf Konten einzahlen. Aber aus der Sparerziehung von einst ist ein umfassender Bildungsauftrag geworden, dem der Sparkassen-Schulservice heute gemeinsam mit den Instituten nach klar definierten Leitlinien nachkommt.

Schulservice trägt Werte in die Zukunft

Ausstellungseröffnung im Museum Viadrina, Frankfurt (Oder) von links: Irmgard Jeschke, Urgroßnichte von Ernst Senckel mit ihrem Mann Manfred Jeschke; Olaf Hoffmann, Ortsbürgermeister von Senckels Wirkungsort Hohenwalde; Ausstellungskuratorin Sonja Michaels und Harald Schmidt, Vorstandsmitglied Sparkasse Oder-Spree. (H. Swazinna)

Korina Dörr ist beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband als Leiterin der Abteilung Geld und Haushalt für die finanzielle Bildung verantwortlich. Dörr hebt das dauerhafte Engagement der Sparkassen-Finanzgruppe hervor. Gemeinsam mit dem Beratungsdienst Geld und Haushalt trage der Schulservice seit mehr als 40 Jahren dazu bei, dass in allen Altersgruppen ökonomische Kompetenz und Urteilsfähigkeit entstehe. Die beim Sparkassenverlag erstellten Lernmittel seien werbefrei, inhaltlich neutral, orientierten sich an den Bildungsplänen der Kultusministerien und berücksichtigten zeitgemäße Lernmethoden. "Viele Sparkassen engagieren sich zusätzlich durch Vorträge, Betriebsbesichtigungen und Praktika und bieten Teilnahmemöglichkeiten am Gründerpreis für Schüler und dem Planspiel Börse an", sagt Dörr.

Kassenschrank aus dem Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbands. Kassettenschränke mit Sparfächern kamen in Schulen bis in die 1960er-Jahre zum Einsatz. (DSZ)


In der Forschung ist der Pfarrer ebenfalls angekommen. Laut Thorsten Wehber, Historiker beim Sparkassenhistorischen Dokumentationszentrum in Bonn, war es Senckels "großes Verdienst, die verschiedenen Initiativen für Schul- und Jugendsparkassen in einem Verein zusammengefasst und damit die Verbreitung dieser Einrichtung in Deutschland gefördert zu haben". Dafür wurde Senckel 1906 von Kaiser Wilhelm II mit dem roten Adlerorden vierter Klasse ausgezeichnet. 100 Jahre später erinnerte die Sparkasse Oder-Spree mit der Auflage einer auf 20 Stück limitierten Ernst-Senckel-Gedenkmedaille in Gold an dieses Ereignis.

Der sozialpolitisch engagierte Geistliche war im 19. Jahrhundert eine zeittypische Figur. Bekannt sind ebenfalls Friedrich von Bodelschwingh, Begründer der Stiftungen in Bethel, und Johann Heinrich Wichern, an dessen "Rauhem Haus" in Hamburg Ernst Senckel drei Jahre lang tätig war.

Interview mit Harald Schmidt:
"Die mit dem Schulsparen verbundenen Werte sind bis heute lebendig"

Plädiert für die Sparkassen-App: Harald Schmidt, Vorstandsmitglied der Sparkasse Oder-Spree. (H.Swazinna)

DSZ: Herr Schmidt, wie sind Sie auf Ernst Senckel aufmerksam geworden?
Harald Schmidt: Das war 1997 und eher dem Zufall geschuldet. In Hohenwalde, heute ein Ortsteil von Frankfurt, wurde ein Weg nach Ernst Senckel benannt, mit der Erläuterung, er sei der Begründer des Schulsparens. Seitdem interessieren wir uns für den Pfarrer, der in Hohenwalde wirkte und dessen Grab sich auch dort befindet. 2006 haben wir gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde und der Denkmalschutzbehörde einen Festgottesdienst in der Hohenwalder Dorfkirche mitveranstaltet. Wir freuen uns, dass wir mit dieser Ausstellung über Ernst Senckel heute den Faden wieder aufnehmen können.
Ernst-Senckel-Gedenkmedaille in Gold. Die auf 20 Stück limitierte Medaille legte die Sparkasse Oder-Spree im Jahr 2007 auf. Sie wird an besonders verdiente Sparkassenmitarbeiter verliehen. (Sparkasse)

DSZ: Gibt es in Ihrer Region das Schulsparen heute noch?
Schmidt: Das Schulsparen selbst ist hier leider, wie wohl überall, ins Hintertreffen geraten. Doch unsere Mitarbeiter fördern bei Bedarf mit Referaten in Schulklassen den kompetenten Umgang mit Geld und bringen Jugendlichen die Wirtschafts- und Arbeitswelt näher. Zudem sind in unserer Region die Materialien des Sparkassen-Schulservices verbreitet. Auch die mit dem Sparen verbundenen Werte – etwa Ausdauer, Zielstrebigkeit und Bürgersinn – sind bis heute lebendig. Wir versuchen, jungen Menschen zu vermitteln, dass es sich immer lohnt, das Geld, das man hat, nicht gleich auszugeben – sogar dann, wenn es dafür so gut wie keine Zinsen gibt.

Analoge Technik mit Charme: Nach Kurbeldrehung und Einwurf einer Zwei-Cent-Münze bedruckt der noch funktionstüchtige Sparautomat aus den 1930er-Jahren eine Sparkarte. Das zurzeit in Frankfurt (Oder) gezeigte Modell gehört dem Archiv des Ostdeutschen Sparkassenverbands. (DSZ/bec)

DSZ: Wie kann man Senckels Ideen heute vermitteln?
Schmidt: Wir müssen Jugendliche im digitalen Zeitalter auch über die sozialen Medien, die Internetfiliale und andere Plattformen ansprechen. Die Funktionen der Sparkassen-App könnten das Sparen für Jugendliche noch viel attraktiver machen als es mit den technischen Möglichkeiten von einst – etwa dem Sparautomaten oder dem Schulsparen – möglich war. Wenn wir die Jugendlichen hier nicht abholen, werden wir sie in Zukunft nicht mehr erreichen.

DSZ: Wie viele Jugendliche erreichen Sie heute?
Schmidt: Die Sparkasse Oder-Spree hat zurzeit 12 796 Jugendsparkonten und 18 883 Jugendgirokonten mit einem Gesamtvolumen von 38,6 Millionen Euro, das Durchschnittsguthaben liegt bei 1219 Euro. Das stimmt grundsätzlich optimistisch, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viel zu viele junge Menschen gibt, die in die Schuldenfalle geraten oder denen die berufliche Perspektive fehlt. Wir stellen daher jährlich rund eine dreiviertel Million Euro Spenden- und Sponsoringgeldern zur Verfügung, von denen ein Großteil direkt der Jugend zugute kommt.

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