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30-jährige Bundesanleihen mit Minus-Rendite

Verkehrte Welt mit minus 0,11 Prozent: Sogar langfristige Investoren zahlen jetzt drauf, wenn sie dem Bund Geld leihen.

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Bei einer Emission neuer 30-jähriger Anleihen hat der Bund die Papiere erstmals mit einer Rendite unter null Prozent verkauft. Die durchschnittlich Rendite bei der 824 Millionen Euro schweren Auktion betrug minus 0,11 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur mit. Dies bedeutet, dass Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen.

Die unlängst wieder aufgeflammte Angst vor einer weltweiten Rezession treibt Anleger vermehrt in die als sicher geltenden Bundesanleihen. Hinzu kommen Spekulationen auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Wiederaufnahme von deren Bondkäufen. Dies drückte die Rendite der 30-jährigen Titel Anfang des Monats am Markt erstmals unter null Prozent. Seither sind sämtliche Schuldtitel des Bundes für Investoren ein Verlustgeschäft.

Druck auf institutionelle Anleger nimmt zu

Viele Investoren stellt das vor ein Dilemma. „Für die Anleger wird der Druck immer größer, ein profitables Geschäft zu schaffen“, sagt NordLB-Analyst Michael Schulz. Früher konnten sie in Anleihen mit längerer Laufzeit ausweichen, doch werfen auch die nun keine Rendite mehr ab.

Investoren könnten jetzt versuchen, auf möglicherweise renditeträchtigere, aber riskante Anlageformen wie privates Beteiligungskapital auszuweichen. Doch etwa in der stark regulierten Versicherungsbranche sei das nicht unbegrenzt möglich. Die Versicherer müssen Kundengelder zu einem Großteil in sichere Anlageformen investieren. Dazu gehören deutsche Staatsanleihen, die von den großen Rating-Agenturen mit der Bestnote „AAA“ bewertet werden.

Ökonomen fordern Lockerung der Schuldenbremse

Ökonomen fordern die Bundesregierung angesichts der extrem günstigen Finanzierungskonditionen dazu auf, die Schuldenbremse zu lockern und Kredite aufzunehmen, darunter der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther.

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sagte vor Kurzem: „Deutschland hat einen riesigen Investitionsbedarf – bei der Infrastruktur, bei der Bildung und bei Innovation.“ Die gegenwärtige Politik gehe zulasten künftiger Generationen, da der deutsche Staat von seiner Substanz lebe. rtr