Zurück
Coronakrise
Schockreaktion der Anleger im März
Die Privatanleger in Deutschland haben im März nach den Markteinbrüchen infolge der Coronakrise massiv Aktienfondsanteile verkauft. Doch auch der sichere Hafen lag für viele Anleger in einem Teilbereich des Fondsmarkts.

Aus offenen Publikumsfonds zogen private und institutionelle Anleger von Anfang Januar bis Ende März 2020 netto 13,9 Milliarden Euro ab. So lautet das Fazit des Investentverbands BVI zur Bilanz der Fondsbranche im ersten Quartal. Dabei prägen Aktienfonds mit 14 Milliarden Euro Abflüssen das Absatzbild.

Von den 14 Milliarden Euro Nettoabflüssen bei Aktienfonds entfallen 5,7 Milliarden Euro auf Aktien-ETFs. Aus Mischfonds zogen Anleger 2,1 Milliarden Euro ab, so der BVI. Rentenfonds verzeichneten netto 0,6 Milliarden Euro Zuflüsse. Das entfiel weitgehend auf Anleihefonds mit Fokus auf das Eurogebiet.

Die Risikoaversion prägte sonst auch das Geschehen bei Zinspapieren. Während Rentenfonds mit Euro-Anleihen 4,3 Milliarden Euro an Zuflüssen erzielten, flossen aus Produkten mit Schwerpunkt auf Anleihen aus Schwellenländern 2,1 Milliarden Euro und aus Unternehmensanleihenfonds 0,6 Milliarden Euro ab.

Das erste Quartal war für die Branche trotzdem kein Minusgeschäft. Den Fondsgesellschaften sind im ersten Quartal 2020 netto 24,1 Milliarden Euro neue Mittel zugeflossen, teilte der BVI weiter mit. Dazu haben vor allem offene Spezialfonds mit Zuflüssen von 32,7 Milliarden Euro beigetragen. Privatanleger zogen aus den offenen Publikumsfonds fast 14 Milliarden Euro ab.

Nachhaltige Produkte und Immobilienfonds gefragt

Bezogen auf das Neugeschäft aller Publikumsfonds verbuchten nachhaltig anlegende Produkte von Anfang Januar bis Ende März 2020 Zuflüsse von 3,4 Milliarden Euro. Aus anderen Publikumsfonds flossen 17,3 Milliarden Euro ab. Diese Entwicklung spiegelt sich in Europa wider. Nach Angaben der Rating-Agentur Morningstar erzielten nachhaltige Fonds europaweit Zuflüsse von 30 Milliarden Euro, während Anleger aus anderen Publikumsfonds 165 Milliarden Euro abzogen.

Das Absatzbild der Publikumsfonds im ersten Quartal ist geprägt von starken Abflüssen im März in Folge des Kurseinbruchs an den Börsen, so der Fondsverband. Nach Zuflüssen im Januar und Februar von insgesamt 9,1 Milliarden Euro zogen Anleger im März 23 Milliarden Euro aus Publikumsfonds ab. Das entspricht gut zwei Prozent des Fondsvermögens Ende Februar.

Zum Vergleich: Höhere Abflüsse verzeichneten Publikumsfonds im Oktober 2008, als Anleger 46 Milliarden Euro im Zuge der Lehman-Krise abzogen. Das entsprach knapp sieben Prozent des Fondsvermögens. Damals standen insbesondere Geldmarktfonds und Rentenfonds mit kurzlaufenden Anleihen auf der Verkaufsliste.

Im März 2020 verzeichneten vor allem Aktienfonds Rückgaben von 15,3 Milliarden Euro. Das sind knapp vier Prozent ihres Fondsvermögens. Es folgen Mischfonds mit Abflüssen von 4,9 Milliarden Euro. Ausschließlich Immobilienfonds erzielten bei den Publikumsfonds im März Zuflüsse von 0,6 Milliarden Euro.

19. Mai 2020