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30. Juli 2018 - 05:00Strategie

Fischkutter oder Kriegsschiffe?

von Matthias Jahnke

Vor 30 Jahren stellte Holger Bonus seine „Flottenmetapher“ zur Zukunft des genossenschaftlichen Finanzverbundes auf. Für die Sparkassen-Finanzgruppe ist die Reflexion dieser Gedankengänge aktueller denn je.

Metapher für Finanzverbünde: Die Flexibilität von Fischkutterkapitänen sticht das Durchbefehlen bei Kriegsschiffen. (dpa)
Fischkutter oder Kriegsschiffe: Eine seltsam anmutende Überschrift dieses Beitrags, die jedoch aktueller nicht sein könnte. Vor genau 30 Jahren stellte Holger Bonus, damaliger Universitätsprofessor und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Genossenschaftswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, seine berühmte „Flottenmetapher“ auf. Hierbei hinterfragte er, welchen Weg der genossenschaftliche Finanzverbund im Kontext einer möglichen Zweistufigkeit gehen wird. Für die Sparkassen-Finanzgruppe ist die Reflexion dieser Gedankengänge aktueller denn je.
Der Anlass der Metapher von Holger Bonus war die damalige Übernahme der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank und der Bayerischen Volksbanken durch die DG Bank, wodurch erstmals eine echte Zweistufigkeit des genossenschaftlichen Finanzverbundes (heute genossenschaftliche Finanzgruppe) Realität wurde. Es wurde emotional diskutiert, ob die bestehende Dreistufigkeit, die drohende Zweistufigkeit oder sogar eine Einstufigkeit mit Konzerncharakter und direktem Durchgriff der DG Bank (heute DZ Bank) als sinnvollste Option angestrebt werden sollte. In einem Konzern agieren alle Primärbanken, insbesondere die Volks- und Raiffeisenbanken, in einer straff geführten Kriegsflotte, in der Befehle direkt von der Admiralität ausgegeben werden und jedes Kriegsschiff untergeordnet wird.
Anders in einer Flotte von Fischkuttern: Die Kutterkapitäne nutzen ihr spezifisches Wissen, um den Fischschwarm aufzuspüren und agieren individuell. Per Funk können Sie dann die Hilfe anderer Unterstützungsboote anfordern beziehungsweise Informationen zum Verbleib des Fischschwarms mitteilen. Durch diese Vorgehensweise wird es selten vorkommen, dass die Flotte in Gänze erfolglos bleibt. Alle Hilfsmittel der Flotte, das sind vor allem die Fischverarbeitungshalle, die Fischernetze und das Kühlhaus, gehören den Kapitänen und Besatzungen, sodass die Willensausübung „von unten nach oben“ verläuft.

Die Welt nach 30 Jahren

Heute ist die genossenschaftliche Finanzgruppe ein zweistufiges Unternehmensnetzwerk, jedoch immer noch kein Konzern. Doch nicht nur die genossenschaftliche FinanzGruppe hat sich verändert: Niemand hätte vor 30 Jahren an eine derart langanhaltende Niedrigzinssituation gedacht. Die aktuellen regulatorischen Maßnahmen, vor allem in den Bereichen der Eigenkapitalhinterlegung und des Anlegerschutzes, wären vor 15 Jahren noch stark belächelt worden. Von der Digitalisierung und der demografischen Entwicklung als weitere exogene Megatrends ganz zu schweigen. Diesen Anforderungen stellen sich aktuell 385 Sparkassen in Deutschland, die wie Fischkutter auf einem manchmal sehr stürmischen Meer umherfahren. Auch in der Sparkassen-Finanzgruppe wird oftmals der Ruf nach mehr Zentralität und fokaler Führung durch ein starkes Unternehmen laut. Hat die polyzentrische Organisation der Sparkassen-Finanzgruppe in diesem Ozean eine Zukunft?

Bekenntnis zum Verbund mit stärkerer zentraler Prägung

Die Antwort auf die gestellte Frage kann nur Ja lauten. Dieses Ja muss jedoch erläutert werden: Ein Konzern beziehungsweise die Flotte der Kriegsschiffe strebt außerordentlich große Projekte an, die nur mit zentraler beziehungsweise fokussierter Führung zu ermöglichen sind. Die Sparkassen in Deutschland müssen sich jedoch auf ihren Fischschwarm besinnen: Das sind nicht die Blauwale, sondern die Thunfische und Dorsche, das heißt mittelständische Unternehmenskunden und Privatkunden in allen Ausprägungen. Ein Mittelständler in Düsseldorf hat andere Bedürfnisse als es bei einem Unternehmen in Görlitz der Fall ist. Trotz makroökonomischer Einflüsse sind es die Sparkassen, die mit Verbundenheit zur Region auch dann noch vor Ort sind, wenn viele andere Wettbewerber verschwunden sind. Hierbei differenzieren sich ländliche und städtische Regionen. Ebenso verhält es sich mit Regionen großer Konzernstrukturen oder landwirtschaftlich geprägten Orten. Überall müssen die Fischkutterkapitäne andere Maschenweiten für ihre Netze nutzen und die Tiefe des Fischfangs regelmäßig neu justieren.
Diese Ausführungen bedeuten jedoch nicht, dass sich die Sparkassen-Finanzgruppe vor zentralen Themen verschließen soll oder wird: Mittelfristig werden alle Sparkassen in Deutschland das Kernbankensystem OSPlus nutzen. In diesem Zusammenhang migrieren die Verbundpartner etappenweise auf die einheitliche IT-Struktur. Weiterhin wird das omnikanale Kundenerlebnis, welches von OSPlus neo hervorgerufen wird, durch ein vorbildliches Roll-Out-Verfahren der Finanz Informatik in Zusammenarbeit mit den Regionalverbänden, sparkassenübergreifend ermöglicht. Hier ist die Sparkassen-Finanzgruppe auf einem sehr guten Weg.
Dieser Weg muss vor allem bei der Einführung zentraler Modellkonzeptionen stärker fokussiert werden. Hier sind die Regionalverbände gefragt, die zusammen mit dem DSGV in beratender und unterstützender Funktion auftreten müssen, um das Delta zwischen den Häusern bei der Einführung zentraler Konzeptionen nicht zu groß werden zu lassen. Es bleibt also ein schmaler Grat, um die Individualität der einzelnen Sparkassen mit zentraler, inhaltlicher Führung zu verbinden. Die typische DNA, die eine Sparkasse in ihrer Region hinterlässt und die vom Kunden wahrgenommen wird, darf jedoch niemals verloren gehen. Nur so ist es möglich, auch bei stürmischer See den sicheren Hafen mit vollen Netzen zu erreichen.
Der Autor ist Managementberater und Leiter Prozesse und Organisation bei der Banking-Partner Beratungsgesellschaft in Bad Sachsa.
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