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13. März 2017 - 11:24Interview

KFW als Finanzierer der Digitalisierung

von Dieter W. Heumann

Bei der Digitalisierung schlagen Kosten in erheblichem Ausmaß zu Buche, erläutert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, im Gespräch mit dem Magazin Sparkasse. Er rechne mit wachsenden Finanzierungsvolumina, wobei es mit Finanzierungen in entsprechender Höhe bei Banken schwierig werden könne; deswegen wolle die KfW hier tätig werden.

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: Bei der Digitalisierung gibt es starke Branchenunterschiede, das verarbeitende Gewerbe sei am innovativsten. (dpa)

DSZ: Herr Zeuner, die vierte technische Revolution − die Digitalisierung − hat den Handel und die Industrie erfasst. Kann man sagen, dass dies in Deutschland bereits auf breiter Front passiert – vor allem auch bei den mittelständischen Unternehmen?
Jörg Zeuner: Man kann bei der Digitalisierung − auch mit Blick auf die mittelständischen Unternehmen − durchaus von flächendeckenden Aktivitäten sprechen; allerdings befinden sich sehr viele Unternehmen des deutschen Mittelstandes noch in einer sehr frühen Phase der Digitalisierung. Studien, die wir im Sommer vergangenen Jahres zu diesem Thema erstellt haben, zeigen, dass mittelständische Unternehmen − bis zum Einmannbetrieb − Digitalisierung betreiben; aber sie tun es in sehr kleinem Umfang und Schritt für Schritt.

DSZ: Wie weit nutzen mittelständische Unternehmen digitale Technologien und digitale Geschäftsmodelle in der Praxis?
Zeuner: Nach unserer Untersuchung beschäftigen sich 83 Prozent der Mittelständler mit der Digitalisierung. Wobei wir den Begriff der Digitalisierung genau abgegrenzt haben: Es müssen signifikante Funktionserweiterungen der IT oder des Business-Modells − beispielsweise in Richtung E-Commerce − vorliegen. Zu den digitalen "Vorreitern" zählt indes nur jeder fünfte Mittelständler. Etwa die Hälfte der mittelständischen Unternehmen geben weniger als 10 000 Euro pro Jahr für Digitalisierungsmaßnahmen aus. Ausgaben von 100 000 Euro und mehr findet man dagegen nur bei fünf Prozent der Mittelständler − vor allem bei den größeren Unternehmen.
DSZ: Nun will die KfW-Bankengruppe zur Förderung der Digitalisierung ein Förderprogramm auflegen?
Zeuner: Ja, aber zu diesem Programm kann ich noch keine Einzelheiten sagen, dazu ist es noch zu früh. Daher nur so viel: Es ist vorgesehen, das Programm im Rahmen unserer Innovationsfinanzierungen etwa zur Jahresmitte aufzulegen. Es wendet sich an mittelständische Unternehmen − auch an Unternehmen mit geringer Betriebsgröße.  
DSZ: Wie wird die KfW helfen?
Zeuner: Wir stellen fest, dass es sich bei der Digitalisierung um Ausgaben handelt, die nicht vergleichbar mit klassischen Investitionsausgaben sind: Bei der Digitalisierung schlagen unter anderem Personalkosten für Aus- und Weiterbildung in erheblichem Ausmaß zu Buche. Wenn die Volumina größer werden − wovon auszugehen ist −, dürfte es schwieriger werden, Finanzierungen in entsprechender Höhe bei Banken zu bekommen. Und hier will die KfW eingreifen. Wie bei der Einführung innovativer Produkte und Prozesse werden wir helfen, indem wir Finanzierungsinstrumente mit einer gewissen Risikoübernahme bereitstellen.
DSZ: Wie stehen die deutschen Mittelständler in ihren Digitalisierungsbemühungen im internationalen Vergleich da?
Zeuner: Nach meiner Wahrnehmung steht das Thema Digitalisierung bei unseren europäischen Partnern noch nicht sehr hoch auf der Agenda, sodass die deutschen Mittelständler so gesehen recht gut abschneiden. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere mittelständischen Unternehmen − im Vergleich mit der übrigen Wirtschaft hierzulande − in der Digitalisierung noch zu wenig engagiert sind.
DSZ: Welches sind die sogenannten digitalen Vorreiter im Mittelstand?
Zeuner: Es handelt sich dabei im Wesentlichen um größere mittelständische Unternehmen, die bereits über eine übergreifende Digitalisierungsstrategie eine Geschäftsstrategie, etwa im Sinn von Industrie 4.0 – verfügen. Weniger ausgeprägt ist die Digitalisierung bei mittelgroßen und vor allem bei kleineren Unternehmen, wobei es aber auch hier − gemessen an der Betriebsgröße − zum Teil beachtliche Anstrengungen gibt. Unterschiedlicher verläuft der Digitalisierungsprozess nach Branchen. Das forschungs- und entwicklungsintensive verarbeitende Gewerbe ist zweifellos am innovativsten. Stark digital unterwegs sind aber auch der innovative Handel und innovative Dienstleister.
DSZ: Welches sind die Haupthemmnisse, die Mittelständler zögern lassen?
Zeuner: Die Haupthindernisse lassen sich in zwei Blöcken darstellen: Zunächst verunsichert viele Mittelständler die fehlende IT-Kompetenz − auch bei ihren Mitarbeitern. Somit sind sie weder in der Lage, die Möglichkeiten, die sich durch eine Digitalisierung für den eigenen Betrieb eröffnen, zu ergründen noch die Grenzen solch innovativer Möglichkeiten für sich auszuloten. Neben der IT beschäftigen den Mittelstand zudem die Datensicherheit und die Unsicherheit darüber, was die zukünftigen digitalen Standards sein werden.
DSZ: Vorstellbar ist, dass gerade kleinere Mittelständler eher zögern, weil sie meinen, bestimmte Technologien und Techniken würden nicht zur Kultur ihres mittelständischen Unternehmens passen − gegebenenfalls sogar Schaden anrichten?
Zeuner: Das stimmt − zum Teil. Aber das Zögern hängt nicht in jedem Fall mit der Größe des Unternehmens zusammen. So gibt es zum Beispiel in der Gastronomie viele − auch kleinere − Unternehmen, die sich einem Onlinelieferdienst anschließen. Das ist in der Gesamtschau − wie eingangs erwähnt − zwar eine recht kleine Investition, aber es ist ein digitales Geschäftsmodell, das − gemessen am Umsatz des Gastronomen − oft stark zu Buche schlägt. Zudem gibt es im Start-up-Bereich viele kleinere Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodel von vornherein digital antreten.
DSZ: Welche wesentlichen Vorteile ergeben sich für mittelständische Unternehmen durch die Digitalisierung?
Zeuner: Ein Vorteil ist sicherlich der Zugang zu völlig neuen Marktsegmenten. Unter anderem wird der Zugang zu Netzwerken ermöglicht, neue Vertriebskanäle können eröffnet werden und digital kann in "Echtzeit" mit Kunden und Lieferanten kommuniziert werden. Zudem wird es für die Mittelständler einfacher, sich in die Wertschöpfungsketten ihrer Kunden zu integrieren. Dies gilt vor allem für Dienstleister. Knapp zwei Drittel der mittelständischen Dienstleistungs- und Industrieunternehmen gehen davon aus, dass die Digitalisierung die Erschließung europäischer Absatz- und Beschaffungsmärkte erleichtern wird. 50 Prozent der Industrie- und 44 Prozent der Dienstleistungsunternehmen erwarten eine verstärkte Kooperation mit Unternehmen aus dem europäischen Ausland.
DSZ: Also kommt bei all den Vorteilen letztlich kein Unternehmer an der Digitalisierung vorbei – will er seine Wettbewerbsfähigkeit zumindest erhalten?
Zeuner: Zumindest würde ich sagen, dass kein Unternehmer daran vorbeikommt, die Chancen der Digitalisierung für das Unternehmen gegen die Kosten abzuwägen. Welche Bedeutung die Digitalisierung in der Zukunft für Wirtschaft und Gesellschaft haben wird, zeigt, dass sie zur vierten technischen Revolution erklärt worden ist.
DSZ: Eine nicht unwesentliche Rolle spielt die Finanzierung der Digitalisierung. Wie haben die Mittelständler ihre bisherigen Digitalisierungsschritte finanziert?
Zeuner: Nach unseren Untersuchungen werden die bisher überwiegend kleinen Volumina der Digitalisierungsvorhaben zu über drei Vierteln aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen finanziert.
DSZ: Die Kreditfinanzierung digitaler Projekte spielt keine größere Rolle?
Zeuner: Nein, im Moment spielen Bankkredite mit vier Prozent des Finanzierungsvolumens nur eine untergeordnete Rolle. Damit unterscheidet sich die Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben deutlich von der Finanzierung von Investitionen. Letztere laufen zu zirka 21 Prozent des Finanzierungsvolumens über Banken und nur zu 58 Prozent über laufende Einnahmen. Aber wenn die Volumina größer werden, dürfte auch der Finanzierungsbedarf steigen und Finanzierungen über Banken dürften mehr gefragt sein. Dann sollte auch das Thema Finanzierungshemmnisse an Bedeutung gewinnen.
DSZ: Weil es den Banken in der Frage der Finanzierung von Digitalisierungen an Erfahrung fehlt?
Zeuner: Ich hatte es eingangs schon angedeutet: Ähnlich wie bei Innovationsvorhaben bringt auch die Finanzierung digitaler Projekte ein erhöhtes Risiko mit sich. Und die Bewertung fällt externen Geldgebern besonders schwer. Bei der Digitalisierung fallen zudem vergleichsweise hohe Personal- und Vorleistungsaufwendungen an, die deutlich über den materiellen Investitionskosten liegen. Die Möglichkeiten, aus solchen Projekten den Geldgebern Sicherheiten zu stellen, sind gering, weshalb Banken sehr vorsichtig agieren werden.
DSZ: Und hier wird die KfW mit dem eingangs avisierten Förderprogramm für Digitalisierungen Hilfe leisten?
Zeuner: Ja, weil es − wie bereits gesagt − hier nicht um klassische Ausgaben im Zusammenhang mit Investitionen geht. Im Rahmen der Innovationsförderung und -finanzierung ist die Digitalisierung ein wesentliches Element. Es handelt sich um ein nicht standardisiertes Projekt, folglich bieten wir hier andere Hilfen als beim klassischen Unternehmerkredit, der auf einer Sachinvestition basiert, die Möglichkeiten der Besicherung bietet. Aber auch die Kreditinstitute müssen sich darauf einstellen, dass die Digitalisierung im Mittelstand zunehmen wird, damit sie ihn als bewährter Partner auch bei der Digitalisierung begleiten können.
DSZ: Schwieriger ist es in der Regel für Neuunternehmer, an Fremdkapital zu kommen?
Zeuner: Der Neustarter wird Schwierigkeiten haben und sich eher um Eigenkapital in Form von Beteiligungen bemühen müssen. Das ist generell eine Möglichkeit, sich Miteigentümer an Bord zu holen, wenn die Bank an ihre Grenzen stößt, man aber seine Idee dennoch gern wachsen lassen möchte.
DSZ: Ist die Digitalisierung bei flächendeckender Nutzung in der Lage, dem Land einen Investitionsschub zu verleihen, der das gesamtwirtschaftliche Wachstum längerfristig über die Marke von zwei Prozent zu treiben?
Zeuner: Das würde ich mir sehr wünschen, und es wäre auch wichtig, weil ab 2019/20 die Zahl der in Deutschland vorhandenen Arbeitskräfte rasch sinken wird. Da benötigen wir natürlich neue Wachstumsquellen. Aber ich glaube, dass von der Digitalisierung an sich eher kleinere Wachstumsimpulse kommen werden. Der größere Impuls muss aus den durch die Digitalisierung entstehenden neuen Prozessen kommen – aus der besseren Nutzung von Wissen, aus Skalenerträgen und aus geringeren Transaktionskosten. Dies ist die dauerhafte Wachstumsquelle, die wir erreichen müssen.   
DSZ: Wird sich der bereits lang anhaltende aber moderate gesamtwirtschaftliche Aufschwung fortsetzen?
Zeuner: Wir gehen für 2017 von einem konjunkturell guten Jahr aus. Die wirtschaftliche Erholung in den Schwellenländern stützt die deutsche Exportwirtschaft, die auch vom Euro profitiert, der alles andere als überbewertet ist. Vor allem aber erholen sich alle europäischen Volkswirtschaften, nachdem die Konsolidierung der Staatshaushalte − zunächst − deutlich an Gewicht verloren hat. Die Beschäftigung steigt in allen Ländern − wenn auch nur zögerlich. Im Inland sind die Zinsen anhaltend niedrig, wodurch die Nachfrage vor allem im Wohnungsbau weiter zulegen wird. Und der vergleichsweise gute Beschäftigungsstand stützt den Konsum. Also − auch im Inland überwiegen die Konjunkturtreiber.
DSZ: Und 2018?
Zeuner: Es ist durchaus möglich, dass sich der Aufschwung 2018 vorsichtiger fortsetzen wird – das hängt mit den Rahmenbedingungen zusammen. Sie werden unter anderem stark vom Brexit und der derzeit kaum einzuschätzenden Politik in den USA geprägt sein.
DSZ: Sie erwähnten den Zins als wirtschaftlichen Stimulus. Wie lange wird die EZB ihn noch auf niedrigstem Niveau halten können?
Zeuner: Im Moment sehe ich keinen Grund zu der Annahme, dass die EZB schon bald eine Leitzinserhöhung vornehmen wird. Das gilt umso mehr, als der Geldpolitik andere Maßnahmen − wie der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen – vorgeschaltet sind, die zuerst heruntergefahren werden dürften, bevor der Leitzins angehoben wird.
DSZ: Aber die Zeichen mehren sich, die nach einer eher restriktiven Zinspolitik der EZB verlangen: Ein anhaltender − wenn auch moderater − Zinsanstieg am Kapitalmarkt, eine sich insgesamt deutlich verbessernde Konjunktur im Euroraum mit einhergehenden steigenden Inflationsraten sowie anziehende Zinsen in den USA. Könnte die EZB nicht doch gezwungen werden, ihre Geldpolitik − schneller als heute noch erwartet − zu überdenken?
Zeuner: Ich würde es begrüßen, denn das wäre ein Prozess in Richtung Normalisierung.
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