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Bildung ist bester Nachhaltigkeitsgarant

Die Sparkassen haben angesichts des Klimawandels bekräftigt, sich als nachhaltige Kreditinstitute an der Seite ihrer lokalen Bürgerschaft zu engagieren. Das Forum "Geld und Haushalt" im Berliner Sparkassenhaus stand in diesem Jahr deswegen komplett im Zeichen der Nachhaltigkeit.

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Geschäftsführendes DSGV-Vorstandsmitglied Karl-Peter Schackmann-Fallis: Die Herausforderungen, angesichts der Klimakrise nachhaltiger zu wirtschaften, steigen auch für die Sparkassen. © Himsel

Mit den Beschlüssen der UN-Klimakonferenz von Paris 2015 habe sich die Weltgemeinschaft darauf verständigt, "dass Umwelt und Verteilungsgerechtigkeit uns alle angeht", sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), auf dem Forum "Geld und Haushalt" im Berliner Sparkassenhaus. Durch den Ausstieg der USA aus dieser Vereinbarung unter der Regierung von Donald Trump sei der Handlungsdruck für alle größer geworden, so Schackmann-Fallis.

"Die Sparkassen vertreten mit ihrem Geschäftsmodell eine Form des wirtschaftlichen Miteinanders, die generationenübergreifend denkt und handelt", so Schackmann-Fallis. Nachhaltigkeit sei dabei ein Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Sparkassen würden sich durch ihre regionale Verankerung vor der lokalen Bürgerschaft verantworten, fügte er hinzu. Deswegen hätten die Sparkassen ein ureigenes Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung.

 
DSGV-Präsident Helmut Schleweis: Pflichtvorgaben von Politik und Regulierern werden nicht das Bewusstsein der Menschen ändern, Bildung dagegen schon. © Himsel

Sparkassen und Landesbanken seien heute bereits die wichtigsten Finanzierer für Projekte der Energiewende, sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis. Er warnte allerdings davor, dass durch Regulierung und Berichtspflichten eine nachhaltige "Planwirtschaft" verordnet werde. Das werde nicht funktionieren. Die Menschen sollten durch finanzielle Bildung in die Lage versetzt werden, selbst gute, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Deswegen engagiere sich die Sparkassen-Finanzgruppe im Bereich der Verbraucherbildung mit ihrem Dienst "Geld und Haushalt".

"Bildung ist der beste Verbraucherschutz und der beste Garant für Nachhaltigkeit", sagte Gastredner Michael Meister, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, als Gastredner des Forums. Deswegen seien die Bemühungen des Ministeriums für eine bessere digitale Infrastruktur ein Beitrag dazu, hier Verbesserungen zu erreichen.

 
Staatssekretät Michael Meister: Bildung ist die beste Garantie für nachhaltiges Verhalten und der beste Verbraucherschutz. © Himsel

Mehr Engagement verlangten Vertreter der Verbraucherverbände. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, zitierte Kritik aus der Finanzindustrie, dass der kurzfristige Horizont die Branche behindere. Mit dem Blick auf Quartalsberichte würden die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels nicht ausreichend wahrgenommen.

Die Sparkassen könnten hier zum Vorreiter des gesellschaftlichen Wandels werden, indem sie nachhaltige Finanzierungen in ihren Regionen noch stärker finanzieren. Dabei verwies Bals auf das sehr unterschiedliche Engagement der einzelnen Sparkassen, die noch zu oft das Thema Nachhaltigkeit vernachlässigten. Dabei würden viele zukunftsweisende Veränderungen etwa im Bereich der Energieversorgung dezentral stattfinden, was wiederum eine Chance für Sparkassen sei, hier aktiv zu werden.

 
Nachhaltige Geldanlage wird für immer mehr Sparkassen und deren Kunden ein wichtiges Thema bei der Finanzplanung. © Himsel

Die Vertriebschancen für Sparkassen im Bereich nachhaltiger Geldanlagen betonte auch Professor Christian Klein, dessen Forschungsschwerpunkt an der Universität Kassel Nachhaltige Finanzwirtschaft ist. Mehr als ein Viertel der Privatanleger seien laut einer von ihm durchgeführten repräsentativen Studie an nachhaltigen Geldanlagen interessiert, hätten aber selbst noch keine entsprechenden Produkte. Die Sparkassen gehörten dabei zu den Kreditinstituten, die am meisten Glaubwürdigkeit besäßen, das Geld der Kunden nach entsprechenden Kriterien anzulegen, verwies Klein auf ein weiteres Ergebnis der Studie.

Ein Problem seien allerdings die oft noch vagen und teils sehr unterschiedlichen Kriterien, nach denen etwa Nachhaltigkeitsfonds investieren, gab Klein zu bedenken. Hier sei Aufklärung der Anleger gefragt. Dennoch würden viele Kunden erwarten, dass ihre Sparkasse sie auf nachhaltige Finanzprodukte anspreche. Im Zuge künftiger Regulierungen würde die Beratung zu nachhaltigen Produkten Pflicht werden, deswegen wäre es problematisch, wenn Berater hier nicht gut informiert seien.

Volker Weber, Vorstandschef des Forums Nachhaltige Geldanlagen, forderte die Sparkassen auf, ihre Anstrengungen zu intensivieren. Die Etablierung vermögensverwaltender Fondsprodukte wie Deka Struktur habe gezeigt, dass die Sparkassen-Finanzgruppe selbst den Vertrieb der Produkte in entscheidendem Maße steuern könne. Das sei im Fall nachhaltiger Finanzprodukte ebenfalls nötig und angebracht.