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| Sparkassen-Finanzgruppe

Trauer um Helmut Geiger

Helmut Geiger, von 1972 bis 1993 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), ist im Alter von 91 Jahren in Berlin verstorben.

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„Helmut Geiger war mit Leib und Seele Anwalt der Sparer und der Sparkassen“, sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis. „Unter seiner Ägide fand nach der Maueröffnung die Wiedervereinigung der deutschen Sparkassen statt. Sein Lebenswerk ist vielseitig, umfangreich und herausragend. Mit Helmut Geigers Tod verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit.“

Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Michael Ermrich, würdigte Geiger als für das Sparkassenwesen in Ostdeutschland prägende Persönlichkeit. "Helmut Geiger war nach der Wiedervereinigung zuverlässiger Partner, Ratgeber und Freund bei der Entwicklung kommunalgetragener Sparkassen in Ostdeutschland. Er hat die Wiedervereinigung und die Neuausrichtung des Sparkassenwesens in Ostdeutschland ernst genommen und zu seinem Anliegen gemacht."

Geiger habe auf die Stärke und die Kompetenz der Sparkassenmitarbeiter vertraut. "Der gelungene und rasche Aufbau eines einheitlichen Sparkassenwesens in West- und Ostdeutschland ist vor allem sein Verdienst", so Ermrich weiter. Geiger habe dafür gesorgt, dass im Februar 1990 ein an den Landkreis- und Stadtstrukturen ausgerichtetes Betreuungskonzept umgesetzt wurde und west- und ostdeutsche Sparkassen Partnerschaften aufnahmen.

"Er hat fest an die Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Sparkassen geglaubt, was 1990 nicht selbstverständlich war. Wenn die OSV-Sparkassen seit Jahren in der Spitzengruppe der Sparkassenorganisation sind, hat Dr. Helmut Geiger dafür die Grundlage gelegt. Wir waren, sind und bleiben ihm dankbar", sagte Ermrich.

Geiger war über Jahrzehnte hinweg "Mister Sparkasse", das bundesweit bekannte Gesicht der Sparkassen in der Öffentlichkeit. Von Mitte der 1960er Jahre bis in die Neunziger hinein war er ihre Stimme, die in der "großen" Politik ebenso Gehör fand wie beim Kleinsparer. Dabei half ihm seine Gabe, auch komplexe wirtschafts- und finanzpolitische Zusammenhänge lebensnah und verständlich erklären zu können. Das machte ihn zu einem beliebten Ansprechpartner bei den Medien - auch bei solchen, die sich an das ganz breite Publikum wenden.

 
1972: Der neue Sparkassenpräsident Helmut Geiger im Gespräch bei Bundeskanzler Willy Brandt. © DSGV

Diese stetige Präsenz brachte ihm den Ruf eines "Anwalts der Sparer" ein, wie der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl es einmal formulierte. In einer Umfrage im Jahr 1988 kürten Journalisten und Bundestagsabgeordnete Geiger zum "bekanntesten und besonders kompetenten" Repräsentanten der deutschen Kreditwirtschaft.

Als DSGV-Präsident wirkte Geiger nicht nur nach außen, sondern auch in die Gruppe hinein. Das umfasste viele Themen, die auch heute hochaktuell sind. So modernisierte er die Gruppe und legte ineffiziente Strukturen im Verbund offen. So verfolgte er bereits 1989 das Ziel, die Zahl der Landesbanken auf im Bestfall eine, realistischerweise auf drei bis vier zu reduzieren.

Allerdings rückte in genau jenem Jahr 1989 schlagartig ein anderes Thema in den Fokus - die deutsche Einheit. Nach dem Fall der Berliner Mauer ging Geiger daran, das Sparkassenwesen in Ost- und Westdeutschland zusammenzuführen. Heute schwer vorstellbar: Es gab damals im Westen Stimmen, die eine Verbindung mit den DDR-Sparkassen grundsätzlich infrage stellten.

Vordringlich organisierte der damalige DSGV-Präsident eine Solidaraktion der westdeutschen Sparkassen für die Sparkassen in der DDR. Bereits im Februar 1990 wurde ein regional ausgerichtetes Betreuungskonzept beschlossen, nach dem West-Sparkassen flächendeckend Partnerschaften zu ihre ostdeutschen "Schwestern" aufnahmen.

Unterstützung bei D-Mark-Einführung

Mit Unterstützung aus dem Westen stemmten die ostdeutschen Sparkassen die Währungsumstellung fast im Alleingang: Die Konten von 14 Millionen Bürgern wurden zum 1. Juli 1990 von Ost-Mark auf D-Mark umgestellt, womit rund 90 Prozent der erforderlichen Arbeiten zur Währungsumstellung geleistet wurden. Es gilt als wesentliches Mitverdienst Geigers, die organisatorischen, technischen und personellen Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben.

Geiger blickte in der europäischen Umbruchszeit auch über die Grenzen der damaligen DDR hinaus: Bereits 1990 nahm er Kontakt mit den damaligen Staatssparkassen Polens und Ungarns auf und unterstützte sie bei ihrem Beitritt in die Europäische Sparkassenvereinigung, im Jahr darauf die tschechische und die slowakische Staatssparkasse.

Auf Anregung Geigers beschloss die Mitgliederversammlung des DSGV 1991 die Gründung der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation in Bonn, deren entwicklungspolitischer Schwerpunkt zunächst auf Osteuropa lag. Mittlerweile blickt die Sparkassenstiftung auf weit über 200 langfristige Projekte in mehr als 90 Ländern zurück, rund 2000 Mitarbeiter aus deutschen Sparkassen haben bisher in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv an der Verbesserung der Lebensbedingungen mitgewirkt. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkassenstiftung, Heinrich Haasis, bekundet: „Ohne Helmut Geiger gäbe es die Sparkassenstiftung nicht. Wir und viele Menschen in aller Welt haben ihm viel zu verdanken.“ Geiger habe das Erfolgsmodell Sparkasse in alle Welt getragen.

Geboren wurde Helmut Geiger am 12. Juni 1928 in Nürnberg. Nach den Kriegswirren und französischer Kriegsgefangenschaft studierte er Jura und Volkswirtschaft. Es folgten Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag und als Anwaltsassessor, ehe der Mittelfranke 1959 Geschäftsführer der Geschäftsstelle Öffentliche Bausparkassen beim DSGV in Bonn wurde. 1966 wurde Geiger Hauptgeschäftsführer beim DSGV, von 1972 bis 1993 war er (erster hauptamtlicher) DSGV-Präsident.

Anschließend (bis 1998) war Geiger Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation und von 1985 bis 1999 Präsident der Deutschen Krebshilfe. Zu den zahlreichen Ehrungen Geigers gehören die Ehrendoktorwürde der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und das Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

Geiger starb am 11. Januar in Berlin.