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09. Februar 2018 - 07:00Firmenkunden

Marihuana auf Rezept

von Gregory Lipinski

Seit März vergangenen Jahres ist der Anbau von Cannabis für medizinische Zwecke in Deutschland erlaubt. Die Firma Nuuvera will deshalb in Schleswig-Holstein eine eigene Herstellung und ein Forschungszentrum aufbauen. Als Partner an Bord ist die Hamburger Sparkasse.

Hanf gilt als eine der ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Sie wird als Heil- und als Rauschmittel verwendet. (Nuuvera)
Hendrik Knopp, Geschäftsführer der Nuuvera Deutschland GmbH, hat ehrgeizige Pläne. Der Firmenchef plant, medizinisches Cannabis herzustellen, das umgangssprachlich auch als Haschisch oder Marihuana bekannt ist. Als Standort hat er hierfür das schleswig-holsteinische Bad Bramstedt im Visier. Finanzpartner ist die Hamburger Sparkasse. "Wir wollen langfristig rund 30 Millionen Euro in den Aufbau einer eigenen Produktion und Vertriebsstruktur für Cannabis investieren und können uns gut vorstellen, hierfür auch die Hamburger Sparkasse als Finanzpartner an Bord zu holen", erklärt Knopp gegenüber dem Managermagazin SPARKASSE.

Dass der zugelassene Rechtsanwalt die Haspa als Bankpartner ausgewählt hat, liegt vor allem an der privaten Verbundenheit zu der norddeutschen Sparkasse. "Als Jurastudent habe ich jahrelang die Vorteile des Joker-Programms der Haspa genossen. Zudem ist die Hamburger Sparkasse schnell und unkompliziert, wenn es um Bankgeschäfte geht", erklärt Knopp. Der gebürtige Hamburger leitet seit Anfang vergangenen Jahres den Deutschlandableger der Nuuvera Corporation aus dem kanadischen Toronto. Zuvor war der 46-Jährige für das Sportwetten-Unternehmen Bwin tätig.
Dass Nuuvera in Deutschland Wurzeln schlägt, liegt an neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen: Seit Anfang März vergangenen Jahres ist es Firmen hierzulande gesetzlich erlaubt, Cannabis aus medizinischen Gründen anzubauen. Deshalb will Knopp in Norddeutschland mit einer eigenen Fertigung Fuß fassen. Dazu bemüht er sich um eine entsprechende Lizenz, die europaweit ausgeschrieben wurde. Wer hierfür den Zuschlag erhält, entscheidet im März das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte − kurz BfArM. "Der im Vergabeverfahren erfolgreiche Bieter wird in die Lage versetzt, eine Menge von bis zu 6000 Kilo Cannabis in Deutschland anzubauen, weiterzuverarbeiten, zu lagern, zu verpacken und zu liefern. Zum Anbau, Konzeption und potenziellem Standort sollen alle Bieter bereits im Vergabeverfahren detaillierte Angaben machen. Wegen des vergaberechtlichen Geheimwettbewerbs bleibt bislang im Einzelnen unklar, welche Unternehmen sich an der Ausschreibung beteiligt haben", erläutert Knopp. Mittlerweile habe das BfArM aber zehn von ursprünglich mehr als hundert interessierten Bewerbern zur Abgabe eines Angebots im Vergabeverfahren aufgefordert. Die Nuuvera Deutschland GmbH sei "sehr am Ausgang des Vergabeverfahrens interessiert und sieht gute Chancen auf einen positiven Bescheid", betont der Firmenchef.  
Sollte Nuuvera keinen Zuschlag erhalten, ist dies kein Beinbruch. In diesem Fall würde sich die norddeutsche Gesellschaft auf den Import und den Aufbau eines flächendeckenden Vertriebsnetzes konzentrieren. Denn bislang liefert die Nuuvera Corporation das Naturprodukt per Luftfracht nach Deutschland. Doch der Transport ist aufwendig. "Cannabis muss bei einer konstanten Temperatur transportiert werden. Bei starken Temperaturschwankungen drohen dem Naturprodukt erhebliche Qualitätseinbußen", weiß der Manager. Deshalb verarbeitet der Mutterkonzern das Naturprodukt zum Teil auch zu Öl, das über die Haut oder die Mundschleimhäute aufgenommen wird. Der Vorteil von Öl: Die THC-Werte bleiben stabil, die für die medizinische Anwendung notwendig sind.

Hanfanbau ist aufwendig und teuer

Hendrik Knopp, Geschäftsführer der Nuuvera Deutschland GmbH, nennt die Zucht der sensiblen Pflanzen "ein sehr kapitalintensives Geschäft". (Nuuvera)
Die Aufzucht der Pflanze in so genannten Indoor-Plantagen, die vom Tageslicht strikt abgeschottet sind, ist sehr aufwendig und teuer. "Es ist ein sehr kapitalintensives Geschäft, da bei der Produktion des medizinischen Cannabis die hohen Anforderungen wie bei der Herstellung von Medikamenten gelten", erklärt der Unternehmenslenker. Zudem können kleinste Abweichungen bei der Beleuchtung, der Wasserzufuhr oder der Temperatur dazu führen, dass die sensible Pflanze nicht richtig gedeiht. Dies macht sich dann in der Qualität bemerkbar. Um zudem verlässliche Wirkstoffwerte für die medizinische Anwendung zu erhalten, hat Nuuvera eine Mutterpflanze geklont. Sie weist exakt die gleichen Gene auf und liefert einen konstanten THC-Wert, der für den medizinischen Einsatz notwendig ist.
Generell wird Cannabis dort eingesetzt, wo Opiate verschrieben werden, also in der Schmerztherapie. Dabei hat das Naturprodukt einen Vorteil gegenüber anderen Medikamenten: Die Patienten werden durch die Einnahme von Cannabis körperlich nicht abhängig. Weitere Anwendungsfelder sind weitestgehend unerforscht. Vielfach wird medizinisches Cannabis eingesetzt, um Spastiken, Multiple Sklerose, das Tourette-Syndrom, Übelkeit, Erbrechen und chronische Schmerzen zu behandeln. Noch streiten sich Fachärzte und Wissenschaftler darüber, ob der Wirkstoff der Pflanze auch gegen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei HIV-Aids, Schizophrenie, Parkinson, Epilepsie, Kopfschmerzen oder gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen helfen kann. Daher plant Knoop, selbst Forschung zu betreiben. "Wir wollen ein Forschungszentrum errichten und Forschungsinitiativen unterstützen, um verlässliche Daten zu ermitteln, wofür Cannabis in der Medizin eingesetzt werden kann", unterstreicht der Deutschlandchef. Bislang verordnen die Ärzte das Pflanzenextrakt nur bei Patienten, wenn eine "schwerwiegende Erkrankung" vorliegt. Was allerdings schwerwiegend heißt, wird nicht genau definiert.
Ob Patienten Cannabis einnehmen dürfen, liegt auch an den Krankenkassen. Sie müssen genehmigen, ob die Apotheken das Arzneimittel auf Rezept herausgeben. "Im vergangenen Jahr haben die Krankenkassen rund zwei Drittel der Rezepte von Ärzten genehmigt, die medizinisches Cannabis verschrieben haben", so Knopp. Derzeit sind es zwischen 10 000 und 20 000 Patienten, langfristig dürfte die Zahl deutlich steigen. Dies hänge vor allem davon ab, welche Anwendungsfelder die Ärzte akzeptieren.

Geld vom Aktienmarkt für den Massenmarkt

Auch in Kanada will die Nuuvera Corporation hoch hinaus. Hier steht die Gesellschaft kurz vor dem Sprung an die Börse von Toronto. Die Aktienplatzierung soll der Gesellschaft rund 200 Millionen kanadische Dollar in die Firmenkasse spülen. Mit dem Geld will die Gesellschaft ihre Produktionskapazitäten ausweiten, um den aufstrebenden Massenmarkt zu erobern. Denn das nordamerikanische Land hat sich entschieden, Cannabis zu legalisieren. "In Kanada kann die erwachsene Bevölkerung Cannabis ab Mitte des Jahres in den meisten Provinzen in lizenzierten Abgabestellen frei verkäuflich erwerben", betont der Geschäftsmann. Kanada ist nicht das einzige Land. Auch in den Vereinigten Staaten öffnet sich der legale Markt für Marihuana. So ist es seit Januar 2018 in Kalifornien gesetzlich erlaubt, Cannabis legal zu kaufen. Branchenexperten gehen davon aus, dass hierdurch ein milliardenschwerer Markt aufblüht. Davon könnte auch die Staatskasse profitieren, die auf die Produkte eine 15-prozentigen Steuer erhebt.
Kalifornien ist nach Colorado, Washington, Oregon, Alaska und Nevada bereits der sechste und mit 39,5 Millionen Menschen der mit Abstand größte Bundesstaat, der die Droge legalisiert hat. Andere Bundesstaaten wie Massachusetts oder Maine sollen im Laufe des Jahres folgen. Damit entsteht in den USA schlagartig ein neuer Markt, der hohe Wachstumsraten verspricht. Während bereits das Branchenvolumen für medizinisches Cannabis von fünf bis sechs Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf bis zu 17 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 anschwellen soll, würde das Wachstum bei einer landesweiten Legalisierung des Naturprodukts um ein Vielfaches höher liegen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte hier das Marktvolumen langfristig auf 35 bis 45 Milliarden Euro klettern. Breite Teile der amerikanischen Bevölkerung sprechen sich dafür aus, den Verkauf von Marihuana zu erlauben. Laut einer bundesweiten Umfrage von CBS News sind mehr als 60 Prozent der befragten US-Bürger dafür, den Absatz von Cannabis gesetzlich zu erlauben. Dass die Amerikaner dafür stimmen, ist verständlich. Sie hoffen dadurch, die grassierenden Schwarzmarktgeschäfte einzudämmen. Und damit auch den einhergehenden Handel mit härteren Drogen. Denn viele Straßendealer nutzen den Verkauf von Marihuana als Einstieg, um ihre Kunden an andere und gefährliche Suchtstoffe wie Crack oder Ecstasy heranzuführen.

Viele potenzielle Partner zucken noch zurück

Noch steht die Marihuana-Industrie in den USA aber vor großen Problemen: Zwar geben immer mehr Bundesstaaten ihr OK für den Verkauf der Pflanze. Trotzdem bleibt Cannabis nach dem Bundesgesetz verboten. Dies stellt die Unternehmen vor rechtliche Hürden und Risiken. Banken, Versicherer und Finanzdienstleister scheuen angesichts des Verbots auf Bundesebene Geschäfte mit der Branche. Dadurch sind die Unternehmen gezwungen, den legalen Handel mit Cannabis größtenteils in bar abzuwickeln. Das erfordert teure Sicherheitsdienste, Tresore und Geldtransporter. In den USA schlagen daher Experten vor, eine eigene "Cannabis-Bank" für die wachsende Branche zu gründen. Dadurch könnten die Firmen die Probleme umgehen.
Während immer mehr US-Bundesstaaten den freien Verkauf von Marihuana gesetzlich erlauben, wird sich in Deutschland der Verkauf vorerst weiter auf medizinisches Cannabis beschränken. Denn es gibt keine Anzeichen, dass die Bundesregierung den Markt weiter öffnen will. Dennoch geht Knopp davon, dass auch in Deutschland langfristig Cannabis langfristig legalisiert wird. Damit könnte der Bund dem illegalen Handel mit Marihuana Einhalt gebieten, der Milliardenhöhen erreicht. Knoop: "Wir begrüßen es, wenn es eine Gesellschaft schafft, den Umgang mit Cannabis verantwortungsvoll zu regeln. Sie sollte darauf achten, dass die Abgabe kontrolliert erfolgt und der Jugendschutz strikt eingehalten wird."
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