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| Onlinebanken – Debatte/mit Umfrage

„Uns Sparkassen reicht ein starker Dienstleister“

Am Ende entscheiden die Eigentümer: Führungskräfte aus dem Verbund äußern sich zum Reizthema Sparkassen-Online-Bank.

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Eine schon ältere Diskussion ist wieder aufgeflammt. Laut Bundesobmann Walter Strohmaier gibt es in der Sparkassen-Finanzgruppe „zahlreiche Stimmen, die sich eine bundesweite Online-Bank der Sparkassen wünschen“. Das zeigten unterschiedlichste Medienrecherchen, „und das ist mir in den vergangenen Tagen in Form zahlreicher Rückmeldungen von Sparkassenvorständen auch so bestätigt worden“, sagt Strohmaier der SparkassenZeitung.

 
„Zahlreiche Rückmeldungen von Sparkassenvorständen“: Bundesobmann Walter Strohmaier zum Thema Online-Bank. © Darchinger

Das „Handelsblatt“ hatte einen Bericht mit Zitaten Strohmaiers veröffentlicht. Im dem Gespräch sei auch das Thema einer bundesweiten Online-Bank angesprochen worden, sagt Strohmaier. Er habe diese Online-Bank zwar „nicht grundsätzlich gefordert“, doch er könne „diese Gedanken sehr gut verstehen, weil sich die Welt verändert hat und permanent weiterentwickelt“. Die Wettbewerbsentwicklung gefalle auch ihm nicht, sie sei aber nicht aufzuhalten. Es stelle sich daher die Frage, ob am derzeitigen Zustand etwas zu verbessern sei.

Der derzeitige Zustand sieht so aus, dass die beiden Online-Banken in der Sparkassen-Finanzgruppe, DKB und 1822direkt, ihren Gründern viel Freude machen. Die Deutsche Kreditbank (DKB) war von der BayernLB 1995 erworben worden. Die 1822direkt ist eine vor 20 Jahren von der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) gegründete Direktbank. Beide Verbundunternehmen haben seitdem mit ihren Töchtern Weitblick und Geschäftssinn bewiesen. Die Frage nach einer zentralen Online-Bank für die Sparkassen-Finanzgruppe ist aber seitdem offen und wird bis heute mit zurzeit wieder wachsender Intensität diskutiert. Das bestätigte nach Medienanfragen auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband: „Die Frage eines erweiterten Direktbankenangebotes ist eine Frage, die sich aus Kundensicht für die Gruppe stellt. Die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen.“

 
„Zweitgrößte Direktbank nach der ING“: BayernLB-Vizechef Edgar Zoller über die Online-Tochter DKB. © Landesbank

Die BayernLB sieht sich − auch in Bezug auf ihre Online-Bank − begreiflicherweise in einer Position der Stärke: „Die DKB, die sich zu Deutschlands zweitgrößter Direktbank nach der ING gemausert hat, soll im Inland wachsen“, erklärte BayernLB-Vizechef Edgar Zoller bei der Bilanzpressekonferenz im März. Die DKB habe ihr Vorsteuerergebnis im Jahr 2018 um 45 Millionen Euro auf 317 Millionen Euro gesteigert: „Die Bank ist in Deutschland basiert, und da ist jetzt keine strategische Veränderung beschlossen oder angedacht“, antwortete Zoller auf eine Journalistenfrage, ob die DKB ins Ausland expandieren werde.

 
„Sind mit Entwicklung unserer Tochter sehr zufrieden“: Fraspa-Chef Robert Restani über die 1822direkt. © Sparkasse

Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse, sieht sein Haus dank 1822direkt ebenfalls gestärkt und hält sich beim Thema Online-Verbundbank eher bedeckt: Die Frankfurter Sparkasse habe bereits vor zwei Dekaden „ein gutes Gespür für die Potenziale einer Direktbank bewiesen. Mit der Entwicklung unserer Tochter sind wir sehr zufrieden und sehen daher momentan keinen Bedarf, am Status quo etwas zu ändern“. Die Fraspa sei „ein dezentral organisierter und persönlicher Ansprechpartner vor Ort, der über alle Kanäle erreichbar ist. Das erübrigt aus meiner Sicht ein Stück weit die Frage nach einer Online-Verbundbank“. Es sei aber wichtig, dass sich der Verbund weiterhin mit den Auswirkungen der raschen Digitalisierung auf das Geschäftsmodell der Sparkassen auseinandersetze. Die Sparkassen-App sei sehr erfolgreich. „Welche Schritte darüber hinaus erforderlich sind, werden wir in der Gruppe auch weiterhin intensiv diskutieren“, sagt Restani: „Wir sollten offen sein für Veränderungen.“

Bundesobmann Strohmaier zeigt sich „völlig davon überzeugt, dass die Sparkassen auch in der digitalisierten Welt eine erfolgreiche Zukunft haben, aber „vielleicht nur dann, wenn wir die erforderliche Energie in die Konsolidierung unserer Verbundorganisation tatsächlich investieren wollen“. Ein „ganz entscheidender Anfang“ könnte mit dem von DSGV-Präsident Helmut Schleweis erwähnten Zentralinstitut der Sparkassen gelingen: „Uns Sparkassen reicht ein starker Dienstleister, der in erster Linie auf uns Sparkassen ausgerichtet ist.“ Eine Konsolidierung unter grundsätzlich gleichen Geschäftsmodellen sei betriebswirtschaftlich sinnvoller als gegenseitiger Wettbewerb, „das gilt für Landesbanken genauso wie für Direktbanken, Bausparkassen, Versicherer“. Im Übrigen liege die Entscheidungskompetenz bei den jeweiligen Eigentümern.