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| IfW-Interview / mit Umfrage

„Wir sollten Trump dankbar sein"

Das Freihandelsabkommen mit den USA ist tot, und der Handelskrieg mit China eskaliert. Dennoch lobt IfW-Präsident Gabriel Felbermayr Maßnahmen des US-Präsidenten, die teils auch positiv für Deutschland seien.

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Provokant und lesenswert sind die Aussagen Felbermayrs in dem ausführlichen Interview zur Entwicklung aktueller wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Tendenzen. Wir haben die wichtigsten sechs Aussagen hier für Sie zusammengefasst.

 
In Europa herrscht viel Skepsis gegenüber US-Präsident Donald Trump - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (hier beim G-20-Treffen) hält ihre Distanz. Doch nicht alles auf Trumps Agenda ist so schlecht, wie es vielen scheint. © dpa
  1. Ende des Freihandels steigert die Armut. Nach Lehman- und Schuldenkrise sehen sich Teile der Gesellschaft vom wirtschaftlichen Erfolg der Globalisierung ausgeschlossen. Protektionismus populistischer Regierungen sei die Folge und der Rückgang des Freihandels führe zu einer Zunahme globaler Armut, die bereits jetzt sichtbar sei, sagt Felbermayr.

  2. „Das TTIP-Abkommen ist tot.“ Felbermayr sieht keine Chancen mehr, das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) noch auf den Weg zu bringen. Daran trügen die „Europäer mindestens genau so viel Schuld wie die Amerikaner“. Frankreich verweigere etwa der EU-Kommission ein Verhandlungsmandat, um mit den USA über Industriezölle zu reden.

  3. Trumps Handelsstreitigkeiten sind erfolgreich. Trump habe das Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada neu verhandelt, selbst wenn es nicht verbessert wurde, sei die Neuverhandlung an sich ein Erfolg, meint der IfW-Chef. Ähnliches passiere mit den Handelsabkommen mit Korea und Japan. Nicht zuletzt sieht er Trump und die USA keineswegs auf der Verliererstraße im Konflikt mit China.

  4. Europäer werden vom Handelskrieg mit China profitieren. Felbermayr hat vor allem Lob für den Handelskrieg, den Trump mit China angezettelt hat. „Eigentlich sollten wir Europäer Trump dankbar sein, dass er diesen Handelskrieg gegen China führt“, sagt der IfW-Präsident. Sollte es Trump gelingen, dass China sich dem freien Markt öffne, würden die Europäer als Trittbrettfahrer ebenfalls profitieren.

  5. Der Euro hat geldpolitisch versagt. Die hohe Verschuldung im südlichen Euro-Raum habe gezeigt, dass die Gemeinschaftswährung zwar handelspolitisch funktioniere, aber in der Geldpolitik gescheitert sei. Der Euro werde deswegen auch international nicht als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten gesehen, so Felbermayr.

  6. Freihandel kann mit Klimafragen gekoppelt werden. Umweltfragen können durchaus sinnvoler Teil von Freihandelsabkommen sein, meint Felbermayr. Bestes Beispiel sei das Abkommen von EU und Südamerika, was dazu geführt habe, dass Brasiliens populistischer Präsident Bolsonaro dem Pariser Klimaschutzabkommen treu bleibt.

⇒ „Trump ist erfolgreicher als wir denken“ Den Fortgang im Zwist von Protektionisten und Freihandelsbefürwortern beleuchtet Professor Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW),im DSZ-Interview.