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Coronakrise
„Wir sind da. Wir erfüllen unsere Aufgabe.“
„Mit Corona hat sich der Alltag in den Sparkassen und in den Familien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark verändert. Die große Herausforderung können wir nur gemeinsam meistern“, sagt DSGV-Präsident Helmut Schleweis.

DSZ: Herr Schleweis, Unternehmenskunden wollen Soforthilfe. Wertpapierkunden sorgen sich um ihre Depots. Über Nacht müssen Informationen verarbeitet und Abläufe umgestellt werden. Was ist im Moment das Wichtigste in den Sparkassen?

Helmut Schleweis: Das Wichtigste ist die Gesundheit der Menschen. Das gilt in den Sparkassen, in allen Instituten der Gruppe und natürlich landesweit. Die dazu von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen unterstützen wir, auch wenn es den Arbeitsalltag im Moment zusätzlich kompliziert macht. Aber natürlich müssen die Sparkassen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten. Denn in den nächsten Wochen kommt es auf uns Sparkassen entscheidend an.

Für viele Menschen ist die Situation dennoch unübersichtlich. Was sagen Sie denen?

Unser Leben hat sich binnen weniger Tage komplett gewandelt. Wir sind aus einem vergleichsweise sorgenfreien Leben in die größte Herausforderung der letzten 70 Jahre katapultiert worden. Beruflich und privat hat sich viel verändert. Die Lage ist ungewohnt und Informationsstände ändern sich rasend schnell.

Aber klar ist auch: Die Sparkassen sind neben den Genossenschaftsbanken die wohl wichtigsten Anlaufstellen für alle Gewerbetreibenden und Unternehmen, die jetzt Liquidität zum wirtschaftlichen Überleben brauchen. Das ist jetzt unsere wichtigste Aufgabe.

Und nicht zuletzt sichern die Sparkassen den Zugang zu Bargeld, bleiben trotz teilweise nicht mehr zugänglicher Filialen für die Menschen erreichbar und stellen die kreditwirtschaftliche Infrastruktur, insbesondere den Zahlungsverkehr in Deutschland sicher. Kurz gesagt: Wir sind da. Wir erfüllen unsere Aufgabe. Und jeder kann es sehen.

 

Ihr persönlicher Kommentar?

In der Krise wächst das Gemeinsame. Wir können gemeinsam stolz auf das sein, was jetzt in allen Teilen der Gruppe geleistet wird. Wir erkennen, was wir können. Wir tun es. Und vor allem tun wir es gemeinsam. Weil es eben nur gemeinsam möglich ist. Das in diesen schwierigen Zeiten zu sehen, tut gut.


Die Soforthilfen der KfW und der Landesförderinstitute laufen zum Großteil über Sparkassen. Die Berater stehen gerade mitten im Sturm. Wie sollen die das schaffen?

Viele Unternehmen bangen um ihre Existenz. Es sind auch Fehlinformationen im Netz unterwegs. Und es wird Antragsteller geben, die wir ablehnen müssen – weil sie entweder keine Sparkassenkunden sind oder weil sie nach den Regeln der staatlichen Programme keinen Anspruch auf Hilfen haben.

Wichtig ist, sich innerlich darauf einzustellen, dass wir es auf absehbare Zeit mit starken Emotionen zu tun bekommen. Wir wollen bei den Menschen sein,  nach Kräften helfen – aber eben auch professionell unsere Arbeit machen.


Wichtig ist im Moment eine schnelle, möglichst einheitliche Information in die Häuser hinein. Wie wird das organisiert?

Wir arbeiten sehr eng zusammen. Mehrmals täglich sind alle Verbände, zentralen Dienstleister der Gruppe und Sparkassenvertreter in Video-Calls zusammengeschaltet, um schnell Lösungen für auftretende Probleme zu finden. Und das gelingt meist innerhalb weniger Stunden.

Der Newsroom der Sparkassen-Finanzgruppe bündelt die Krisenkommunikation und die Sachinformationen. Hier schließen wir uns virtuell mit den Verbänden und Verbundunternehmen kurz und entwickeln Argumentationen für die externe Kommunikation.

Wir haben rund um die Uhr das Ohr in allen Kommunikationskanälen – besonders in den sozialen Netzwerken, die für uns auch Frühindikator für aufkommende Themen sind. 


Eine zentrale Kommunikation in die Institute, bis hin zu den Beratern – gibt es das auch?

Das beschleunigt sich derzeit gerade. Die Regionalverbände haben dazu binnen Tagen eine neue technische Lösung gebaut. Das Ziel ist, bereits in wenigen Tagen in Echtzeit die Fachinformationen bei den Beratern in den Sparkassen zu haben.


Eigentlich sollten ja in diesen Tagen Deka und Helaba in vertiefte Gespräche einsteigen. Sie haben gesagt, jetzt hat erst mal Corona Vorrang.

Wir haben es mit einer weltweiten Pandemie zu tun und mit einem voraussichtlich sehr deutlichen Wirtschaftsabschwung. Jetzt ist nicht die Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Jetzt muss alle Aufmerksamkeit unseren Kunden gehören. Und damit haben wir ja auch gerade alle Hände voll zu tun. Aber es gibt eine Zeit nach Corona. Dann werden wir dieses Vorhaben wie auch andere nahtlos wieder aufnehmen.


Der März war ein Monat voll operativer Hektik, ein permanenter Krisenmodus. Wie schauen Sie auf die nächsten Wochen?

Das hängt alles davon ab, wie sich die Politik jetzt entscheidet. Ich denke, dass wir uns organisatorisch und mental besser auf eine längere Zeit der Einschränkung des normalen öffentlichen Lebens und auf eine größere Wirtschaftskrise einstellen sollten. Ich würde mich aber freuen, wenn es gelingt, den Schutz der Gesundheit und den Erhalt des Wohlstands besser in Balance zu bringen.  

Wir müssen die neue Situation annehmen und mit Ruhe und Nachdruck das Beste daraus machen. Sparkassen gibt es seit fast 250 Jahren. Auch unsere Vorgänger haben Krisen bewältigt, die wohl noch größer waren als das, was wir jetzt erleben. Wir sollten zusammenstehen und mit Entschlossenheit das tun, was in unserer Macht steht, um zu zeigen, dass wir gemeinsam allem gewachsen sind. 

Hier geht es zu weiteren Artikeln der SparkassenZeitung zum Umgang der Sparkassen mit der Coronakrise.

Die Fragen stellte Anke Bunz, DSGV
– 25. März 2020