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| Baukindergeld

Die Kritiker lagen daneben

Dem Baukindergeld war schon vor seiner Einführung viel Schlechtes nachgesagt worden. Inzwischen zeigt sich, dass die Kritik ins Leere läuft: Das Baukindergeld wird anders als unterstellt in erster Linie von Familien mit geringem und mittlerem Einkommen in Anspruch genommen.

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Je nachdem, wie man rechnet, feiert das Baukindergeld entweder bald seinen ersten Geburtstag oder hat diesen gerade hinter sich: Im Juli 2018 hat der Bundestag die neue Wohneigentumsförderung beschlossen, seit dem 18. September kann sie beantragt werden. Der Ansatz, Wohneigentum ähnlich wie bei der 2005 ausgelaufenen Eigenheimzulage für einen gewissen Zeitraum wieder direkt über Zuschüsse zu fördern, war von Anfang an von viel Skepsis begleitet. LBS Research hat das Baukindergeld nun auf einige der Kritikpunkte hin abgeklopft. Im Einzelnen:

Baukindergeld wird vor allem von Familien mit kleinerem Einkommen beantragt

Das Baukindergeld käme vor allem den einkommensstärkeren Familien zugute, bemängelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im vergangenen Sommer auf Basis einer Simulationsrechnung. Der Grund dafür sei, dass die oberen Einkommensschichten über eine bessere Bonität verfügten und auch eher über das nötige Eigenkapital, sich das gewünschte Eigenheim also ohnehin leisten könnten und leisten würden. Die Inanspruchnahme des Baukindergelds sei also ein reiner Mitnahmeeffekt.

Tatsächlich ist derzeit eher das Gegenteil der Fall, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervorgeht (Grafik):

 
© Guthmann Blog/ LBS

Stand Ende März 2019 entfielen fast drei Viertel der bewilligten Baukindergeldanträge auf Familien im mittleren Einkommensbereich zwischen 20 000 und 60 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen.

Die besserverdienenden Baukindergeld-berechtigten Familien mit mehr als 60 000 Euro Jahreseinkommen beziehen die staatliche Unterstützung dagegen sogar etwas seltener als Geringverdienende mit weniger als 20 000 Euro Jahreseinkommen.

Baukindergeld wird bisher hauptsächlich für den Erwerb von bestehenden Immobilien genutzt

Nach Angaben der KfW betrafen 84 Prozent der bis Ende März dieses Jahres gestellten Baukindergeldanträge den Kauf schon existierender Immobilien. Daran könne man erkennen, so heißt es oft, dass das Baukindergeld kaum etwas dazu beitrage, neuen Wohnraum zu schaffen. Diese Kritik ist jedoch aus zwei Gründen verfehlt:

Zum einen können die Anträge erst nach Einzug ins neue Heim gestellt werden – und zwar nur für Baugenehmigungen, die ab 2018 erteilt wurden. Deshalb ist klar, dass das Gros des Baukindergelds anfangs für bestehende Immobilien angefordert wurde, schließlich müssen neue Häuser und Wohnungen erst einmal bezugsfertig werden. Und das dauerte 2018 durchschnittlich 20 Monate. Schon jetzt zeichnet sich allerdings ab, dass sich die Relationen verschieben:

Die von September bis Dezember 2018 gestellten Anträgen auf Baukindergeld betrafen nur zu 13 Prozent einen Neubau. Von jenen Anträgen, die im ersten Quartal 2019 bei der KfW eingereicht wurden, galt dies bereits für 22 Prozent.

Zum anderen soll das Baukindergeld gar nicht in erster Linie die Bautätigkeit ankurbeln – zumal dies in vielen Regionen auch nicht nötig ist, wie das Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln vor Kurzem berechnet hat. Die Daseinsberechtigung des Baukindergelds besteht vielmehr darin, auch jenen Familien den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen, die andernfalls an der Eigenkapitalhürde scheitern würden. Das ist nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil das mietfreie Wohnen als Baustein der Altersvorsorge immer wichtiger wird.

Wie treffsicher das Förderinstrument dieses Ziel erfüllt, belegt eine Studie des Berliner Forschungsinstituts empirica: Demnach können sich dank des Baukindergelds zusätzlich rund 58000 junge Familien, die derzeit zur Miete wohnen, die eigenen vier Wände leisten. Die Zahl der potenziellen Ersterwerber von Wohneigentum ist damit um satte 32 Prozent gestiegen. Angehende Wohneigentümer in den Landkreisen profitieren dabei generell stärker als die Städter, besonders hilfreich aber ist das Baukindergeld in ländlichen Regionen mit niedrigen Immobilienpreisen – und das ist auch gut so.

Baukindergeld wird in strukturschwächeren Flächenländern stärker in Anspruch genommen

Dass das Baukindergeld die ihm zugesprochene Funktion als „Bleibeprämie“ durchaus zu erfüllen vermag, ist auch am Bundesländervergleich abzulesen. So kamen in Deutschland nach Berechnungen von LBS Research bis Ende Mai durchschnittlich knapp 13 Baukindergeld-Anträge auf je 1000 Familien mit minderjährigen Kindern. In Ländern mit vielen strukturschwachen Regionen wollen allerdings überproportional viele Familien von dem Förderprogramm Gebrauch machen: Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit fast 17 Anträgen je 1000 Familien, es folgen Brandenburg, das Saarland und Niedersachsen mit nur unwesentlich geringeren Quoten.

Ganz anders sieht es dagegen in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin mit ihren hohen Immobilienpreisen aus: Dort beantragen Familien nicht einmal halb so oft Baukindergeld wie im Bundesdurchschnitt. Erstaunlich ist das nicht, denn das Baukindergeld ist keine kostenabhängige Leistung, sondern ein absoluter Betrag. Jene 12 000 Euro pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren tragen mancherorts mehr zur Finanzierung bei, mancherorts weniger – und dort wo es besonders teuer ist, genügen sie oft nicht, die Eigenkapitalschwelle zu überwinden.

Die Frage, wie auch in den Städten die Eigentumsbildung angeregt werden kann, bleibt zunächst einmal offen. Klar ist aber, dass der wichtigste Hebel die Ausweitung des Angebots ist: also Bauflächen ausweisen und bauen, bauen, bauen. Wenn es gelänge, dadurch die steigenden Preise in den Griff zu bekommen, würde auch die Förderung via Baukindergeld eher ihr Ziel erreichen, nämlich mehr Familien zu Wohneigentum zu verhelfen.

[Axel Guthmann ist Leiter der LBS-Bundesgeschäftsstelle. Der Artikel ist auch im Guthmann Blog der LBS erschienen.]