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| Ostdeutscher Sparkassenverband

Ermrich: Wir müssen Altersarmut verhindern

OSV-Präsident Michael Ermrich hat sich besorgt über die Folgen der Niedrigzinsen geäußert – und Vorschläge gemacht, wie dem abzuhelfen ist.

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Die Ostdeutschen sind investitionsfreudig. Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes Michael Ermrich und Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender verwiesen bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen auf die nach wie vor intensive Kreditvergabe. „Die Kreditvergabe bleibt auf einem hohen Niveau“, sagte Ermrich. „Unsere Kunden sind optimistisch und fragen nach Krediten.“

„Unsere 45 Mitgliedssparkassen sind eigenkapitalstark und haben ein gutes Risikomanagement. Sie sind vertriebsstark und betriebswirtschaftlich stabil“, hob Ermrich hervor. Nach wie vor stünden sie in der Spitzengruppe innerhalb der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe. „Dennoch können wir nicht darüber hinwegsehen, dass die wachsende Regulatorik, weiter steigende Eigenkapitalanforderungen und die Niedrigzinsphase die Sparkassen zunehmend belasten.“

Sorgen bereiteten ihm die Folgen der fehlenden Zinsen für die Altersvorsorge der Kunden. Sie hätten Auswirkungen auf alle privaten Geldanlagen zur Altersvorsorge, beispielsweise die Riester-Rente. Noch bei ihrer Verabschiedung ging der Gesetzgeber von Zinssätzen zwischen drei und vier Prozent jährlich aus. Angesichts jahrelanger Nullzinsen stimmten diese Berechnungen nicht mehr. Im Übrigen mache sich dies in Ostdeutschland, wo die Erwerbsbiografien vielfach gebrochen seien, besonders bemerkbar.

Der Bund habe seit Beginn der Niedrigzinsphase bis Ende 2018 rund 180 Milliarden Euro an geplanten Zinsausgaben gespart. „Wir schlagen vor, dass der Bund die Gewinne des Staates aus den wegfallenden Zinsaufwendungen nicht einfach positiv registriert, sondern der Altersvorsorge der Bevölkerung zugute kommen lässt.“ Beispielhaft nannte Ermrich eine Reform der Riester-Rente, eine deutlich spürbarere Wohneigentumsförderung oder die Förderung des Wohnungsbaus.

Ergebnisse noch zufriedenstellend

Ermrich und Zender verwiesen auf die großen Herausforderungen, die die 45 Sparkassen zu bewältigen hätten. Vor diesem Hintergrund seien die Geschäftsergebnisse noch zufriedenstellend.

In den ersten sechs Monaten des Jahres bewilligten die 45 OSV-Mitgliedssparkassen neue Kredite in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. Damit wurde der gute Vorjahreswert nahezu erreicht. Wie schon im Vorjahr entfielen rund 2,8 Milliarden Euro auf Unternehmen und Selbstständige. Privatpersonen beanspruchten neue Kredite in Höhe von 2,5 Milliarden Euro (Vorjahr 2,4 Milliarden Euro). Stark nachgefragt waren nach wie vor Wohnungsbaukredite. Die Sparkassen bewilligten Kredite mit einem Volumen von 1,9 Milliarden Euro (Vorjahr 1,8 Milliarden Euro).

Ungebremst ist das Wachstum des Kreditvolumens der 45 Sparkassen. Es stieg im ersten Halbjahr um 1,8 Milliarden Euro (3,2 Prozent) auf 58,8 Milliarden Euro. Bei Unternehmen und Selbstständigen betrug der Zuwachs eine Milliarde Euro (vier Prozent) auf 28,7 Milliarden Euro und bei Privatpersonen 841 Millionen Euro (3,6 Prozent) auf 24 Milliarden Euro. Bei öffentlichen Haushalten/Sonstigen verzeichneten die Sparkassen einen Rückgang um 132 Millionen Euro (minus 2,1 Prozent) auf 6,2 Milliarden Euro.

Erneut registrierten die OSV-Sparkassen bereits im ersten Halbjahr ein Einlagenwachstum. Seit Jahresbeginn stiegen die Einlagen um 2,1 Milliarden Euro auf 106,3 Milliarden Euro (Vorjahr 101 Milliarden Euro). Das ist ein neuer Rekord.

Der Trend zu kurzfristig verfügbaren Anlagen hält an. So wuchsen die Sichteinlagen in den ersten sechs Monaten des Jahres um 3,8 Prozent auf 61 Milliarden Euro (Vorjahr 55 Milliarden Euro). Der Bestand an Spareinlagen mit normaler Verzinsung erhöhte sich um 4,6 Prozent auf 14 Milliarden Euro (Vorjahr zwölf Milliarden Euro).

Verhalten verlief im ersten Halbjahr der Handel mit Wertpapieren. Die Kunden kauften Papiere im Wert von 2,3 Milliarden Euro und verkauften Papiere im Wert von 1,6 Milliarden Euro. Der Nettoabsatz betrug 729 Millionen Euro und lag somit 28,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes. Das Geldvermögen der Kunden wuchs in den ersten sechs Monaten um 1,8 Milliarden auf 137,7 Milliarden Euro.

Aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase erwarten die OSV-Sparkassen ein niedrigeres Betriebsergebnis vor Bewertung von 0,89 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS). Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 0,99 Prozent der DBS. Erreicht wurden zum Jahresende 2018 aber 1,05 Prozent der DBS.