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| Brexit

Finanzvertreter gegen Zugeständnisse

Ob deutsche Kreditinstitute gut auf einen ungeordneten Brexit vorbereitet sind und wie wahrscheinlich dieser ist, spaltet die Finanzexperten in zwei gleich große Lager. Unterdessen wurde eine wichtige Frage zu Finanzgeschäften in London nach einem No-Deal-Austritt nun von den Aufsichtsbehörden beantwortet.

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Beinah die Hälfte der Manager in der deutschen Finanzbranche rechnet mit einem "harten" Brexit, also einem ungeordneten Austritts der Briten aus der Europäischen Union (EU) am 29. März. Das Center for Financial Studies an der Frankfurter Goethe Universität hat in der ersten Februar-Woche Vertreter der deutschen Kreditwirtschaft, darunter auch der Sparkassen-Finanzgruppe, zu ihrer Prognose und Meinung in den Brexit-Verhandlungen befragt. 46 Prozent rechnen danach mit einem No-Deal-Szenario, rund 52 Prozent glauben an einen glimpflichen Ausgang.

Gespalten sind die Experten interessanterweise auch über den Punkt, wie gut die deutschen Banken und Sparkassen auf einen ungeordneten Austritt der Briten wären. 51 Prozent sagten, dass die Kreditinstitute "nicht auf alle Szenarien, also auch nicht auf einen harten Brexit, vorbereitet sind". 46 Prozent meinen, dass die Branche selbst für extreme Szenarien gut gewappnet sei.

 
Die Zukunft der Beziehungen von EU und Großbritannien ist weiterhin offen. © dpa

Mehr Einigkeit besteht bei der Frage zu den aktuellen Verhandlungen von EU und Großbritannien. Zwei Drittel der Befragten sprachen sich gegen weitere Zugeständnisse der Union aus. Dabei rechnen die wenigsten damit, dass der Finanzplatz hierzulande von einem "harten" Brexit profitieren würde. 83 Prozent sahen Vorteile für den Finanzplatz Deutschland eindeutig bei einem geordneten Austritt.

In der Wirtschaft erwarten 70 Prozent der deutschen Unternehmen mit Großbritannien-Bezug, dass sich ihre Geschäfte dort im Jahresverlauf verschlechtern. Jeder achte Betrieb will seine Investitionen auf andere Märkte verlagern, meldet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Ergebnisse einer heute veröffentlichten Brexit-Umfrage. Rund die Hälfte der Unternehmen scheut dagegen noch Investitionen in ein No-Deal-Szenario, bei dem neue Anforderungen hinsichtlich von Zöllen und auf der IT-Seite zu Buche schlagen würden.

Clearing in London wird weiter anerkannt

Andererseits glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent), dass London bei einem "harten" Brexit die Rolle als führender Finanzplatz in Europa verlieren würde. Eine positive Nachricht für die Londoner Banker gab es dagegen seitens der Regulatoren. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA hat mit der Bank of England eine Einigung hinsichtlich der Zukunft des Clearing erreicht.

Insbesondere das auf Euro lautende Derivategeschäft wird schwerpunktmäßig in London abgewickelt. Laut der für sogenannten "EMIR"-Verordnung der EU (European Market Infrastructure Regulation) müssen die Geschäfte von "zentralen Kontrahenten", kurz CCPs, abgewickelt werden. ESMA und die Bank von England haben sich darauf verständigt, dass selbst im Fall eines ungeordneten Brexit die britischen CCPs weiterhin anerkannt werden.

Die Vorbereitungen der ESMA auf den Brexit hat Behördenchef Steven Maijoor am gestrigen Mittwoch in einem Vortrag in Dublin erläutert. Neben dem Memorandum of Understanding der ESMA mit der Bank von England zum Clearinggeschäft, erläutert Maijoor zudem die Auswirkungen eines No-Deal-Szenarios auf die aktuelle Mifid-Regulierung.