Limburg, IDZ
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Payment / E-Mobilität
Bargeldloses Bezahlen „Made in Germany“ stärken
Weniger Bargeld, mehr bargeldloses Bezahlen – das ist der Trend. Deutsche Bezahlangebote punkten dabei mit datensparsamen und alltagstauglichen Lösungen. Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme will erreichen, dass Kunden sie überall nutzen können – auch an E-Ladesäulen.

Ein Gespräch mit Ingo Limburg, Vorstandsvorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme (IDZ) e.V.

Was ist die IDZ, wer gehört dazu und warum treten Sie für deutsche Bezahlverfahren an?

Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme gibt es inzwischen seit 15 Jahren. Wir informieren Öffentlichkeit und Politik über die Vorteile der Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft als sichere, diskrete und kostengünstige Bezahllösungen. Zu unseren 85 Mitgliedern zählen unter anderem Terminal-Hersteller, Software-Anbieter, Automatenaufsteller, Netzbetreiber, Payment-Service-Provider und Kreditinstitute sowie Unternehmen, die ein Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft an ihren Kassen anbieten.

Ein solches sicheres Bezahlverfahren ist die Girocard.

Ja, die Girocard ist ein nationaler „Champion“. Als Bezahlsystem bietet sie ein äußerst hohes Maß an Schutz vor Missbrauch, hat sich im Wettbewerb bewährt und ist sehr beliebt. Sie schützt die digitale Souveränität der Kunden, entwickelt sich aber dennoch technisch immer weiter. Durch die Coronapandemie hat vor allem die Kontaktlostechnologie nochmal einen richtigen Schub erhalten.

Bargeldloses Bezahlen ist inzwischen sehr beliebt und fast überall im Alltag möglich. Wo gibt es aber noch Nachbesserungsbedarf?

Das kontaktlose Bezahlen ermöglicht es, schlankere Terminals zu entwickeln und Endgeräte einfacher und kostengünstiger mit bargeldlosen Bezahlsystemen auszustatten. Wir wollen das für einen verbraucherfreundlichen Ausbau der E-Mobilität nutzen. Denn an Stromtankstellen herrscht aktuell Bezahlchaos.

Inwiefern?

Für E-Fahrzeuge dominieren Roaming-Verträge, die Nutzer an Verträge, Preismodelle und Betreibergesellschaften binden und eine vorherige Anmeldung zum Beispiel in einer App erfordern. Das Bezahlen per Debitkarte und Kreditkarte ist oft weder möglich noch vorgesehen.

Gerade der Einsatz der in Deutschland weit verbreiteten Girocard würde es aber sehr erleichtern, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich flächendeckend ihr Fahrzeug spontan aufladen können – ohne vorherige Anmeldung oder Authentifizierung. Schließlich hat fast jeder hierzulande eine im Portemonnaie.

Wir fordern deshalb: Wirklich verbraucherfreundlich ist nur die Akzeptanz von Debitkarten und Kreditkarten an den E-Ladesäulen.

In welchem Maße stört die aktuelle Situation die Nutzer?

77 Prozent der Nutzer stört, dass sie keine Kostentransparenz an der Ladesäule haben und nicht wissen, wie viel Geld sie der Vorgang gekostet hat (Zahl: Statista). Ähnlich hoch ist der Anteil derjenigen, die schon vor dem Laden gerne wüssten, was die Einheit kostet. Deshalb fordern wir mehr Wettbewerb an der E-Ladesäule.

Tatsächlich können Nutzer heute meist weder zwischen Bezahlwegen noch zwischen Anbietern wählen und müssen quasi nehmen, was kommt.

Wie kann das politisch adressiert werden?

Die Bundesregierung bereitet eine Novellierung der Ladesäulenverordnung vor, damit die Bezahlinfrastruktur vereinheitlicht werden kann. Wir betrachten es aber kritisch, lediglich Kreditkarten als Mindestanforderung für die E-Ladesäulen zu etablieren.

Einerseits schlichtweg, weil nicht jede Verbraucherin, jeder Verbraucher eine Kreditkarte hat. Andererseits wundert es uns, dass Anstrengungen unternommen werden, um die großen Tech-Konzerne und Payment-Anbieter in ihrer Marktmacht zu beschränken, gleichzeitig sollen nun aber lediglich die Lösungen dieser Anbieter an den E-Ladesäulen zur Pflicht werden.

Ihr Vorschlag?

Die Girocard ist nicht nur verbreiteter – sie bietet auch das kosteneffizientere Preismodell. Internationale Schemes können das ergänzen, aber der Haupt-Traffic dürfte von inländischen Nutzerinnen und Nutzer kommen. Und hier ist das marktführende System – die Girocard – einfach ein Muss für die E-Ladesäule.

Wir als Initiative bringen uns gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen aktiv ein, um dieses Ziel voranzubringen und es freut uns, dass auch die Bundesregierung die Kartenzahlung an der Ladesäule fordert.

Ist das Nachrüsten der E-Ladesäulen mit Kartenlesern nicht teuer?

Eine Investition zwischen 250 und 1000 Euro sollte es uns wert sein, diese politisch gewünschte klimafreundliche Technologie massentauglich zu machen.

Die bisher angebotenen Zahlmethoden der Ladesäulenbetreiber und Systemanabieter sind übrigens faktisch kostenintensiv, kompliziert für die Verbraucherinnen und Verbraucher und darüber hinaus proprietär. Und sie schützen nicht vor Missbrauch. Im Girocard-System hat der Händler – also in diesem Moment der Ladesäulenbetreiber – eine Zahlungsgarantie.

Und letzten Endes bieten nur gängige Zahlungslösungen (wie Girocard und Kreditkarte) Verbraucherinnen und Verbrauchern wirklich zuverlässigen Schutz vor und auch bei konkretem Missbrauch. Bei „geschlossenen Systemen“ wie Kundenkarten oder Apps der Ladesäulenbetreiber sind die Erstattungsregeln im Fall der Fälle anbieterabhängig.

Wie argumentieren die unterschiedlichen Mitglieder der IDZ in Sachen E-Ladesäulen?

In der Initiative Deutsche Zahlungssysteme sind wir sehr stolz auf die Diversität unserer Mitglieder. Aber gemeinsam sind alle bei der IDZ davon überzeugt, dass sich die E-Mobilität nur durchsetzt, wenn das Zahlen an der Stromtankstelle genauso einfach ist wie an der Benzintankstelle. Und dort bezahlt die Mehrheit der deutschen Bürgerinnen und Bürger eben mit ihrer Girocard.

Deshalb arbeiten wir als Verband in engem Austausch mit unseren Mitgliedern darauf hin, dass die Voraussetzungen für verbraucherfreundliches Bezahlen an der Säule endlich geschaffen und der E-Mobilität in Deutschland Tür und Tor geöffnet werden.

Anke Bunz
– 17. Dezember 2020