Anzeige
| Sparkassentag 2019

Sparkassen müssen die gute Seele bleiben

Die Frage der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in ganz Deutschlands war der rote Faden in der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Anzeige

Die Frage nach gleichwertigen Lebensverhältnissen treibe die Bundesregierung um, sagte die Bundeskanzlerin in Hamburg. Merkel betonte, die Sparkassen könnten mit für diese Gleichwertigkeit sorgen, und sie forderte die versammelten Sparkassenvorstände auf, „bleiben Sie der Fläche gewogen“. In ihrer Rede vor den 2500 Teilnehmern des Sparkassentags bekannte sich die Bundeskanzlerin ausdrücklich zum Drei-Säulen-Modell in der deutschen Finanzwirtschaft. Vielfalt sei etwas, „das wir uns nicht nur leisten können, sondern auch leisten sollten“, betonte sie. Diese Vielfalt gebe Deutschland seine besondere Stabilität. Sie forderte die Sparkassen auf, das Vertrauen, das sie genießen, „pfleglich“ zu behandeln. Vertrauen gehe in der heutigen Zeit sehr schnell verloren. Sparkassen sei es gelungen, viel Vertrauen durch die schwierige Zeit der Finanzkrise zu retten. Doch mit den niedrigen Zinsen stünden sie noch immer vor den Nachwirkungen dieser Krise.

Drei große Herausforderungen prägten die Finanzmärkte, so Merkel. Die erste sei mit „Sustainable Finance“ die nachhaltige Finanzwirtschaft. Sie zeigte Sympathie für die aktuellen Proteste junger Menschen für Klima- und Artenschutz. Nachhaltige Finanzwirtschaft helfe, klimabezogene Risiken abzubilden und die Stabilität zu erhöhen. Strategie der Bundesregierung sei es, Deutschland zu einer der führenden Standorte in der nachhaltigen Finanzierung zu machen, und sie lud die Sparkassen dazu ein, bei ihren Kunden dafür zu werben. Das heutige Finanzsystem bilde Fragen der Nachhaltigkeit noch nicht ausreichend ab, und die bisherigen Anreize, in nachhaltige Projekte zu investieren, reichten noch nicht aus. Wachstum und Umweltschutz müssten kompatibel gemacht werden, und die Bundeskanzlerin ermunterte die Sparkassen, hier mitzumachen.

Alle Menschen mitnehmen

Die „digitale Revolution“ sei die zweite große Herausforderung, so die Bundeskanzlerin. Die Sparkassen müssten die mit ihr verbundenen Herausforderungen beherrschen, diese aber mit guter Kundenbetreuung vereinbar machen, „gerade im ländlichen Raum“, mahnte die Kanzlerin. Man könne noch nicht ermessen, welche Möglichkeiten sich aus Fintechs, Bigtechs und Blockchain-Technologien ergeben und wie sich das Kundenverhalten ändere. Das sei gerade bei den Sparkassenkunden schwierig, konzedierte die Bundeskanzlerin.

 
Ein Bild fürs Familienalbum: Bundeskanzlerin Angela Merkel und DSGV-Präsident Helmut Schleweis.

Aufgabe sei es, den Umbruch so zu gestalten, dass alle Menschen mitgenommen würden. Dazu sei es auch wichtig, graue und weiße Flecken in der Internetversorgung zu schließen. Merkel warb dafür, Innovationen gemeinsam anzugehen. Das könne die Bundesregierung nicht alleine, da müssten Merkel zufolge auch die Kommunen mithelfen. Verschmitzt fügte sie hinzu: „Ich könnte jetzt sagen, wenn es die Länder nicht dazwischen gäbe, wäre alles noch einfacher.“ Merkel bekannte sich weiterhin dazu, die Bundesregierung werde sich national und international auch stark für Cybersicherheit einsetzen, denn auch diese sei für das Vertrauen der Menschen in Finanzinstitute wichtig.

Als dritte Herausforderung nannte Merkel die Finanzmarktreformen. Bei der Finanzmarktregulierung sei bereits vieles erreicht worden. Allerdings sei es mit Basel III noch nicht gelungen, das „Level Playing Field“ international so durchzusetzen, wie es nötig wäre. In der gemeinsame Währung Euro sieht Merkel einen „großen gegenseitigen Vertrauensbeweis“. Aber er erfordere auch, dass jedes Land dieses Vertrauen rechtfertige. Aufgabe eines jeden Landes sei es deshalb, „sein eigenes Haus in Ordnung zu halten“. Der Risikoabbau in den EU-Ländern müsse mit Entschlossenheit angegangen werden. Das gelte auch für Risiken, die sich aus Staatsanleihen ergeben.

Verhältnismäßigkeit durchsetzen

Die Kanzlerin versprach, das „Verhältnismäßigkeitsprinzip“ mit Blick auf die Sparkassen in Europa durchzusetzen. Das sei zwar schwierig, aber, „wir strengen uns an“. Bei der Finanzmarktregulierung habe die Bundesregierung Erleichterung für kleine, nicht komplexe Institute durchgesetzt. Jetzt gelte es, bei der Implementierung aufzupassen. Europa darf sich nicht um alles kümmern, schloss Merkel ihr Bekenntnis zu Europa ab, aber bei Themen wie Binnenmarkt und Datenschutz müsse Europa zusammenarbeiten. Mit ihrem Dank an die Sparkassenvorstände für die tägliche Arbeit in den Instituten verband sie die Bitte, „die Sparkasse muss die gute Seele eines Ortes bleiben“.

Weitere Berichte und Gastbeiträge zum Sparkassentag finden Sie unter sparkassenzeitung.de.

Wie gut kennen Sie die Sparkassen? Testen Sie Ihr Wissen mit dem
Quiz der SparkassenZeitung zum Sparkassentag