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13. September 2018 - 11:14Internationale Kooperation

Sparkassen für Irland?

von Carina Bauer, Sparkassenstiftung für internationale Kooperation

Irischer Finanzausschuss nimmt Einblick in deutsches Sparkassenwesen.

Vertreter des irischen Finanzausschusses überzeugten sich in Berlin und Ludwigsburg vom deutschen Sparkassenmodell (von links): Thomas Keidel, Bevollmächtigter der Verbandsleitung des DSGV, Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, Niclaus Bergmann, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, Senator Kieran O’Donnell (Fine Gael), Helmut Schleweis, Präsident des DSGV, Séamus Boland, Vorstandsvorsitzender IRL, Rose Conway-Walsh (Sinn Féin) und Gerry Horkan (Fianna Fáil). (Michael Fahrig)
Der Aufbau eines dezentralen Bankensystems nach Vorbild der deutschen Sparkassen stößt in Folge der Banken- und Finanzkrise in Irland auf großes gesellschaftspolitisches Interesse. Nun haben sich Mitglieder des irischen Finanzausschusses auf Einladung von Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), auf eine Fact-finding-mission nach Deutschland begeben, um sich Einblicke in die Sparkassenwelt zu verschaffen.

Im Sparkassenhaus in Berlin nahm DSGV-Präsident Schleweis die Gäste persönlich in Empfang und betonte: „In Irland ist man sehr ernsthaft an wirtschaftlich und gesellschaftlich nachhaltigen Finanzinstituten für den ländlichen Raum interessiert. Wir freuen uns daher über das Interesse am deutschen Sparkassenmodell und stehen gerne mit unseren Erfahrungen zur Verfügung“.
Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV, erläuterte die Besonderheiten des deutschen Bankenmarkts und stellte die Kernelemente der Sparkassen-Finanzgruppe vor. „Die Diskussion um leistungsfähige Bankenstrukturen darf sich nicht ausschließlich auf immer größere Banken konzentrieren. Für eine leistungsfähige Volkswirtschaft braucht es die gesamte Vielfalt an Geschäftsmodellen. Dazu gehören auch kommunale Kreditinstitute, die nah bei ihren Kunden sind“, so Schackmann-Fallis.
Im Dialog: Vertreter der Sparkassen-Finanzgruppe gaben den irischen Gästen Einblicke in das Erfolgsmodell Sparkasse. Vorne: Senator Kieran O’Donnell (links) und Helmut Schleweis. (Michael Fahrig)
Die Abgeordneten wurden über die Bedeutung der Sparkassen für die deutsche Wirtschaft und ihre Rolle bei der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen informiert sowie über Aktivitäten der Sparkassen-Finanzgruppe im Bereich Digitalisierung. Danach standen Meetings im Haushaltsausschuss des Bundestags und eine Besichtigung desselben auf dem Programm. Bei einem Mittagessen mit der Deutsch-Irischen Parlamentariergruppe des Bundestags wurden anschließend die bilateralen Kontakte gepflegt, ehe sich die Gäste abends bei einem gemeinsamen Essen mit Vertretern der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation austauschten. Hier begrüßte Heinrich Haasis, Vorstandsvorsitzender der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation und Präsident des Weltinstituts der Sparkassen und Retailbanken (WSBI - World Savings and Retail Banking Institute) die irischen Delegationsgäste neben Geschäftsführer Niclaus Bergmann, der erklärte: „Die Sparkassenstiftung leistet mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung der Sparkassenidee in vielen Ländern Europas – so auch in Irland.“ Die Stiftung setzt sich bereits seit einigen Jahren für den Aufbau von Sparkassen nach deutschem Vorbild in Irland ein.

Unverzichtbarer Teil des Gemeinwesens

In der Kreissparkasse Ludwigsburg begrüßte tags darauf Landrat Rainer Haas, Vorsitzender des Verwaltungsrats und Co-Präsident des Europäischen Rats der Regionen, die Delegationsteilnehmer und machte den aus seiner Sicht offenbaren Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen im Landkreis und dem Engagement der Kreissparkasse deutlich. “Sparkassen sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Gemeinwesens. Wenn wir sie nicht hätten, müssten wir sie gerade heutzutage erfinden”, so Haas.
Heinz-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ludwigsburg, erläuterte in seinem Vortrag vor den irischen Parlamentariern den Aufbau des Instituts und vermittelte Wissenswertes über die Trägerstruktur der Sparkassen. Sehr anschaulich zeigte er, wie sich Sparkassen in einem intensiven Wettbewerbsumfeld erfolgreich behaupten. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um Fintechs und Digitalisierung versicherte er den irischen Parlamentariern, dass die Sparkassenkunden digitale Kompetenz, aber auch räumliche Nähe und persönliche Beziehung in über 100 Zweigstellen zu schätzen wissen.
Schulte sagte über die Kreissparkasse: „Allein die rund 90.000 Beratungsgespräche, die wir im Geschäftsjahr 2017 in den Filialen geführt haben, zeigen, dass wir mit unseren Angeboten und Preisen unsere Kunden von unserer Leistungsfähigkeit überzeugen. Wir sind darüber hinaus mit rund 1530 Mitarbeitern, die hier leben und arbeiten, auch Teil eines funktionierenden Gemeinwesens.“ Aus Sicht von Schulte sei der Besuch der irischen Delegation „als Lern-Impulsgeber für beide Seiten zu verstehen“. Denn aus der interkulturellen Zusammenarbeit erwachse „sowohl für den Gastgeber als auch für die irischen Gäste die Chance, sich die vielfältigen Pluspunkte des ‚Modells Sparkasse‘ sehr klar bewusst zu machen und auf diese Stärken zu setzen.“
Zum Thema „Mittelstand und Firmenkundengeschäft“ wies Vorstandsmitglied Thomas Raab von der Kreissparkasse Ludwigsburg auf die wichtige Bedeutung des Finanzinstituts insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen hin. “Sparkassen sind nicht nur verlässlicher Finanzierungspartner in der Region, sondern integraler Bestandteil des Mittelstands und Garant für einen funktionierenden Wettbewerb in der Kreditwirtschaft,” so Raab. Die Kreissparkasse Ludwigsburg sei, so Raab weiter, „Partner von rund 10.000 mittelständisch geprägten Unternehmen im Landkreis Ludwigsburg.“ Allein diese Zahl sei Beleg für die Dimension einer „einer ebenso umfangreichen wie starken Partnerschaft“, so Raab.

Engagement der Sparkassenstiftung in Irland – die Hintergründe

Irlands Bankensektor ist als Folge der Finanzkrise auf ein Oligopol dreier Banken geschrumpft, die zusammen einen Marktanteil von weit über 90 Prozent haben. Irische Bankkunden zahlen durchschnittlich zwei bis drei Prozent höhere Zinsen als im restlichen Europa. Kleine und mittlere Unternehmen in Irland, insbesondere in ländlichen Gebieten, haben Probleme mit der Kreditversorgung. Der Rückzug der Großbanken aus der Fläche und die Schließung von Bankfilialen hält unvermindert an.
Die Sparkassenstiftung setzt sich seit 2015 für den Aufbau von Sparkassen in Irland ein. In Gesprächen mit Ministerien, der Zentralbank sowie mit Abgeordneten und kommunalen Vertretern wurden seitdem der Aufbau und die Funktionsweise eines landesweiten Systems von etwa acht bis zehn Sparkassen und eines zentralen Service-Providers anhand eines ausgearbeiteten Business Plans erläutert.
Gemeinsam mit ihrem lokalen Kooperationspartner, dem Verband der kommunalen und ländlichen Initiativen (Irish Rural Link, IRL), hat die Sparkassenstiftung im Oktober 2017 das Sparkassenprojekt vor dem Finanzausschuss des irischen Parlaments vorgestellt. Ende Januar 2018 fand eine weitere formelle Anhörung zur Kreditvergabepolitik der deutschen Sparkassen vor dem irischen Wirtschaftsausschuss statt.
In dem anschließend im Juli 2018 vom Finanzministerium und dem Ministerium für Regionalentwicklung veröffentlichten "Report on Public Banking" kam es zu einer insgesamt positiven Beurteilung des Konzepts sowie des vorgelegten Geschäftsplans für eine Pilotsparkasse in den Midlands. Der Bericht empfiehlt eine weitere Untersuchung der konkreten Umsetzungsmöglichkeiten. Er kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Regierung die Gründung neuer Institute nach Vorbild des deutschen Sparkassenmodells zwar unterstützen, jedoch nicht betreiben und auch kein Kapital zur Verfügung stellen möchte.
Irische Politiker sowie die lokale (Wirtschafts-)Presse kritisieren diese Entscheidung. Mehrere Oppositionsparteien haben sich zu den Sparkassengründungen bekannt und angekündigt, dies bei den anstehenden Neuwahlen zu thematisieren.
Nähere Informationen über die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation und zum Projekt „Sparkassenaufbau EU“ finden Sie hier.
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