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09. Oktober 2017 - 07:00Fintechs

Starthelfer für Start-ups

von Stefan Bottler

Institute, die von der Digitalisierung im vollen Umfang profitieren wollen, sollten die Zusammenarbeit mit Fintechs und anderen digitalen Start-ups prüfen. Viele Newcomer haben lebhaftes Interesse hieran.

VR-Brillen können auch für virtuelle Hausbesichtigungen genutzt werden. Fintech-Anwendungen ergänzen viele traditionelle Bereiche des Bankgeschäfts. (Finreach)
Rund ein Jahrhundert lang hat das Nürnberger Hauptzollamt in dem langgezogenen Klinkerbau aus dem 19. Jahrhundert gearbeitet. Jetzt soll dieser eine Hochburg für digitale Start-ups aller Art werden. Im nahe der Innenstadt gelegenen "Zollhof" können Gründer Gewerberäume mit hochmoderner Infrastruktur preiswert anmieten. Bei der Ausarbeitung eines Businessplans helfen sechs Mitarbeiter der Betreibergesellschaft mit Beratungs-, Büro- und anderen Dienstleistungen.
Neun bekannte Unternehmen aus der Region fördern den Inkubator. Seit Mai 2017 ist auch die Sparkasse Nürnberg dabei. Firmenkundenvorstand Roland Burgis will die künftigen Mieter nicht nur mit Existenzgründungsberatung und Krediten unterstützen. Regelmäßig sollen Sparkassenmitarbeiter Veranstaltungen im "Zollhof" besuchen und an der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen teilnehmen. "Wir wollen mit den Start-ups Innovationen im eigenen Haus vorantreiben", strebt Burgis vielfältige Synergieeffekte an. Am liebsten wären dem nordbayerischen Institut Fintechs, die mit künstlicher Intelligenz, Augmented Reality, Big Data oder Blockchain neue Finanzservices entwickeln. Vor allem auf diesen Technologiefeldern will der "Zollhof" Akzente setzen.
Die Sparkasse Nürnberg liegt im Trend. Institute, die die Potenziale der Digitalisierung im vollen Umfang nutzen wollen, sollten auch die Förderung digitaler Start-ups oder die Zusammenarbeit mit Fintechs prüfen, empfiehlt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Weil längst auch in vielen kleineren und mittleren Städten vor allem in Süddeutschland Gründerzentren und Inkubatoren entstehen, eröffnen sich auch Instituten in der Region vielfältige Chancen. Für einige Sparkassen in den großen Metropolen sind solche Kooperationen längst selbstverständlich geworden. Die Berliner Sparkasse fördert Start-ups wie Candis. Mit einer volldigitalisierten Rechnungsverwaltung, die Belege fotografisch erfasst und Überweisungen automatisch auslöst, will dieses Unternehmen im Markt punkten. Auch viele Sparkassenkunden arbeiten mit dieser Lösung.
Die Hamburger Sparkasse (Haspa) hat als eines der ersten Institute Fintechprodukte wie die Fotoüberweisungssoftware von Ginipay und der Kontowechsellösung von Finreach vertrieben. Jetzt wollen die Hamburger die automatisierte Vermögensverwaltung ("Robo Advisor") von Investify übernehmen. Anfang Juli teilte das Institut Pläne zur Beteiligung an diesem deutsch-luxemburgischen Unternehmen mit. "Fintechs haben den Vorteil, dass sie schnell und radikal aus der Kundenperspektive denken", zieht Stephanie von Carlsburg, Kommunikationschefin der Haspa, Bilanz. "Als Konsequenz stehen etablierte Finanzinstitute unter einem deutlich höheren Innovationsdruck." Auch die "agilen und interdisziplinären" Arbeitsmethoden von Fintechs haben die Hamburger beeindruckt. Ohne ihre Netzwerke hätten Ginipay & Co, kaum "richtig neue Lösungen" entwickeln können, glauben die Haspa-Experten.
An diese Erfahrungen will das Sparkassen Innovation Hub (S-Hub) anknüpfen, die die Finanz Informatik(FI)-Tochter Star-Finanz Anfang 2017 als "zentralen Andockpunkt" der Sparkassen-Finanzgruppe für Fintechs gegründet hat. Rund 25 Mitarbeiter arbeiten mit acht Kooperationspartnern aus der Sparkassenlandschaft zusammen. Viele haben während der vergangenen Jahre selbst Erfahrung mit Fintechs und Start-ups gesammelt. "Wir wollen mit den Fintechs zusammen deren innovative Lösungen für die Kunden der Sparkassen verfügbar machen", sagt Martin Schaffranski, Leiter des S-Hub.
Im Hackaton-Symbioticon − die letzte Runde dieser Wettbewerbsveranstaltung fand vom 12. bis 14. September am künftigen Standort Hamburg statt − tüfteln Fintechs mit S-Hub-Mitarbeitern Ideen und Konzepte für digitale Dienstleistungen und Produkte aus. Anhand von Marktstudien und Kundenbefragungen ermitteln die S-Hub-Spezialisten, welche "Prototypen" die besten Marktchancen haben, und bauen diese zur fertigen Lösung aus. Rund ein halbes Dutzend neuer Produkte und Services wollen Schaffranski und sein Team in den kommenden Monaten "marktreif" machen. Wenn die Testrunden mit den acht Kooperationspartnern erfolgreich verlaufen, können die Innovationen von allen Sparkassen abgerufen werden.
"Wir wollen gemeinsam Lösungen entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Endkunden zugeschnitten sind", versichert Schaffranski. "So können Sparkassen diese an sich binden, Neukunden gewinnen oder neue Ertragsfelder erschließen." Ansonsten müssen sich die Lösungen durch eine überzeugende Innovation und einfache Bedienbarkeit auszeichnen. Für das letzte Kriterium soll ansprechende Designs sorgen, welches das Hamburger IBM-Studio zuliefert.
"Wir entwickeln Produkte erst, wenn wir ein Feedback der Finanzdienstleister erhalten haben",sagt Finreach-Chef Sascha Dewald. (Finreach)
Die Nachfrage nach einzelnen Fintech-Produkten ist groß. Mittlerweile setzen drei von vier Sparkassen das Fotoüberweisungsprodukt von Ginipay und das Kontowechseltool von Finreach ein. Solche Erfolge motivieren die Fintechs zu weiteren Produktentwicklungen. Seit Kurzem bietet Finreach auch einen Depotwechselservice an, den bereits rund ein halbes Dutzend Institute übernommen haben. Finreach selbst vertreibt seine Produkte als Software as a Service(SaaS)-Lösung und kooperiert seit Frühjahr 2016 mit dem Verbunddienstleister S-Direkt. "Unser Partner liefert wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung beider Produkte", sagt Sascha Dewald, Geschäftsführer von Finreach.
Das Beispiel zeigt, dass Fintechs Sparkassen-Kooperationen mit eigenen Geschäftskonzepten in Deckung bringen müssen und auch deswegen individuelle Lösungen suchen. Institute, die mit den Newcomern direkt zusammenarbeiten wollen, dürfen also mit lebhaftem Interesse rechnen. So ist der neue Haspa-Partner Investify nach eigener Aussage im Gespräch mit sechs weiteren Sparkassen sowie mit dem S-Hub selbst. Schaffranski selbst ermuntert Sparkassen ausdrücklich zu einem solchen Schritt.
"Das S-Hub nimmt Sparkassen nicht aus der Pflicht, selbst Innovationen in ihren Häusern zu forcieren und sich mit Newcomern an einen Tisch zu setzen", betont der Marktkenner. Er sieht das S-Hub als "zentralen Know-how-Träger", der die Kräfte von DSGV, DSV, Finanz Informatik, Star-Finanz und der Institute selbst bündelt. "Wichtig ist ein transparentes und gemeinsames Vorgehen", betont Schaffranski. Klar sollen nicht zeitgleich identische Lösungen entwickelt werden. Vor allem Häuser, welche bereits jetzt viele Produkte und Dienstleistungen digitalisiert haben, werden von Fintechs und Start-ups profitieren.
"Wir sind offen für Impulse aus solchen Projekten und geben auch gerne Feedback", betont der S-Hub-Chef. Am Ende des Tages müsse allerdings mit jedem neuen Geschäftskonzept Geld verdient werden. "Sparkassen müssen vor gemeinsamen Projekten mit Fintechs und Start-ups klären, wie groß das digitale Knowhow im eigenen Haus bereits ist und welche Lösungen sie selbst entwickeln können", empfiehlt Schaffranski. Nicht jedes gehypte Thema hält einer genaueren Prüfung stand. Und nicht jeder neue Marktteilnehmer bewegt sich finanziell auf solidem Boden. Ausdrücklich erinnert Schaffranski an Fintechs, welche sich gegen Wettbewerber mit vergleichbaren Geschäftskonzepten nicht durchsetzen konnten und trotz finanzstarker Investoren im Hintergrund gleich mehrfach verkauft wurden.
Das passierte zuletzt der vom Berliner Beteiligungsunternehmen Rocket Internet gegründeten Plattform Lendico, welche sich auf die Vermittlung von internationalen Firmenkrediten spezialisiert hat. Weil angelsächsische Wettbewerber deutlich erfolgreicher waren, wurde Lendico im Juli an den britische Hedgefonds Arrowglas verkauft. Jetzt wird dieser das bisherige Geschäftskonzept nochmals auf den Prüfstand stellen. Andere Fintechs haben wegen auffälliger Finanztransaktionen mit der Bafin zu kämpfen oder sind von der Insolvenz bedroht, weil die Geldgeber kein Kapital nachschießen wollen.
Auch Fintech-erfahrene Marktteilnehmer klagen über Gesprächspartner, die ihre Bücher nicht komplett offenlegen wollten. Das spricht für Kreditvergabe- oder Beteiligungslösungen, bei denen die Kapitalgeber Einfluss auf das Geschäftskonzept nehmen können. Die meisten Fintechs sind für solche Angebote offen: Vielen wollen mit Sparkassen ins Geschäft kommen und suchen früh Kontakte zur Finanzgruppe. "Wichtig ist ein fester Ansprechpartner", zieht Michael Maier, Vertriebschef von Gini in München, über seine Gespräche mit Sparkassen Bilanz. An die Institute appelliert er, die Zuständigkeiten für Fintech- und Start-up-Kontakte klar zu regeln. Das sei für gemeinsame Projekte unverzichtbar.
"Wir entwickeln Produkte erst, wenn wir ein Feedback der Finanzdienstleister erhalten haben", bestätigt auch Finreach-Chef Dewald. Die 28 Mitarbeiter des Berliner Unternehmens entwickeln weitere sparkassenspezifische Tools. Derzeit tüfteln sie an einem Produkt zur Lead-Generierung, das ein großes Institut in Auftrag gegeben hat. In rund drei Monaten soll dieses Direktmarketingtool fertig sein. "Auch diese Lösung kann institutsübergreifend eingesetzt werden", deutet Dewald einen Ausbau der Vertriebspartnerschaft mit S-Direkt an.
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