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| Robo Advisory

Anerkannt wie ein Berater?

Verbessern Robo-Advisoren die Qualität der Betreuung vermögender Privatkunden? Die Braunschweigische Landessparkasse wollte es wissen.

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Erzielen Roboter eine bessere Performance und was ändert sich durch deren Einsatz? Wird eine algorithmusgestützte Beratung überhaupt von den besonders anspruchsvollen vermögenden Privatkunden akzeptiert?

Diese Fragen stellten sich die Private-Banking-Experten der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK), als sie sich zum ersten Mal mit dem Thema Robo Advisory intensiver befassten. Seine Erkenntnisse brachte das Institut in die Kundengremien der FI-Tochter Inasys ein.

Wann akzeptieren vermögende Privatkunden robotergestützte Beratung?

Als dort Lösungen präsentiert wurden, wollte die BLSK wissen, wie eine Beraterunterstützung durch einen Roboter in der Praxis aussieht. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Kunden einen großen Wert auf die hohe Qualität des von ihrem Institut verwalteten Anlageuniversums legen und zudem gegenüber den auf ETFs basierenden Internet-Lösungen tendenziell skeptisch sind, wollte der Private-Banking-Bereich des Instituts herausfinden, unter welchen Voraussetzungen ihre anspruchsvolle Klientel eine robotergestützte Beratung akzeptiert.

 
Anlagerooboter erzielen oft bessere Performances, auch weil sie nach Frühindikatoren rascher entscheiden. © Shutterstock

Das im Braunschweiger Land bei der Betreuung vermögender Privatkunden marktführende Institut setzt den von Inasys in Zusammenarbeit mit den Finanzmarkt-Spezialisten The Double Alpha Factory entwickelten Inasys-Robtimizer ein. Der digitale Anlageassistent ist unter anderem in der Lage, ein vom Aktienresearch des Instituts empfohlenes Anlageuniversum zu allokieren.

„Die Option einer roboterunterstützten Beratung fand bei Kunden Interesse, so dass wir uns entschlossen haben, ein entsprechendes Angebot zu pilotieren“, sagt Ron Große, Leiter Private Banking Beratungsspezialisten und Kapitalmarktexperte bei der BLSK.

Das qualitätsgesicherte Anlageuniversum und der Ansatz, dass der Algorithmus risikooptimierte Anlage- und Umschichtungsempfehlungen unterbreitet, die dann von dem Berater dem Kunden vorgestellt und umgesetzt werden, stärkten die Akzeptanz auf Berater- und Kundenseite.

Portfolio aus 20 bis 25 Einzeltiteln

Die Pilotierung startete Anfang 2018 in Form eines Echtgeldtests. Kunden, die an einem solchen Test teilnahmen, investierten in ein Aktienportfolio, das der Inasys-Robtimizer mittels Conditional Value at Risk (CVaR) steuerte. Das Portfolio wurde dabei einmal im Monat allokiert und bei Bedarf neu ausgerichtet.

Auf Basis der mehr als 250 Einzeltitel umfassenden Aktien-Empfehlungsliste des NordLB-Research allokierte der Inasys-Robtimizer einmal pro Monat zu einem festen Zeitpunkt ein Portfolio, das aus den Kaufempfehlungen und damit den aussichtsreichsten Aktien auf Sechs- bis Zwölf-Monatssicht besteht. So generierte der digitale Anlageassistent ein konzentriertes Portfolio aus 20 bis 25 Einzeltiteln.

Bei Bedarf wird das Portfolio nach Wunsch optimiert

Bei Bedarf optimierte der Robtimizer das Portfolio unter dem Aspekt eines optimalen Chancen-Risiko-Verhältnisses. Dieses Vorgehen verbindet die Researchexpertise des Hauses mit der konsequenten Anlagestrategie und bot dem Berater die Möglichkeit, die notwendigen regulatorischen Geeignetheitserklärungen mit dem Kunden zu besprechen. Ein Pauschalpreismodell stellte dabei sicher, dass Umschichtungen ohne Rücksicht auf mögliche Kosten vorgenommen werden können.

 
„Interessant war auch die Analyse, was der digitale Anlageassistent anders macht, als es in der klassischen Anlageberatung üblich ist“: Ron Große, Leiter Private Banking Beratungsspezialisten und Kapitalmarktexperte bei der Braunschweigischen Landessparkasse. © Sparkasse

Sparkasse sieht gute Resultate

Die BLSK beurteilt den Erfolg des Echtgeldtests anhand der folgenden Kriterien:

⇒ die Performance des Portfolios im Vergleich zur Dax-Entwicklung,

⇒ die Veränderung zur klassischen Anlageberatung anhand der Umschichtungshäufigkeit,

⇒ die Akzeptanz beim Kunden durch die Neigung des Kunden, eine derartige Anlageform weiterzuempfehlen.

Besser als der Dax, bei geringem Risiko

Im Betrachtungszeitraum Anfang Mai 2018 bis Ende April 2019 hat das Portfolio eine Rendite von 10,43 Prozent erzielt. Im Vergleich dazu hat der Dax über denselben Zeitraum einen Verlust von 2,52 Prozent generiert.

Gleichzeitig ist das Risiko deutlich geringer: Die Volatilität des Portfolios ist mit 10,78 Prozent rund ein Viertel niedriger als die des Dax (14,73 Prozent). Der Vergleich von Risikokennzahlen bestätigte ebenfalls, dass der digitale Anlageassistent die Benchmark schlägt.

Robtimizer dreht Portfolio um nahezu 100 Prozent

„Interessant war auch die Analyse, was der digitale Anlageassistent anders macht, als es in der klassischen Anlageberatung üblich ist“, erläutert Große. Während in der klassischen Anlageberatung in der Regel so lange nach dem Prinzip Buy & Hold agiert werde, bis ein Wert auf Verkaufen steht, hat der Robtimizer das Portfolio im Laufe eines Jahres um nahezu 100 Prozent gedreht.

Es gab Monate, in denen kaum Umschichtungen vorgenommen wurden. In anderen Monaten wie etwa Anfang April 2019 lautete die Handlungsempfehlung der Robo-Advice-Lösung, das Portfolio um 50 Prozent zu verändern.

„So konsequent würde kaum ein Kundenberater handeln“

Der Robtimizer ist im März sehr frühzeitig aus Pharma-Aktien ausgestiegen und hat damit die späteren negativen Marktentwicklungen rechtzeitig antizipiert. „So konsequent würde wohl kaum ein Kundenberater handeln, selbst wenn Frühindikatoren den Weg weisen“, sagt Sparkassen-Kapitalmarktexperte Große.

 
Roboter-Symbolbild: Eher Helfer als Schreckgespenst. © shutterstock

Kunden empfehlen die Art der Beratung weiter

Die Kunden sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden und haben die Art der Beratung weiterempfohlen. Der intensive Austausch mit dem Berater und das gute Gefühl, dass dieser das ihm anvertraute Vermögen aktiv betreut, haben ebenfalls überzeugt.

Vor allem die optimierte Berücksichtigung von Risiko- und Ertragspotenzialen traf auf große Zustimmung. Einziger Wermutstropfen für die Berater war der regulatorisch vorgeschriebene und durch die Umschichtungshäufigkeit entstehende hohe Aufwand für die Einzeltitelberatung

„Die robotergestützte Beratung ist damit für uns primär für Kunden mit größerem Vermögen geeignet. Für andere Kundengruppen wird der Einsatz des Inasys-Robtimizers interessant, wenn der Anlageprozess mittelfristig voll automatisiert abgewickelt werden kann“, resümiert Große.

Zusammenarbeit mit dem Dienstleister läuft weiter

Daher engagieren sich die Finanzexperten der BLSK auch weiterhin in der Zusammenarbeit mit Inasys bei der Weiterentwicklung des Produkts. Sie gestalten so den Weg des aktuellen Spezialistensystems zu einer Berateranwendung. Diese soll mittelfristig in den Beratungsprozess integriert werden und dann auch den Umgang mit Beraterbögen sowie Geeignetheitserklärungen umfassen.

Mit Blick auf die kommende Erbengeneration unterstützt die BLSK langfristig den Ausbau zu einer Kundenlösung. Diese bietet dem Institut die Perspektive, für ihre digital affinen Kunden ein moderner und gleichzeitig vertrauensvoller Private-Banking-Partner zu sein, der sie in allen Lebenslagen mit passgenauen Angeboten unterstützt.

Der Artikel ist erstmalig im IT-Magazin der FI erschienen.