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Infrastruktur / Serie - Teil 2
Schnelles Internet für den Schwarzwald
Wie Sparkassen und Landesbanken die digitale Infrastruktur fördern: Im Nordschwarzwald hat die Sparkasse Pforzheim Calw die Versorgung mit Highspeed-Internet maßgeblich vorangetrieben.

Kuckucksuhren, Schwarzwälder Kirschtorte, Wälder, Berge und Seen. Soweit die Klischees vom Schwarzwald. Schnelles Internet gehört nicht zum leicht hinterwäldlerischen Bild einer ländlichen Idylle. Doch dieses Bild trügt, denn die Versorgung mit Highspeed-Internet ist im Nordschwarzwald weit fortgeschritten. Die Sparkasse Pforzheim Calw hat den Breitbandausbau maßgeblich vorangetrieben. 

Viele Unternehmen sind bei der Übertragung großer Datenmengen auf hohe Geschwindigkeiten angewiesen. Mit Glasfasernetzen sind Übertragungsraten im Gigabit-Bereich möglich. Doch Deutschland hinkt beim Breitbandausbau vielen anderen Industriestaaten hinterher. Mit der Finanzierung von Glasfasernetzen fördern Sparkassen und Landesbanken den kostspieligen Ausbau der digitalen Infrastruktur in ihrem Geschäftsbereich (vergleiche Teil eins der Serie „Daten-Autobahnen – die Lebensadern der Wirtschaft“). 

Flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigem Internet 

2003 ist die Sparkassen-IT als eigenständige GmbH und hundertprozentige Tochter der Sparkasse Pforzheim Calw gegründet worden. Ihr Zweck ist der kontinuierliche Aufbau eines Glasfasernetzes in der Region.

Die „Highspeed-Zentrale“ des Nordschwarzwalds: das Calwer Rechenzentrum.

Die regionalen Schwerpunkte der Sparkassen-IT bilden die Landkreise Calw sowie die Stadt und Region Pforzheim. Darüber hinaus versorgt die Sparkassen-IT auch den Landkreis Böblingen und teilweise die Landkreise Karlsruhe, Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg und Freudenstadt mit schnellem Internet.  

„Trotz topografisch schwieriger Bedingungen konnten wir zusammen mit der Sparkasse die Grundlage für eine flächendeckende Versorgung des Landkreises Calw mit leistungsfähigem Internet schaffen“, sagt Andreas Knörle vom Dezernat Infrastruktur im Landratsamt Calw. Er ist Geschäftsführer des Eigenbetriebs Breitband Landkreis Calw und somit verantwortlich für die digitale Infrastruktur im Landkreis. 

„Trotz topografisch schwieriger Bedingungen konnten wir zusammen mit der Sparkasse die Grundlage für eine flächendeckende Versorgung des Landkreises Calw mit leistungsfähigem Internet schaffen“, so Andreas Knörle.

1000 Kilometer langes Kernnetz

Für die privaten Telekommunikationsanbieter lohnt sich der Ausbau von schnellem Internet in ländlichen Regionen wirtschaftlich oft nicht, weil die Erschließungskosten hoch sind, besonders in einer gebirgigen Region wie der des Schwarzwaldes. „Deshalb ist die Sparkasse in die Bresche gesprungen“, sagt Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. 

Mit Unterstützung der Sparkasse sind die Höhenzüge im Nordschwarzwald mit schnellem Internet versorgt worden, und das schon vor zehn Jahren. Davon profitiert auch die Sparkasse selber. Diese nutzt das Glasfasernetz zur Verbindung ihrer größeren Geschäftsstellen und zur Koppelung der Sparkassen-Rechenzentren in Pforzheim und Calw.

Stephan Scholl: „Unser Engagement betrachten wir als Teil des öffentlichen Auftrages zur Daseinsvorsorge und zur regionalen Wirtschafts- und Standortförderung.“

Seit 2002 hat die Sparkasse 25 Millionen Euro in den Bau des Glasfasernetzes investiert. „Unser Engagement betrachten wir als Teil des öffentlichen Auftrages zur Daseinsvorsorge und zur regionalen Wirtschafts- und Standortförderung“, sagt Scholl. Das hochleistungsfähige Datennetz erschließt inzwischen das komplette Geschäftsgebiet der Sparkasse Pforzheim Calw. Das fast 1000 Kilometer lange Kernnetz wird mit einer Geschwindigkeit von zehn Gigabyte pro Sekunde betrieben.  

400 Kilometer langes Backbone-Netz

In der ersten Ausbaustufe lag der Schwerpunkt auf Gewerbekunden. Die Erschließung der Gewerbegebiete in Nagold sowie mehrerer Krankenhäuser hatte Priorität. Dazu kamen große Gewerbegebiete in Böblingen und Sindelfingen. Seit 2017 trifft der Landkreis Vorkehrungen, damit auch die privaten Haushalte mit schnellem Internet versorgt werden können. 

Der Netzplan: Ein Überblick über das Gemeinschaftsprojekt.

Inzwischen verfügt der Eigenbetrieb Breitband Landkreis Calw über ein mehr als 400 Kilometer langes Backbone-Netz. Für dessen Bau nahm der Landkreis fast zehn Millionen Euro in die Hand. Backbone ist die Bezeichnung für die Hauptleitung in einem Breitbandnetz, an das alle 25 Kommunen im Landkreis angeschlossen werden sollen. 

Der innerörtliche Ausbau der Glasfasernetz-Infrastruktur bis zum Nutzer, die sogenannte „letzte Meile“, ist dann Sache der Kommunen. Bei der Planung und Ausführung werden sie vom Landkreis unterstützt. Dazu gibt es Förderbeträge von Land und Bund. 

In den nächsten zwei bis drei Jahren soll in den beteiligten Kommunen eine nahezu flächendeckende Versorgung mit Highspeed-Internet gewährleistet sein, so Knörle. Die Gesamtkosten werden vom Landkreis mit 250 bis 300 Millionen Euro veranschlagt. Aktuell laufen in neun Gemeinden entsprechende Bauarbeiten. 

Verlegung der Glasfaserkabel: Die Bauarbeiten für den flächendeckenden Breitbandausbau sind noch lange nicht abgeschlossen. 

Obwohl es ein kleiner Markt sei, herrsche Wettbewerb, versichern die Verantwortlichen im Landkreisamt und bei der Sparkasse. „Wir bauen auch dort, wo ein privater Telekommunikationsanbieter nicht bauen würde“, sagt Sparkassenchef Scholl. Betrieben wird das Breitbandinternet als Gemeinschaftsprojekt Nsw Netz, zusammen mit der Sparkassen-IT, dem Landkreis Calw und Brain4kom aus Gaggenau. Die Dienstleistung für den Endkunden erbringt Brain4kom mit einer Datenübertragungsrate von bis zu 400 Megabyte pro Sekunde. 

Taugt dieses Kooperationsmodell aus dem Nordschwarzwald als Vorbild für andere Landkreise und Sparkassen? Davon sind Andreas Knörle und Stephan Scholl überzeugt. Das Projekt lebe davon, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. „Uns verbindet ein gemeinsames Verständnis über die elementare Bedeutung des Breitbandausbaus zur Sicherung des Lebens- und Wirtschaftsstandortes in der Region Nordschwarzwald“, so Knörle. 
 

Ricardo Tarli
– 11. Juni 2020