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| Digitale Vermögensverwalter

Kein Ersatz für gute Berater

Robo-Advisor haben die klassische Kundenberatung bereits deutlich verändert. Doch es ist kein Boom ohne Ende, wie eine Analyse zeigt.

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In Deutschland haben sich Fintech-Unternehmen wie zum Beispiel Scalable Capital, Ginmon, Quirion, Vaamo und Direktbanken wie ING Diba, Comdirect, Targobank und Quirinbank am Markt etabliert. Auch die Deutsche Bank hat zwischenzeitlich ihr Angebot um den „Anlagefinder“ erweitert. Die Sparkassenorganisation spielt am Markt eine gewichtige Rolle – siehe unten. Die Mehrzahl der digitalen Helfer arbeitet nach dem gleichen Schema:

Erstens hat der Nutzer einen ganzen Katalog von Fragen zu seinem Alter, seinen Anlagezielen, dem Anlagezeitraum und dem anzulegenden Betrag (einmalig oder per Sparplan) zu beantworten.
Zweitens wird daraus die Risikobereitschaft des Anlegers abgeleitet.
Drittens stellt der Algorithmus aufgrund dessen ein ETF-Portfolio zusammen.
Viertens wird per Programm die Verteilung der verschiedenen Assets mehrmals im Jahr mit den Ausgangswerten verglichen und gegebenenfalls angepasst.

 
Vielleicht smart, aber noch lange nicht intelligent: Die Mehrzahl der digitalen Helfer arbeitet nach dem gleichen Schema. © dpa

Die Kosten der digitalen Vermögensverwalter sind extrem unterschiedlich. Sie setzen sich zusammen aus der Servicegebühr für die Managementleistung und den Kosten der verwendeten ETFs. Im Einzelfall werden auch Transaktions- und Performancegebühren erhoben. Im Gesamtzusammenhang sind mehrere Punkte von besonderer Bedeutung:

⇒ Weil Robo-Advisor meist keine eigene Banklizenz besitzen, agieren sie mit Partnerbanken, die die Depots verwalten und die Transaktionen durchführen.
⇒ Die Vermögenswerte der Kunden gelten als Sondervermögen und sind deshalb gesetzlich vor der möglichen Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen geschützt.

Anlageprinzipien der Anbieter

Für die Anlage der Kundengelder nutzen die Firmen in aller Regel kostengünstige Indexfonds mit unterschiedlichen thematischen und länderspezifischen Schwerpunkten. Hinsichtlich der Anlagestrategien und -philosophien treffen dabei unterschiedliche Verfahrensweisen aufeinander:

Prinzip I: Verändern sich aufgrund von Kursbewegungen die Gewichte der Assetklassen, so werden ihre Quoten wieder dem Ausgangsniveau angepasst. Diese automatische Justierung ist bekannt unter dem Begriff „Rebalancing“.

Prinzip II: Die Gewichtung wird je nach Marktlage verändert. Signalisiert beispielsweise das System zunehmende Kursschwankungen oder aufkommende Risiken, so schichtet der Anlageroboter in weniger riskante Anlagen um. Im Fachjargon nennt sich diese Methode „Value at Risk“.

Prinzip III: Die Strategie folgt dem Gedanken, dass sich längerfristig bei der Anlage in Aktien bestimmte Teilbereiche – beispielsweise dividendenstarke Titel oder Small Caps – besser entwickeln als der Gesamtmarkt. Diesen strategischen Ansatz kennt man unter dem Begriff „Faktor-Investing“.

Wie ist die Sparkassen-Finanzgruppe aufgestellt?

Dies alles spielt sich in einem Umfeld ab, das durch Niedrigstzinsen, überbordende Regularien bei der Beratung und Turbulenzen an den Finanzmärkten geprägt ist. Bedeutsam ist darüber hinaus, dass nun auch in Deutschland mehr Anleger bereit sind, stärker in Wertpapiere zu investieren.

Die Sparkassenorganisation ist im Marktgeschehen der Robo-Advisor überaus aktiv. Sie bietet unter der Bezeichnung „Anlagekonfigurator“ eine flächendeckende Lösung an. Darüber hinaus haben einzelne Sparkassen zusammen mit Fintech-Unternehmen digitale Plattformen entwickelt und auch der S-Broker liegt im aktuellen Trend.

Daneben zeigt die Deka am Markt deutlich Flagge. Sie lässt derzeit in ihrer Werbung einen offensichtlich zufriedenen Kunden Folgendes formulieren: „Mein Vermögen? Habe ich einfach digital im Griff. Mit der Digitalen Vermögensverwaltung Bevestor und den Wertpapierexperten der führenden Finanzgruppe.“

In der Sparkassenorganisation richtet sich nun auch der Blick auf die Robo-Advisory-Lösungen für das gehobene Segment. Die Inasys GmbH als Tochtergesellschaft der Finanz Informatik hat den „Robtimizer“ entwickelt. Ziel ist, die Vermögensverwaltung zu unterstützen. Der Robtimizer arbeitet mit drei verschiedenen Anlagestrategien: einem defensiven, einem ausgewogenen und einem wachstumsorientierten Portfolio.

Welche aktuellen Entwicklungen sind zu beobachten?

Vor gut fünf Jahren etablierten sich erstmals Robo-Advisor am deutschen Markt. Gemessen an angelsächsischen Verhältnissen wurde auch hierzulande ein gewaltiges Wachstum prognostiziert. Anhand von neuen Zahlen der Unternehmensberatung Oliver Wyman wird nun jedoch deutlich, dass die ursprünglich prognostizierten Beträge der verwalteten Kundenvermögen deutlich nach unten korrigiert werden müssen. Die Folge ist, dass sich bereits einige Anbieter vom Markt verabschiedet haben. Andere fusionieren oder versuchen, mit einem veränderten Angebot Kunden zu akquirieren.

Am Markt ist zudem zu beobachten, dass die Anbieter aktiver als früher in die Portfolios der Anleger eingreifen. Verändern sich die Märkte markant, so passen die Gesellschaften die Anlagequoten der einzelnen Assetklassen je nach Risikoklasse der Sparer an.

Einige Gesellschaften wie Liqid, Solidvest und Fundamental Capital gehen noch einen Schritt weiter; sie mischen zusätzlich zu den ETFs auch einzelne Aktien, Private-Equity-Fonds und Rohstoff- beziehungsweise Immobilienwerte in die Portfolios ihrer Kunden. Damit wird deutlich, dass einerseits die Renditen erhöht werden sollen, es sich andererseits jedoch nicht mehr um liquide Anlagen im klassischen Sinne handelt.

Welche Alternativen bieten sich Anlegern?

Für Anleger, die sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern können oder wollen, sind Robo-Advisor eine bequeme und kostengünstige Alternative. Die Nutzer müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass sie ihr Geld – bis auf die geschilderten Weiterentwicklungen – in komplett standardisierter Form investieren.

Doch wenn schon die Anlageroboter (fast) ausschließlich Indexfonds für die Geldanlage nutzen, so keimt ein simpler Gedanke auf: Der interessierte Anleger, der sich selbst um sein Geld kümmern will, managt sein Portfolio auf ETF-Basis in Eigenregie. Die Anlagepalette reicht dabei von den gängigen ETFs auf den Dax, über den MSCI World und Staats- und Unternehmensanleihen bis hin zum physischen Gold, um lediglich einige Beispiele zu nennen. Diese Art der Vermögensanlage ist einerseits eine echte Alternative und bringt andererseits einen gewissen Lerneffekt mit sich.

Was kann nur der Mensch leisten?

Mithilfe der Anlage-Roboter ist lediglich der separate Teil der reinen Geldanlage abzudecken. Einem Teil der Anlegerwünsche kann der Computer damit gerecht werden. Was er nicht kann, ist, komplexe und kundenspezifische Lösungen für bestimmte Lebenssituationen und Lebensphasen zu finden. Dies kann nur der sachkundige und kommunikative Berater. Die ganzheitliche Betreuung der Kunden, wie die Sparkassen sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, ist mit Robotern nicht zu leisten – und auch nicht gewollt.

Für komplexe Themen wie Nachlassregelungen bis hin zu Stiftungsgründungen, Finanzierungsmodelle für Investitionen, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und Überlegungen zu Verfügungen und Vollmachten ist der Roboter nicht einsetzbar. Das ist und bleibt das sehr weite Feld, das dem Berater aus Fleisch und Blut vorbehalten ist.

Umfassende Beratung unverzichtbar

Robo-Advisory ist ein Wachstumsmarkt. Dank der Technik empfinden viele Menschen die Geldanlage bereits jetzt als modern und unkompliziert. Doch die fortschreitende Digitalisierung wird die Wertpapierberatung und auch die Vermögensverwaltung noch weiter verändern. Der versierte und kompetente Vermögensberater kennt seinen Kunden genauestens und kann spezifisch und sensibel auf ihn eingehen.

Er weiß um seine Vermögenslage, sein privates und berufliches Umfeld, seine Ziele und Wünsche und seine Einstellung zu Chancen und Risiken. Nur mit diesem Kenntnisstand ist der ganzheitliche Ansatz der Beratung zu gewährleisten – ein Ansatz, der erklärtermaßen weit über die reine Geldanlage hinausgeht.

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Der Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins „SPrivatkundenberatung“ erschienen, Herausgeber ist die ISM International School of Management in Dortmund.