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Kooperationen
Cyberangriffe besser vermeiden
Mittelständische Firmenkunden der Sparkassen können im Kampf gegen Cyberkriminalität besser gewappnet werden. Die Stadtsparkasse Düsseldorf kooperiert dazu mit dem Insurtech Perseus. Ein Gespräch mit Perseus-CEO Richard Renner und dem Innovationsmanager der Sparkasse, Robin Nehring.

Was genau macht Perseus?
Richard Renner: Der Cyberraum ist das Wachstumsfeld im Versicherungsbereich. Doch nicht nur für diese Branche. In Deutschland wird der Mittelstand im digitalen Bereich wesentlich aktiver werden. Das ermöglicht Wachstum, birgt aber auch Risiken. Genau da kommt Perseus ins Spiel.

Was heißt das?
Renner: Großunternehmen haben eigene Abteilungen für IT-Sicherheit, kleine und mittlere Firmen können das nicht leisten. Wir bieten Mittelständlern Lösungen an, um sich in allen Phasen gegen einen Cyberangriff zu wappnen, angefangen bei der Prävention bis hin zu Schadensfällen. In diesem Fall können die Unternehmen sich bei uns melden und wir diagnostizieren das Problem– entweder per Ferndiagnose indem wir uns auf das Netz einschalten oder mit Forensik-Experten vor Ort.

Richard Renner: "Die beste Technik nutzt nichts, wenn das Passwort auf der Tastatur steht."

Das hört sich nach einem IT-Dienstleister an, wie kommt das Thema Versicherung dazu?
Renner: Wir bieten den Unternehmen einen Cyber-Schutzbrief, der die Unternehmer vor Kosten für die Behebung von Cyber-Attacken schützt, mit Experten vor Ort, einer Datenwiederherstellung und weiteren Services. Der Mittelständer weiß, dass er im Schadensfall dann ohne zusätzliche Kosten sofort Experten bekommt.

Wie kommt das Zusammenspiel mit Versicherern zustande?
Renner: Wir haben uns überlegt, wer ähnliche Interessen hat. Unsere Motivation ist es, Unternehmen sicherer zu machen und Schäden kleinzuhalten. Daraus entsteht eine hohe Interessen-Übereinstimmung, welche wir zum Wohle unserer gemeinsamen Kunden durch eine Kombination aus Prävention, Notfallhilfe und Versicherung umsetzen. Darüber hinaus gibt es noch mehr Vorteile für die Versicherer.

Und die wären?
Renner: Kunden haben in der Regel zu zwei Ereignissen Kontakt zu ihren Versicherern: bei Rechnungsstellung und im Schadensfall. Wir hingegen stehen regelmäßig im Kontakt mit den Unternehmenskunden. Der Unternehmer erhält mit unserer Plattform einen Beleg dafür, dass seine Mitarbeiter für das Thema Cybersicherheit sensibilisiert werden und sich anders verhalten. Damit fördern wir die positive Beziehung zwischen Kunden und Versicherer.

Wie funktioniert die Kooperation mit den Versicherern?
Renner: Wir unterstützen an zwei Stellen. Unsere Integration in die Police wertet das gesamte Versicherungsprodukt auf und liefert dem Versicherungsvermittler zusätzliche Argumente im Kundengespräch.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?
Renner: Unmittelbar nach Vertragsabschluss treten unsere Kundenbetreuer in Kontakt zu den Administratoren in den Unternehmen und helfen ihnen dabei ihre Mitarbeiter für das Thema Cyber zu sensibilisieren. Dabei erklären wir ihnen den Ansatz unserer Schulungsplattform und wie sie unsere Sicherheitslösungen einsetzen, zum Beispiel eine auf künstlicher Intelligenz basierende Antiviren-Software. In unseren Sensibilisierungsvideos geben wir konkrete Handlungsempfehlungen, wie das Unternehmen seine Cybersicherheit erhöhen kann und welche Datenschutzbestimmungen zu erfüllen sind, um DSGVO-konform zu arbeiten. Die beste Technik nutzt nichts, wenn das Passwort auf der Tastatur steht. Deswegen geht es darum, dauerhaft eine verbesserte Sicherheitskultur zu erreichen.

Und ist das nicht nur eine momentane Lücke, die Perseus besetzt?
Renner: Das glaube ich nicht. Die Art der Cyberattacken wandelt sich und da muss man sich ebenso weiterentwickeln. Allein in diesem Jahr haben wir neue Angriffsszenarien gesehen, die auf die mangelnde Sensibilität des Mitarbeitenden abzielen, wie etwa Sextortion [Erpressung mit sexuellem Bezug, die Red.], CEO-Fraud oder professionalisierte Phishing-Nachrichten.

Sie kommen selbst aus dem Versicherungsbereich, wie überzeugt man große Versicherer davon, dass ein kleines Startup aus Berlin diese Seriosität und Sicherheit bietet?
Renner: Der Ruf der Assekuranz ist schlechter als die Realität. Die Branche greift aktuelle Trends schnell auf und versucht sie umzusetzen. Kooperationen mit innovativen Unternehmen sind bereits eine etablierte Praxis. Der Aufbau eigener Geschäftsmodelle auf der grünen Wiese, sind ein Trend den wir zunehmend beobachten. Dabei hat uns die Einbindung in das Finleap-Ökosystem mit exzellentem Zugang zu Partnern und Investoren immer sehr geholfen.

Kooperation mit der Stadtsparkasse Düsseldorf

Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist die erste Sparkasse, die mit dem Cybersicherheits-Start-up Perseus eine Kooperation eingeht. Robin Nehring, Innovationsmanager der Sparkasse, erläutert, wie es dazu gekommen ist und worum es konkret geht.

Wie ist es dazu gekommen?
Nehring: Im Rahmen des Innovationsmanagements sind wir sehr an Start-ups mit innovativen Lösungen interessiert, die einen Mehrwert in der Wertschöpfungskette unserer Privat- und Firmenkunden oder für uns selbst darstellen. An dieser Stelle haben wir bereits zahlreiche Kooperationen in unterschiedlichen Themenfeldern schließen können. In Bezug auf Cyber-Security hat uns das Angebot von Perseus letztendlich überzeugt.

Warum bieten Sie dies Produkt an, was ja kein klassisches "Bank-Produkt" ist?
Nehring: Wir möchten für unsere Kunden ein 360-Grad-Lösungsanbieter für alle seine Geschäftsprozesse und Herausforderungen sein. Dies bedeutet, dass wir über Kooperationen/Partnerschaften Lösungen anbieten wollen, die keinen unmittelbaren Bezug zum Kerngeschäft einer Bank haben. Hierzu halten wir es für sinnvoll, mit Start-ups und innovativen Dienstleistern, wie Perseus, zusammen zu arbeiten, um unseren Kunden professionelle Lösungen an die Hand geben zu können - "Stichwort: Beyond Banking". Wertschöpfung entsteht in unserer Wahrnehmung zunehmend durch Vernetzung, genau das Leben wir.

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Über Perseus:
Perseus bietet einen 360-Grad-Schutz für Cybersicherheit und Datenschutz an, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von mittelständischen Unternehmen - von der Prävention durch Mitarbeiterschulungen und künstliche Intelligenz, bis zur Notfallhilfe und finanziellen Absicherung gegen Cybergefahren. Das Berliner Unternehmen wurde im September 2017 gegründet.
Weitere Informationen: www.perseus.de

Thomas Rosenhain
– 7. Januar 2020