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LBBW-Mittelstandsradar
Digitalisierung wichtigstes Investitionsziel
Fast die Hälfte der in einer LBBW-Studie befragten Unternehmen plant, bis zu eine Million Euro pro Jahr in die Digitalisierung und in die Erneuerung der IT-Infrastruktur zu investieren.

Für viele mittelständische Unternehmen ist die Corona-Zwangspause der letzte Weckruf, in die Digitalisierung von Fertigung und Vertrieb zu investieren. Der Mittelstandsradar von LBBW Research zeigt, dass die Pandemie dem wichtigsten Investitionsziel der Unternehmen zusätzlichen Schub gegeben hat.

„Für viele Mittelständler ist nach der Corona-Zwangspause nun entscheidend, wie schnell sie Fertigung und Vertrieb gefragter Produkte wieder hochfahren können“, erklärt der für das Unternehmenskundengeschäft verantwortliche LBBW-Vorstand Karl Manfred Lochner.

Bereits zu Beginn der Pandemie sei ein hoher Digitalisierungsgrad ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gewesen, als sich die Unternehmen kurzfristig auf unterbrochene Liefer- und Fertigungsketten einstellen mussten. Hier zeigten sich Vorteile für diejenigen, die schon große Digitalisierungsfortschritte vorweisen konnten, erläutert Lochner.

Produkte und Dienstleistungen im Mittelpunkt

Die Ergebnisse des vierten Mittelstandsradars zeigen, dass die teilnehmenden Unternehmen die Position ihres Digitalisierungsstands im guten Mittelfeld verorten. In den nächsten drei Jahren plant fast die Hälfte der befragten Unternehmen, durchschnittlich bis zu eine Million Euro pro Jahr in die Digitalisierung und in die Erneuerung der IT-Infrastruktur zu investieren.

Die bisherigen Erkenntnisse aus dem Coronaschock zeigen, wie fragil die operativen Tagesgeschäfte in einigen Branchen sind. Unternehmen legen deshalb noch mehr Wert auf ein stabiles und zukunftsfähiges IT-Fundament.

In vergangenen Befragungen der LBBW hatten sie als Investitionsziel oftmals eine verbesserte Hard- und Software-Ausstattung genannt: „Künftige Investitionsschwerpunkte liegen hauptsächlich bei der Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, dann erst kommt die Erneuerung der IT-Infrastruktur mit Hard- und Software“, erklärt Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter LBBW Research.

Cloud-Computing und digitale Portallösungen sind in den Vordergrund gerückt. Cloud-Computing ermöglicht es den Unternehmen, auch mit großen Datenmengen ortsunabhängig und damit mobil zu arbeiten.

Außerdem sind die Investitionskosten vergleichsweise gering und die Kapazitäten leicht erweiterbar. Der Anteil der Unternehmen, die Cloud-Computing bisher nutzen, liegt bei 57 Prozent. Weitere zwölf Prozent wollen es in absehbarer Zeit einführen.

IT-Landschaft: Unternehmen bevorzugen deutsche Clouds

Doch viele der Mittelständler haben Vorbehalte gegenüber Cloud-Lösungen: Argumente sind unter anderem die Abhängigkeit von Fremdfirmen und Bedenken gegenüber der Weitergabe von Daten.

Eine Befürchtung ist, dass die Sicherheit der Unternehmensdaten nicht ausreichend gewährleistet sein könnte. Daher bevorzugen rund 83 Prozent der befragten deutschen Mittelständler eine deutsche Cloud.

Steht diese jedoch nicht zur Verfügung, ist für viele Unternehmen eine Cloud-Lösung aus einem anderen EU-Staat die beste Alternative. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen verwenden bereits digitale Portallösungen.

Im Vordergrund stehen Basisfunktionen wie der sichere und schnelle Zahlungsverkehr, das elektronische Postfach oder die Möglichkeit, Dokumente zu teilen oder Verträge digital zu unterschreiben. Daneben nutzen sie hoch spezialisierte Anwendungen wie die Plattform Marco Polo für Handelsfinanzierungen.

Digitale Technik schafft Grundlagen für mobiles Arbeiten

Unternehmen, die während den Quarantäne- und Sicherheitsmaßnahmen zur Coronapandemie über skalierbare Cloud-Kapazitäten und digitale Plattformen verfügten, hatten gute Grundvoraussetzungen für das mobile Arbeiten von zu Hause.

„Digitalisierung ist für fast alle Geschäftsmodelle wichtig, und sie hilft einer Vielzahl von Unternehmen, die Coronabeschwerden zu lindern“, erklärt Vorstand Lochner.

Belegbar sei, dass das operative Tagesgeschäft von Unternehmen mit weiterentwickelter digitaler Infrastruktur weniger stark beeinträchtigt war als das jener Unternehmen, die keine oder nur begrenzte Remote-Zugänge nutzen.

Damit bestätige sich, dass eine diversifizierte IT-Landschaft, die auf verschiedenen Cloud-Anwendungen und Portallösungen beruht, Unternehmen in unerwarteten Situationen mehr Flexibilität verschafft.

24. Juni 2020